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Es gibt sie als Pommes, Kroketten, Kartoffelbrei, Kartoffelpuffer, Bratkartoffel oder als normale Salzkartoffel. An Pessach, dem zweitwichtigsten jüdischen Fest, das dieses Jahr vom 29. März bis 6. April begangen wurde, ist sie für Kaschrut haltende Juden die einzige Alternative zum ungesäuerten Matze-Brot für die Zufuhr von Ballaststoffen und Kohlehydraten.
Im religiösen Judentum feierte die Kartoffel (hebräisch «tapuach adama», d.h. «Erdapfel») jedoch erst ihren Durchbruch, als die Herkunft der Knolle aus Südamerika rabbinisch bestätigt wurde. Im 17. Jahrhundert waren sich die Rabbiner Europas noch uneinig darüber, ob die Kartoffel zur Familie der an Pessach verbotenen Erbsen und Bohnen gehört. Durch die zweifelsfrei gesicherte Herkunft aus den südamerikanischen Anden schlossen die Rabbiner, dass die Kartoffel weder mit den in Europa und im Mittelmeerraum vorkommenden Erbsen und Bohnen verwandt sein könnte noch dass sie jemals zuvor in der jüdischen Geschichte verboten gewesen sein könnte. Auch ein Weg der Erkenntnis. Der Weg für die Kartoffel war jedenfalls frei, auch in die koschere jüdische Küche.
Die Rabbiner hatten übrigens Recht in ihrer Annahme, wie die Biologie herausfand. Erbsen und Bohnen gehören zur Familie der Schmetterlingsblütler, während die Kartoffel ein Nachtschattengewächs ist. Sogar der Tabak steht der Kartoffel familiär näher. Und immerhin wird Rauchen an Pessach von den orthodoxen Rabbinern erlaubt, auch wenn es alles andere als gesund ist, ganz im Gegensatz zur Kartoffel.
Besonders an dieser ist nämlich ihr hoher Vitamin-C-Gehalt, der sogar dem eines Apfels entspricht. Vor allem im Winter sind Kartoffeln die wichtigste und auch günstigste Vitamin-C-Quelle für Mittel- und Nordeuropäer. Ohne die Kartoffel und ihre Vitamine hätte man in der nördlichen Hemisphäre wohl kaum den gefürchteten Skorbut besiegen können. Die gesündeste Zubereitung der Knolle ist die Pellkartoffel, da beim Kochen mit belassener Schale die meisten Nährstoffe in der Frucht erhalten bleiben.
Wer die Kartoffel jedoch lieber als Füllung mag, kann, um in der jüdischen Küche zu bleiben, auch «Burekas» mit Kartoffelfüllung probieren. Die Blätterteigtaschen kamen mit den sephardischen Juden aus der Türkei und Griechenland auch nach Israel, wo sie dann schnell zur kulinarischen Alltagserscheinung wurden.
Das so erfolgreiche Gemüse wird inzwischen in 180 Ländern der Erde, auf allen Erdteilen, angebaut. Die Kartoffel, die man in frühe, mittlere und späte Sorten unterteilt, wächst am liebsten bei einem Tagesmittel von 18 bis 20 Grad Celsius und fühlt sich daher auch im subtropischen Klima Israels sehr wohl. Doch die gerade in Deutschland gut verkäufliche israelische Frühkartoffel wird wohl dieses Jahr der großen Nachfrage nicht nachkommen können. Grund hierfür sollen zum einen die niedrigen Preise in der Saison 2009 gewesen sein, weshalb die Erzeuger weniger angepflanzt haben. Zum anderen ist auch am nationalen Markt in Israel kaum mehr Lagerware verfügbar, weshalb die Exportmengen im Jahr 2010 niedriger ausfallen.
Die israelische Frühkartoffel wird meist in der Zeit um Pessach geerntet, also in diesen Tagen, und ist somit ideal für den Verzehr während des folgenden religiösen Festtags, «Lag Ba-Omer». «Lag Ba-Omer», 33 Tage nach Pessach, soll ans Ende einer Plage erinnern, die der Legende zufolge für den Tod von 24.000 Studenten des Rabbiners Akiva (um 100 u.Z.) verantwortlich gewesen sein soll. In Israel haben die Kinder an diesem Tag, dieses Jahr ist es der 2. Mai, schulfrei. Viele zionistische Jugendbewegungen machen an diesem Tag Ausflüge und entzünden am Abend ein traditionelles Lagerfeuer. Über dem röstet man dann vor allem...Kartoffeln.
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