Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Jüdische FeiertageLag Ba-Omer
Die Zeit von Pessach, das Fest zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, bis Schawuot, an dem des Erhalts der Zehn Gebote gedacht wird, bezeichnet man als Omer-Zählen. Am 33. Tag dieses Zählens wird Lag Ba-Omer gefeiert. Lag Ba-Omer, dieses Jahr am 2. Mai, bedeutet wörtlich der «33. im Omer», denn die Buchstaben «Lamed» und «Gimel» haben als hebräische Zahlwörter die Wertigkeit von «30» und «3», also zusammen «33». Sephardische Juden nennen dieses Fest Lag La-Omer, also der «33. des Omer».
Lag Ba-Omer wird historisch als Jahrestag eines von den Römern durchgeführten Pogroms in Jerusalem betrachtet. Das Pogrom markierte den Anfang einer langen Reihe jüdisch-römischer Auseinandersetzungen unter der Führung von Schimon Bar Kochba (gestorben 135 u.Z.). Nach talmudischer Auslegung hatte an Lag Ba-Omer hingegen das große «Schülersterben» ein Ende. Eine mysteriöse Pest soll 24.000 Studenten von Rabbiner Akiva Ben Josef (um 50/55 bis 135 u.Z.) dahingerafft haben.
Folgt man der talmudischen Ausführung, soll Rabbi Akiva nach der Plage nur noch fünf Schüler unterrichtet haben. Einer von ihnen war der berühmte Rabbi Schimon Bar Jochaj, der dann im Jahr 150 u. Z. auch an eben diesem 33. Omer gestorben sein soll. Er gilt als Begründer der Kabbala und Verfasser des «Sohar», der bedeutendsten Schrift der jüdischen Mystik. Seine Anhänger, so wollte es der Lehrer des berühmten Gelehrten Jehuda Ha-Nassi, sollten seinen Tod nicht in Trauer begehen. Als Metapher für seine erleuchtenden Worte entzündeten sie zum Gebet Feuer neben seinem Grab. Da nach kabbalistischem Verständnis die Seele der Frommen jedes Jahr am Todestag erneut aufersteht, feiern orthodoxe Juden heute die «Yahrzeit» (den Jahrestag) mit Ausflügen zu den Gräbern, Picknicks und großen Lagerfeuern.
Die Verbindung zwischen Lag Ba-Omer und Bar Kochba ist dahingehend faszinierend, als dass Schimon Bar Jochaj bekanntermaßen ein Gegner der römischen Herrschaft war und als Schüler von Rabbi Akiva die Revolte unterstützte. Die nachfolgenden Rabbiner bezeichneten Bar Kochba hingegen als «Bar Kosiba» (Sohn der Lüge), da sein Widerstandskampf Unglück über die Juden brachte.
Die Zusammenführung der bedeutenden Charaktere des Altertums am 33. Omer führte in der Moderne zu einer Fokussierung auf Bar Kochba: Er steht für Revolte und jüdischen Heroismus. In der Frühphase des Zionismus und in der Gründungszeit Israels wurde das Symbol Bar Kochba mythologisch aufgewertet. Auch in der Eliteeinheit der paramilitärischen, jüdischen Hagana-Truppen im Palästina der 1930er und 1940er Jahre, der «Palmach», fand sich der Bezug auf Bar Kochba wieder. Nationalreligiöse Juden huldigen am Lagerfeuer gesanglich sowohl Bar Kochba als auch Schimon Bar Jochaj. Beim Picknick ziehen die Kinder zur Erinnerung an den Freiheitskampf des Altertums mit Gummipfeil und Bogen umher. Orthodoxe Juden besingen, auch am Lagerfeuer, nur den Rabbiner. Auch säkulare Israelis verbringen den Tag am Lagerfeuer, aber verschreiben wollen sie sich dabei in der Regel niemandem.
Noch ein anderer Ritus hat sich an Lag Ba-Omer etabliert. So soll ein Junge an diesem Tag seinen ersten Haarschnitt erhalten. Damit versucht man dem Beispiel des Rabbiners Isaac Luria (1534-1572) zu folgen. Der Interpret der kabbalistischen Lehre führte seinen dreijährigen Sohn zum Grab von Schimon Bar Jochaj in Meron (Galiläa). Dort schnitt er ihm die Haare, um ihn gemäß der Tora nicht länger «unbeschnitten» zu lassen.
Die Beschneidung und ihre Symbolik werden vielfach verwendet. Bekannt ist die Beschneidung der Vorhaut eines Jungen am 8. Lebenstag. Die Haare eines Kindes sollen «wie die Früchte eines Baumes» (Drittes Buch Mose 19, 23-24) in den ersten drei Jahren nicht geschnitten werden. Der erste Haarschnitt ist für Jungen somit der dritte «Schnitt» - nach der Durchtrennung der Nabelschnur und der Zirkumzision - und der Eintritt in Welt des Lernens der Tora. Für orthodoxe Jungen markiert er auch den Beginn des Tragens einer Kippa.
Auch in deutschen jüdischen Gemeinden werden Kindern an diesem Tag symbolisch Haarsträhnen abgeschnitten. Wichtiger Teil des Rituals ist es, die Kinder mit dem hebräischen Alphabet bekannt zu machen. Die Kinder müssen die Buchstaben nachsprechen und bekommen, weil das Lernen der Tora eine angenehme Angelegenheit sein soll, noch eine Süßigkeit gereicht. |