Universität Greifwald behält Namen eines Antisemiten

 

Die Universität Greifswald behält den Namen des antisemitischen deutschen Historikers und Dichters Ernst Moritz Arndt (1769-1860). In einer Abstimmung des Senats der Universität am 17. März wurde die für eine Umbenennung der Universität notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht. Mehr noch: Nur 14 der 36 Senatoren sprachen sich für die Umbenennung aus.

 

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Foto: Uni Greifswald

Senatsvorsitzende Prof. Dr. Maria-Theresia Schafmeister sprach im lokalen Fernsehsender «Punktum» im Hinblick auf den Namensstreit und das Ergebnis von einem «Stück gelebter Demokratie an einer Universität».

 

Die Universität, an der derzeit etwa 12.000 Studenten studieren, bekam den Namen «Ernst-Moritz-Arndt-Universität» im Jahr 1933 vom nationalsozialistischen, preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring verliehen. Arndt hatte von 1800 bis 1811 als Professor an der Universität gelehrt und von hier aus sozialkritische Schriften wie «Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen» veröffentlicht. Darüber hinaus verfasste Arndt auch zahlreiche rassistisch nationalistische Texte im Kontext des 19. Jahrhunderts und judenfeindliche Einschätzungen («die unreine Flut von Osten her», «eingesalbte Judengenossen»). Arndt wurde daher von den Nationalsozialisten als Vordenker geehrt. Die DDR-Führung betonte später Arndts Rolle als Gegner des Feudalismus und behielt den Universitätstitel auch nach der NS-Zeit bei.

 

Die Studenteninitiative «Uni ohne Arndt» wies nun auf das antisemitische Vermächtnis Arndts hin und sammelte im Jahr 2009 1.400 Unterschriften für eine Umbenennung. In einer Urabstimmung unter den Studierenden im Januar 2010 sprach sich jedoch die Mehrheit gegen eine Namensänderung aus. Das Schlusswort hatte jetzt der Senat. Sebastian Jabbusch, Sprecher der Initiative «Uni ohne Arndt»zeigte sich gegenüber der «Ostseezeitung» (OZ) vom Senatsbeschluss enttäuscht und bezeichnete die Kampagne zur Umbenennung als «gescheitert».

 

Rechtsgerichtete Studierendenvertreter und Bürger der Stadt hatten im Vorfeld gegen die Umbenennung der Universität demonstriert. Franz Küntzel, stellvertretender Vorsitzender des Rings Christdemokratischer Studenten (RCDS) Greifswald und Verfechter des antisemitischen Namenspatrons, freute sich über den Senatsbeschluss. In einem Interview mit «Punktum» bezeichnete Küntzel Arndt als «streitbare Figur». Auch Greifswalds Oberbürgermeister Arthur König (CDU) begrüßte in der «OZ» die Entscheidung des Senats mit den Worten: «Ich habe an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität studiert und später auch dort gearbeitet. Schon aus dieser Verbundenheit heraus freue ich mich über die Entscheidung.»

JZ

«Jüdische Zeitung», April 2010