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Kein Raum für eine «Architektur des Optimismus»Vor drei Jahren wurde der Libeskind-Entwurf für «Ground Zero» favorisiert – jetzt bleibt nur der GrundrissAls Star-Architekt Daniel Libeskind im Frühjahr 2003 den Wettbewerb für den Wiederaufbau des World Trade Centers gewann, deutete alles darauf hin, dass dieser Auftrag dem Künstler das Meisterwerk seines Lebens bescheren könnte. Tatsächlich war das von ihm vorgeschlagene Projekt atemberaubend: Libeskind versuchte, die Atmosphäre einer Gedenkstätte mit der unumgänglichen kommerziellen Nutzung des Geländes zu vereinbaren. Das zentrale Objekt der «Memory Foundations» war der 541 Meter hohe Freedomtower, der in seinem spiralförmigen Aufstieg an die Fackel der Freiheitsstatue erinnern sollte. Die Flammen der «Lady Liberty» waren das erste, was Libeskind von New York sah - in klassischer Tradition war er als Immigrant mit dem Schiff eingereist und der Anblick ist ihm seitdem in tiefster Erinnerung geblieben. Der Tower selbst sollte mit seiner Höhe von 1776 Fuß auf das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung anspielen, hängende Gärten die oberen Stockwerke des Turms als Zeichen von Lebenskraft zieren. Weitere Teile der Komposition waren der «Lichtkeil» - eine Fläche, auf die jedes Jahr am 11. September das reflektierte Sonnenlicht ungestört fallen sollte, sowie «Fußabdrücke» von den zerstörten Zwillingstürmen. Das Arrangement von fünf anderen Hochhäusern hätte die Skyline von Manhattan verändern können. Keine freie Hand für den Avantgardisten «Größter architektonischer Schrott» Das jahrelange Gerangel um Ground Zero gleicht einer Seifenoper, in der klischeehafte Protagonisten ihre ständigen Auftritte hatten - der Geldhai, sein eiskalter, pragmatischer Helfer, und der sensible, missverstandene Künstler. George Pataki, der Gouverneur des Staates New York, trat gelegentlich als wohlgesinnter Patron Libeskinds auf. Patakis Motive ließen sich mit dem Hintergrund seiner wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidatur in zwei Jahren leicht erahnen. Ein Ultimatum zum Baubeginn Die Entwicklung der Dinge ist dabei nicht besonders überraschend, da sich die Aufnahme von künstlerisch ambitionierter Architektur in den letzten Jahrzehnten immer einseitiger entwickelte. Der moderne Zeitgeist scheint alles abzulehnen, was einen wirtschaftlichen Zweck nicht auf den ersten Blick aufweisen kann. Ein anderes Phänomen der Gegenwart ist allerdings die gleichzeitige Stilisierung eines Künstlers zur Ikone. In der Medienpräsenz einem Popstar ähnlich, gilt solch ein Auserwählter als Vorreiter des guten Geschmacks. Er «darf» dann auch Dinge erschaffen, deren primäres Ziel es ist, ihre Betrachter intellektuell herauszufordern. Da Kunstobjekte zu allen Zeiten dem Geschmack der Masse fremd waren (Anerkennung kommt oft zeitversetzt), ist dieses Phänomen ein Paradoxon. Besonders dann, wenn die Entwürfe des Künstlers in erster Linie eine solche Herausforderung darstellen - passives Vergnügen beim Blick auf das Bekannte verschwindet zugunsten der Anstrengung in der Betrachtung von etwas vollkommen Neuem. Architektur als ästhetisches Abenteuer Die Wirkung von Libeskinds Architektur wird unübersehbar, sobald man sich in einem Gebäude aufhält, das er ins Leben rief - denn nichts wirkt so stark auf einen Menschen wie seine Umgebung. Seine Objekte sprechen die Menschen auf mehreren Ebenen gleichzeitig an - die Konstruktionen erscheinen meist mit zahlreichen verbalen Verweisen. Im Jüdischen Museum in Berlin gibt es Museumsführer, deren Aufgabe es ist, den Besuchern die jeweilige Bedeutung einzelner Abschnitte des Gebäudes zu erklären. Das Museum, mit dem Libeskinds Karriere begann und welchem der Architekt seinen internationalen Durchbruch zu verdanken hat, konkurriert in seiner Form mit seinen Exponaten - die letzten wären nicht unbedingt nötig, sind eher Kommentar als Inhalt. Dieser wird hier von der Form bestimmt. Die Entwicklung um Ground Zero hat jedoch gezeigt, dass das Paradox des «erfolgreichen Künstlers» sehr deutliche Grenzen hat. Der Künstler darf Denkmäler und Museen errichten - diese gehören noch «offiziell» zum Bereich der Kunst. Sobald er aber versucht, Kunst in den Alltag zu integrieren, der von ganz anderen, rein materiellen Werten bestimmt ist, lehnt man dieses Bestreben kategorisch ab und betrachtet den Künstler als weltfremden Bewohner des Elfenbeinturms. Liebeskinds Idee der «Architektur des Optimismus» musste dem Gesetz des Pragmatismus weichen. |