Doppelmoral

Ultraorthodoxer US-Rabbiner tritt wegen Sexskandal mit Konvertitin zurück

Bisher war Rabbiner Leib Tropper nur für eins bekannt: seine ausgesprochene Hardlinerposition in allen Angelegenheiten der Konversion. Als Leiter der Organisation «Eternal Jewish Family» («Ewige jüdische Familie») betreibt er in Israel und weltweit intensive Lobbyarbeit gegen Konversionen, die nicht seinen ultraorthodoxen Standards entsprechen. Der vermeintlich strenge Rabbiner legte, wie die «New York Post» nun berichtete, bei seinen selbst vorgenommenen Konversionen allerdings ganz andere Standards an. So zeigen auf «Youtube» veröffentlichte Tonbänder, dass Tropper von einer angehenden Konvertitin verschiedene sexuelle Dienstleistungen für sich und seine Freunde erwartete, um ihr die Konversion nach ultraorthodoxen Maßstäben zu ermöglichen. Inzwischen ist Tropper vom Vorsitz seiner Organisation zurückgetreten.

 

Stellung ausgenutzt: Rabbiner Tropper (links) und die Konvertitin Shannon Orand. Foto: New York Post

Es fällt schwer, sich eine für einen ultraorthodoxen Rabbiner und seine Gemeinde peinlichere Situation vorzustellen. Die Verstöße gegen das jüdische Gesetz, die Halacha, die der bigotte Tropper zuvor bei anderen ankreidete, verblassen im Vergleich zu den Anklagen gegen den Mann, der versucht hatte, seine sexuellen Begierden in den Konversionsprozess der 32-jährigen Shannon Orand aus Houston, Texas, einzubetten.

 

Den Skandal um Tropper hatte ein Bericht in der «New York Post» aufgedeckt. Die Geschichte ging wie ein Lauffeuer durch die jüdischen Gemeinden der USA und Israels. Der größte Teil des Berichts der «New York Post» befasst sich mit den anzüglichen Kommentaren, die der Rabbiner am Telefon gegenüber Shannon geäußert hatte. So sprach der 60-Jährige etwa von «Rollenspielen» und «gespielter Vergewaltigung» und wünschte sich «sexuelle Dienste» nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Freunde. Außerdem nannte der verheiratete Rabbiner die 32-jährige Shannon «Darling» und «cutie pie». Die scheinbare Liebesbeziehung, die nach Troppers Wunsch der Nichtjüdin den Weg zum Übertritt zum Judentum vereinfachen sollte, schlug indes große Wellen. Knackpunkt bei der Geschichte: Tropper ist nicht nur einfach ein orthodoxer Rabbiner, sondern einer der Hauptverfechter von strengst möglichen, unter orthodoxen Gesichtspunkten vorgenommen Übertrittsverfahren. So berichtete die «Jewish  Week» im Jahr 2006, dass Tropper einer Frau nachträglich die Konversion entzog, weil diese «Hosen getragen» habe. Zudem ist Tropper immer wieder in Skandale verwickelt. Troppers «Eternal Jewish Family» wird vom US-Milliardär Thomas Kaplan and dessen Neffe Guma Aguiar unterstützt. Mit Aguiar soll es im Herbst 2009 zu Handgreiflichkeiten in Folge eines Streits gekommen sein.

 

Troppers Organisation «Eternal Jewish Family» ist zudem stark in die Debatten zwischen den ultraorthodoxen und den nationalreligiösen (modern-orthodoxen) Lagern in Israel involviert. Erklärtes Ziel seiner Organisation ist es, die «Mauern der Konversion zu verstärken». Troppers Organisation versuchte dabei, wohlhabende Juden in seinen Kampf gegen modern-orthodoxe Konversionen einzubinden. Speziell agierte der Skandal-Rabbiner dabei gegen die Übertritte unter dem nationalreligiösorthodoxen Rabbiner Chaim Druckman, der von 1990 bis 2009 Vorsitzender der staatlichen Israelischen Konversionsbehörde war. Aufgrund dieser Lobby-Arbeit wurden Tropper viele Tore zu ultraorthodoxenjüdischen Gemeinden in Israel geöffnet. Tropper hatte dabei von vielen ultraorthodoxen Gemeinschaften in Israel und den USA den Titel «Gaon» («Hochgelehrter», «Genie») verliehen bekommen.

 

Die Nachricht vom Sex-Skandal erreichte die ultraorthodoxe Gemeinschaft in Israel, als Unbekannte in der Stadt Bnei Brak Plakate aufhängten, die Tropper denunzierten. Auf den Plakaten wurde der Rabbiner zum Rücktritt aufgefordert. Tropper, der sich selbst als Opfer einer Intrige sieht, gab schließlich seinen Rücktritt bekannt. Den Sex-Skandal rund um Rabbiner Tropper kommentierte die «New York Post» mit den Worten: «Das ist nicht koscher!».

 

 

JZ

«Jüdische Zeitung», Februar 2010