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Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern zählt etwa 9.000 Mitglieder. Viele von ihnen leben von Sozialhilfe, darunter ein hoher Anteil Senioren, der häufig Schwierigkeiten hat, die steigenden Energie- und Warmwasserkosten zu tragen. Ein gemeinsames Energieberatungsprojekt der Gemeinde und der Münchener Stadtwerke läuft jetzt etwa ein Jahr. Zeit für ein Resümee. Mit der Projektleiterin Olga Albrandt und der Koordinatorin Julia Polonski von der Sozialabteilung der Gemeinde sprach Viktor Fischmann.
Wer unterstützt das Projekt und wie ist es organisiert?
Albrandt: An diesem Projekt sind sechs philantrophische Organisationen beteiligt: das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas, die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das Diakonische Werk und die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern. In jeder diese Einrichtungen koordiniert ein Mitarbeiter bis zu zehn ehrenamtliche Energieberater, die dazu von den Stadtwerken München in einem Kurs ausgebildet wurden.
Wer kann im Projekt ehrenamtliche beraten? In welchen Sprachen bieten Sie die Beratungen an?
Polonski: Unsere Ehrenamtlichen sind häufig ehemalige Ingenieure. Mit ihrem Fachwissen können sie nützliche Ratschläge geben und einen nächsten Ansprechpartner empfehlen. In erster Linie beraten wir russischsprachige Familien, selbstverständlich werden die Konsultationen aber auch auf Deutsch durchgeführt.
Ein großer Energieverlust kommt oft durch veraltete Geräte zustande. Da hilft Beratung wenig. Was können Sie in diesem Fall tun?
Polonski: Altgeräte verbrauchen viel mehr Energie als neue energiesparende Technik. Familien mit geringem Einkommen können es sich jedoch nicht leisten, die alten Geräte zu entsorgen und sich neue zu kaufen. Durch die Unterstützung der Stadtwerke München, die das gesamte Projekt einschließlich der Kurse für die Ehrenamtlichen finanzieren, können nun alte Kühlschränke, Gefrierschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspüler kostenlos umgetauscht werden. Wenn unser Berater feststellt, dass ein Umtausch wirklich nötig ist, schicken wir eine Anfrage an die Stadtwerke. Zumeist werden die Anfragen positiv beantwortet.
Wie viele Bürger haben Ihre Hilfe bislang in Anspruch genommen?
Polonski: Seit dem Projektbeginn sind etwa 1.500 Münchnerinnen und Münchner durch unsere Berater konsultiert worden, etwa ein Drittel davon aus der Kultusgemeinde. Sehr großzügig unterstützen die Stadtwerke dabei Sozialhilfeempfänger, denen etwa 3.300 neue energiesparende Elektrogeräte bis zum Ende des letzten Kalenderjahres zur Verfügung gestellt wurden.
Woran messen Sie den Erfolg Ihres Projekts? Ausschließlich an ökonomischen Fakten?
Albrandt: Natürlich ist in erster Linie ein wirtschaftlicher Effekt wichtig. Nachdem die Menschen mit geringem Einkommen unsere Empfehlungen umsetzen, können sie Elektroenergie sparen und damit einen Überverbrauch verhindern, der oft zur Verschuldung führt. Praktische Lebenshilfe und einen Halt im Alltag zu geben, ist uns jedoch auch wichtig. Wenn Leute Schwierigkeiten haben, dann wissen sie nun, wohin sie sich wenden können. Von den Bürgern, die unsere Hilfe in Anspruch genommen haben, bekommen wir oft eine positive Rückmeldung. Das bestätigt uns, dass unsere Arbeit wirksam ist! |