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Ein Volk will RechenschaftViele Israelis beklagen politisches und militärisches Versagen in der Libanon-KriseDass der gerade verstrichene Libanon-Krieg mit seinen zahlreichen zivilen Opfern, Sachschäden und Zermürbungseffekten auf allen Seiten keine Sieger, sondern nur Verlierer kennt, diese Einschätzung teilen schon jetzt viele Beobachter und Beteiligte. Adäquat äußern sich viele Israelis in den neuesten Umfragen, so auch bei einer Erhebung der renommierten Tageszeitung «Ma'ariv». 66 Prozent der Befragten stimmten dort der Aussage zu, dass «keiner» diesen merkwürdigen Krieg gewonnen habe. Allerdings waren 53 Prozent der Befragten der Meinung, Israel hätte den Krieg fortsetzen sollen, statt sich auf eine Waffenruhe mit der schiitischen Hisbollah einzulassen. Ganze 70 Prozent äußerten sich mit der Entscheidung der Regierung unzufrieden, einer Waffenruhe zuzustimmen, ohne dass die beiden von der Hisbollah verschleppten israelischen Soldaten freigelassen worden seien. Olmert und Peretz sinken ab Auch aus den kämpfenden Einheiten und insbesondere von den einberufenen Reservisten hagelt es im Nachhinein Kritik. «Wir marschierten eine ganze Nacht, um die Toten aus dem Libanon rauszuholen, ohne Wasser und ohne Nahrungsmittel», erzählte Soldat Roni Faigenboim. «Uns wurde gesagt, dass es für die Piloten zu gefährlich sei, Wasser abzuwerfen. Aber haben wir uns etwa nicht gefährdet?» Den zum Kriegsdienst eingezogenen Reservisten wurde schwarz vor Augen, als sie sich für den Einsatz im Libanon einkleideten. «Es fehlte an allem: Schusssichere Jacken, Nachtsichtgeräte, Wasserflaschen und sogar Waffen», erzählt ein Reservist. «Ich habe mir noch privat in der Apotheke ein wenig Verbandsstoff besorgt», meinte ein Sanitäter aus der gleichen Brigade. Protest der Reservisten Das Durcheinander, die schlechte Vorbereitung in den Lagerhallen für den Notfall und schließlich ein komplettes Chaos während des Kampfeinsatzes ließen die Protestteilnehmer vor der Knesset schon wenige Tage nach dem vereinbarten Waffenstillstand auf mehrere Tausend Menschen anschwellen. «Niemand wusste wirklich, wo und wie wir kämpfen sollten. Alle paar Minuten änderten sich die Befehle», beklagte sich dort ein frustrierter Reservist. Die Ziele der Protestkundgebungen sind unterschiedlich. Einige Protestler wollen nur dafür sorgen, dass die Armee sich künftig besser vorbereitet, aus ihren Fehlern lernt und nicht wieder die Reservisten wegen mangelnder Ausrüstung in den Tod laufen lässt. «Wir hatten nur ein einziges Funkgerät für dreißig Mann. Wenn wir uns aus taktischen Gründen aufgeteilt hätten, wäre jeder Kontakt mit der Hälfte des Trupps abgebrochen» meint einer der gemäßigten Kritiker. «Wir haben eine starke, mutige und ausgeklügelte Armee. Aber irgendwer hat diesmal nicht gewusst, die Kraft dieser Armee richtig einzusetzen», kritisiert ein anderer Reservist und plädiert dafür, «Köpfe rollen zu lassen». Ein High-Tech-Ingenieur aus dem Zivilbereich, Joram, der bei der Infanterie eingesetzt wurde, forderte dagegen eine staatliche Untersuchungskommission, «damit die Verantwortlichen den Preis zahlen, wie das bei jedem Konzern ist, wo die Manager gescheitert sind». Die Kritik vieler Unzufriedener richtet sich gegen Politik und militärische Spitze zugleich. Ein wesentlicher Grund für die schlechte Vorbereitung der Armee habe, so Kritiker, an ständigen Kürzungen des Militärhaushalts gelegen. Doch auch vordringlichste Übungen für den Ernstfall seien zu kurz gekommen, so der Militärexperte Zeev Schiff: «Die Soldaten haben Palästinenser an Straßensperren überprüft und Polizeiaktionen im Westjordanland durchgeführt, anstatt für einen richtigen Krieg zu trainieren.» Nicht nur vor der Knesset, sondern auch im Parlament selbst ist mittlerweile Unmut laut geworden. Nachdem Olmert und Peretz in den Umfragen dramatisch abgestürzt sind, bilden sich in der Kadima- und der Arbeitspartei offenbar schon erste Koalitionen, um die gescheiterten Spitzenpolitiker umgehend zu ersetzen. «Iran ist ermutigt» Die Aktien von Halutz «Ma'ariv» hatte Halutz' Geldgeschichte veröffentlicht und einen Israel-weiten Eklat ausgelöst. Jener Reporter, der die Geschichte mehrere Tage lang recherchierte, erhielt nicht nur eine volle Bestätigung vom Generalstabschef. Vielmehr beklagte Halutz auch noch, durch den Verkauf der Aktien 25.000 Schekel (5.000 Euro) Verlust gemacht zu haben. Vor der Presse versuchte er sich später recht ungeschickt zu rechtfertigen: «Das war eine fiese, ekelhafte Veröffentlichung. Irgendjemand wollte eine Schmutzkampagne gegen mich eröffnen.» Ein scharfzüngiger Medienvertreter konterte: «Wie ein Autist merkt der gar nicht, dass er da einen öffentlichen Skandal ausgelöst hat und dem Volk, den Soldaten und der Heimatfront so nicht als Vorbild dienen kann.» Genau auf diesen Vorwurf reagierte Simcha aus Naharija. Ihre halbe Wohnung wurde durch eine Katjuscharakete zerstört. «Jetzt muss ich mich mit den Herren von der Steuer herumplagen, damit die mir die Reparatur von jedem einzelnen geborstenen Fensterrahmen genehmigen, während der Generalstabschef mitten im Krieg seine Aktien in Ordnung bringt.» Von allen Seiten ist nun der Druck gewachsen, Dan Halutz, den hoch dekorierten ehemaligen Luftwaffenchef und heutigen Generalstabschef fristlos zu entlassen - oder «wenigstens» zum Rücktritt zu bewegen. |