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Virtual diasporaDer Libanon-Konflikt bringt Blogs zum Blühen.Bei Krieg und Bedrohung rückt man näher zusammen psychologisch, im Bunker - und im Internet. Besonders eng wurde es auf manchen Blogs. Mancher ist gar enttäuscht wenn's vorbei ist mit der Heimeligkeit. Dass der Krieg vorbei sei, fiel manchen dabei schwer zu akzeptieren, wie einem Eintrag auf balagan.com zu entnehmen ist. Der Schreiber interpretiert darin die Autoaufkleber in Jerusalem. Blogs von Juden aus Australien, Großbritannien, aus Südafrika und Israel, von verheirateten jüdischen Müttern und rastlosen Partnersuchenden versprachen eine ganz ungewöhnliche, eine ganz andere Sicht auf den Konflikt, schienen letztendlich doch wenig kontrovers, mehr unisono. Ihrer aller Mitteilungsbedürfnis befriedigte das Weblog oder Blog: Webseiten mit immer neuen Beiträgen, der aktuellste zuoberst. Jeder kann sich einen Blog einrichten oder sich auf anderen verewigen - anonym oder registriert. Auf Blogs, die als neue Medienrevolution gepriesen werden, als das Ende von Fernsehen und Zeitung, als die zensurfreie alternative Informationsmacht, können sich alle zu allem äußern. Was die einen enthusiasmiert, macht die anderen skeptisch. Klar ist - die jüdische Welt bloggt, was das Zeug hält, sogar Rabbiner dürfen das nicht ignorieren. Es gibt bereits über 35,5 Millionen Blogs Wie den Überblick behalten? Auf Seiten, die Seiten verzeichnen, sogenannten Linkblogs. Von «Aaron's Rantblock» zu «Yourish», von «Belle de Jew» über «MC Rebbe the rapping rabbi» und «Mexijew» zu «Out of Step Jew», von «A simple Jew» bis zu «Yid with Lid» - das Stichwort «Jewish Blogger» ergoogelt unzählige Listen. Manche fristen hoffnungslos veraltet, ein trauriges, vernachlässigtes Dasein. «Jewish blogs» gibt eine Übersicht, immerhin frisch überarbeitet und aktuell. «Jewlicious» tritt professionell auf, zu erkennen an Werbebanner für Dating-Services unter dem Motto «Mach deine Mutter glücklich!», für Studentendarlehen, Freiwilligenarbeit oder Hebräischkurse online. Sinnvolle Einteilung und eine Archivübersicht - das sind vage Anhaltspunkte für gute Blogs, ohne die sich der Ahnungslose kopflos durch Rubriken klickt von ernsthafter Toraauslegung, Feiertagskalender, über koschere Meeresfrüchte zu Kabbala für Schwangere. «J-Blogosphere.com» will der Misere abhelfen. «Hopefully this blog will set everything into a perspective... or confuse even more»: Dazu bietet «J-Blogosphere.com» eine extra «Wartime edition» und eine sorgfältig sortierte Übersicht weitere Blogs und Websites. Nach einer Tabelle auf «blogads.com» ist jedoch «lukeford.net» die jüdische Seite mit den meisten Zugriffen - zumindest des englischsprachigen Raums. Als der Adventistensohn Luke Ford 1992 zum Judentum übertrat, verbrannte er angeblich sein Pornografiesammlung. Sein journalistisches Interesse an heißen Themen löste sich jedoch nicht in Rauch auf. Für heiße Geschichten zu HIV-Kranken, Mafia oder korruptem Journalismus soll der Blogger aus Los Angeles und Autor mehrerer Bücher gar von seinem Rabbi gemaßregelt worden sein. Wikipedia erklärt: «J-blogs teilen sich in radikale, liberale und konservative Camps auf.» Jedoch die Frage bleibt: welches ist das Beste? Selbst die «Jewish and Israeli Blog Awards», vergeben von der Jerusalem Post, helfen da nicht weiter - in siebzehn Kategorien gibt es jeweils drei Gewinner. «Machers.com», nach eigenen Angaben die ultimative jüdische Website, leitet zum personalisierten Service «Frag den Rabbi!». Auch Nichtjuden können hier Fragen stellen. Andy aus Newcestle erfährt dort von Rabbi Roller, dass der Grund für koschere Ernährung der Tora eigentlich nicht zu entnehmen sei. Ihr eigentlicher Zweck sei wohl gewesen, die Juden von den anderen Völkern zu unterscheiden. Abstinenz von Schweinefleisch und Schalentieren diene jedoch der Disziplin und spirituellen Reinheit. Mehr zu lernen gibt es unter «Online Jewish Studies» oder «Jiddisch». Die Rubrik «Jüdische Frauen» wird Frauenliebhaber womöglich enttäuschen - hier wird die traditionelle Rolle der jüdischen Frau international, im Mittelwesten, unter Zionisten oder in Modemagazinen diskutiert. Die Rubrik «Denominations» hilft, endlich Bezeichnung zu verstehen und «Gift», endlich das richtige Geschenk zu finden. Eine Seite über Katzen mit Hitler-Gesicht Jüdische Seiten auf Deutsch sind Mangelware «The Orthodox Anarchist», «Dating Master» oder «Jewish Atheist» nennen sich die Szeneaktivisten, die zu allem und nicht etwas zu sagen finden. Die «Renegade Rebezzin» begrüßt mit «Was ich heute gemacht habe und gestern...» und leise regt sich der Verdacht: haben Frauen von Rabbiner vielleicht zu wenig zu tun? 24 Leuten ist der Eintrag einen Kommentar wert und irgendwie ist ja doch alles verwirkt: der Krieg, Mel Gibson und die langen Fernsehnächte der Rebbezin. Immerhin titelt die Rebbezin selbst: «Warum sollte irgendjemand diese Seite lesen?» oder «Süßes Nichts». |