Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() "Ariel - Mord vor Jom Kippur"von Harri nykänen
Die Erkenntnis, dass unsere in ihrer Widersprüchlichkeit zerrissene Welt im Zeitalter des Internets und der Globalisierung nun tatsächlich eine untrennbare Einheit geworden ist - wovon Generationen von Idealisten jahrhundertelang geträumt haben - scheint mittlerweile eine genauso oft beklagte wie gepriesene Binsenweisheit zu sein. Und wenn auch die bewährten kulturellen Verdrängungsmechanismen, in Kombination mit einem gesunden Optimismus sowie Vertrauen auf die menschlichen Zivilisationsleistungen, gemeinhin dafür sorgen, dass man diese Situation eher als Chance begreift, vermögen uns doch die negativen Folgen dieser Umstände umso mehr in unseren Grundfesten zu erschüttern. Verheerende Naturkatastrophen wie das Erdbeben in Haiti, der schreckliche Tsunami von 2004 oder die Anschläge vom 11. September 2001vermögen uns kurzzeitig begreiflich zu machen, dass im gleichen Maß, wie wir in die Welt gehen, diese zu uns zurückkommt. Der langjährige finnische Polizeireporter und routinierte Krimi-Autor Harri Nykänen (Jahrgang 1953),dessen in seiner Heimat außerordentlich populären und mit großem Aufwand verfilmten Romane um den Gentleman-Killer Raid auch in Deutschland erschienen sind, hat genau diese Konstellation zum Thema des Auftaktromans seiner originellen neuen Serie um den jüdischen Polizeikommissar Ariel Kafka von der Mordkommission Helsinki gemacht. Die depressive, nahezu humorlose Grundhaltung des engagierten skandinavischen Krimis à la Mankell ist mittlerweile nicht nur hinlänglich bekannt, sondern sogar zu einem erfolgreichen internationalen Markenzeichen geworden, und so kann es kaum verwundern, dass auch Harri Nykänen uns in seinem neuen Buch nicht gerade mit feinsinniger Ironie und verspielter mediterraner Lebensfreude verwöhnt. Auch lässt sich an «Ariel - Mord vor Jom Kippur» das bekannte Phänomen beobachten, dass Auftaktromane nicht immer schon all jene Elemente enthalten, die sie später vielleicht zu Klassikern werden lassen. Dennoch gelingt es Nykänen in seinem neuen Krimi dank seiner jahrzehntelangen hautnahen Einblicke in die reale Polizeiarbeit und mit all seiner erzählerischen Routine, eine überaus spannende Geschichte mit interessanten, vielschichtigen Charakteren und überzeugenden Milieus zu erzählen. Innerhalb nur weniger Tage werden im beschaulichen Helsinki vier ortsansässige Araber kurz vor Jom Kippur ermordet aufgefunden, und Ariel Kafka dämmert bereits auf dem Weg zum ersten Tatort, dass seine jüdische Herkunft bei diesem ungewöhnlichen Fall eine gewisse Rolle spielen wird. Denn als er seine Wohnung verlässt, stolpert er geradezu über den betagten Gemeinderabbiner, der ihm ins Gewissen redet, sich doch öfter mal in der Synagoge blicken zu lassen. Und tatsächlich führt ihn die Mordserie nicht nur mitten in die unterschiedlichen Institutionen der jüdischen Gemeinde der finnischen Hauptstadt, sondern lässt ihn auch ganz unverhofft lange vermisste Familienmitglieder und alte Freunde aus Israel wiedertreffen. Als angedeutet wird, dass der Fall möglicherweise mit einem geplanten Terroranschlag auf die Synagoge und dem angekündigten inoffiziellen Besuch des israelischen Außenministers in Zusammenhang stehen könnte, rückt nicht nur der finnische Geheimdienst auf den Plan, sondern es tauchen auch Agenten des Mossad auf, die sich immer wieder auf verdächtige Art und Weise in die laufenden Ermittlungen einmischen. Die absurdtragische, die Welt der Geheimdienste und Spionage gnadenlos bloßstellende Auflösung des Falles ist geradezu hollywoodreif inszeniert und schafft einen insgesamt stimmigen Auftakt zu einer allerdings noch steigerungsfähigen Krimireihe um einen originellen Detektiv aus der nördlichsten Sphäre der jüdischen Diaspora.
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