Das Alte geht, das Neue kommt

Shanghai: Ein Besuch auf der schönsten Großbaustelle der Welt

 

Shanghai liegt in Trümmern: So geht Dynamik auf Chinesisch. Anlässlich der anstehenden Expo 2010 beweist die Stadt zurzeit, dass es möglich ist, einen Moloch mit 19 Millionen Einwohnern innerhalb weniger Monate komplett umzumodeln. Und zwar so, dass die Bevölkerung selbst ihn nicht mehr wiedererkennt. Bis zum Start der Weltausstellung am 1. Mai muss alles fertig sein. Die allgegenwärtigen Bambusgerüste, auf denen zu jeder Tages- und Nachtzeit ungesicherte Bauarbeiter herumturnen, zeugen vom Ehrgeiz der Stadtverwaltung, den Termin um jeden Preis einzuhalten. 70 Millionen Besucher aus aller Welt werden erwartet. Das Motto: «Eine bessere Stadt, ein besseres Leben.»

 

Die Expo soll der Welt beweisen, dass Shanghai nach wie vor eine der wichtigsten asiatischen Metropolen ist. Zu beiden Seiten des Huangpu-Flusses wird derzeit ein riesiges Gelände freigemacht, um nicht zuletzt der Gastgeberstadt Raum zur Selbstdarstellung zu geben. Alle Stadtviertel erneuern dafür ihr Gesicht: «Wenn ich meine Eltern besuche, brauche ich manchmal Stunden, bis ich ihr Haus gefunden habe», stöhnen viele Shanghaier - und finden das völlig normal. «Jiude buqu, xinde bulai», sagt man hier: Ehe nicht das Alte gegangen ist, kann das Neue nicht kommen. Nirgendwo in China wird dem traditionellen Sprichwort mit mehr Elan und Rücksichtslosigkeit Geltung verschafft.

 

Die gewachsene Vergangenheit der Stadt fällt in den letzten Monaten vor der Expo endgültig dem Drang der Städteplaner anheim, eine neue Realität zu schaffen: Neonbeleuchtet, hochtechnisiert und global bedeutsam. Das bereichert die beeindruckende Skyline wöchentlich um einige neue Wolkenkratzer und zerstört täglich ein bisschen mehr Altstadt. Ganze Straßenzüge der alten, zweistöckigen Häuser werden geräumt und eingerissen, die Menschen darin in eines der neuen Hochhäuser verfrachtet. Hin und wieder sieht man eine betagte Dame, die sich mit einem Eimerchen voll Wasser den Weg in einen halbzerfallenen Verschlag bahnt. Kommt man drei Stunden später an den Schauplatz zurück, sind die Frau und ihre Behausung verschwunden - Zwangsumsiedlung im Namen des Fortschritts. Ist alles dem Erdboden gleichgemacht, ziehen die Abrissbirnen weiter. Sie hinterlassen gähnende Leere zwischen 30 stöckigen Skyscrapern.

 

Die Vision ist klar: Shanghai als eine der zentralen Wirtschafts- und Finanzmetropolen des 21. Jahrhunderts. Besucht man das Stadtplanungsmuseum, beeindruckt die Detailtreue, mit der ein Miniaturmodell die angestrebte Entwicklung der Stadt zeigt. Alte Fotos vom verblichenen Shanghai, der «Hure des Orients», in der Opiumhöhlen und Spielhöllen so manchen Seemann um sein Vermögen und gar sein Leben brachten, wirken wenig nostalgisch. Die Kolonialvergangenheit mit all ihrem Elend erscheint dem Besucher eher als Mahnmal: Damit die Zeit der Fremdbestimmtheit ein Ende findet, schafft sich Shanghai selbst ein neues Antlitz. Das Niederreißen der ärmlichen Altstadt ist hier keine Abwendung von einer etwaigen ehrwürdigen Vergangenheit, sondern eine Radikalkur, die den ehemaligen Kolonialhafen der Europäer zu einem Zentrum chinesischen Fortschritts machen soll.

 

Was bleiben darf, sind nicht die Viertel der Ausgebeuteten, in denen Opiumsucht, Sklavenhandel und Kinderarbeit den Alltag bestimmten. Was bleiben darf, ist die objektiv gewürdigte Kunstfertigkeit der damaligen Peiniger. Das «Französische Viertel» mit europäischen Bauten und gepflegten Parks wird ob seiner architektonischen Ästhetik sorgfältig vor dem Verfall geschützt. Hier gibt es Jazzbars, Straßencafés, Pizza und Bratwurst: ein Stück Europa, das sich die jungen Shanghaier als hippe Flaniermeile und exotischen Treffpunkt zueigen machen. Unter freiem Himmel herumzusitzen und Milchkaffee zu trinken, wirkt auf Chinesen ungefähr so merkwürdig wie die Gewohnheit der Langnasen, nur genormte Gurken in ihren Supermärkten zu verkaufen: Schrulligkeiten, die sich wohl nur dekadente Kapitalisten ausdenken können. «Wegen dir hocken wir jetzt auf der Straße, als hätten wir kein Zuhause», muss sich so mancher junge Chinese anhören, der seine Angebetete abends auf einen Wein im europäischen Viertel einladen möchte.

 

Baubegehung: Flaschenöffner und Orakelknochen

 

Shanghai, in China «die Schöne» genannt, ist auf den ersten Blick beileibe nicht schön - aber sicher eine der aufregendsten Städte der Welt. Verfliegt die anfängliche Verwunderung darüber, nicht in einer herausgeputzten Hafenstadt, sondern auf einer gigantischen Großbaustelle gelandet zu sein, beginnt man, die überraschende Ästhetik der Gegensätze inmitten des Chaos zu entdecken. Abgeschiedene Gartenanlagen im Zentrum des Innenstadtrummels und Schwarzwälder Kirschtorte im traditionellen Teehaus; Shanghai ist wohl der einzige Ort, an dem solche Paarungen nicht kurios wirken, sondern durch und durch authentisch.

 

Einen Rundgang beginnt man am besten am «Bund», der Uferpromenade - falls die nicht gerade wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Wenn das der Fall sein sollte, weicht man auf eine der Brücken aus, die über den Huangpu führen. Positioniert man sich auf der Mitte der Brücke, bietet sich ein spektakulärer Blick auf die alten Kolonialgebäude am «Bund» einerseits und die futuristische Skyline auf der gegenüberliegenden Uferseite andererseits. Anschließend sollte man sich in die Niederungen der ausgezeichnet beschilderten Metro-Stationen wagen, um das Shanghai Museum an der Renmin Avenue zu besuchen. Es gilt zurecht als eines der bedeutendsten Museen der Welt. Die berühmten Orakelknochen, von oben bis unten mit jahrtausende alten Schriftzeichen beritzt, sind nur eines von vielen Highlights. Unvorstellbar zarte Kalligraphien, uralte Tonschalen und beeindruckend detailgetreue Statuenzeugen von 5.000 Jahren kultureller Höchstleistungen. Für deutschsprachige Touristen ist die Ausstellung von Münzen und anderen Zahlungsmitteln in den oberen Etagen besonders interessant: dort findet sich unter anderem ein Geldschein über «Eine Million Peking-Mark», die einst in der winzigen deutschen Kolonie Dschingdao (Tsingtao) als offizielle Währung galten. Im Museumsshop gibt es die schönsten Mitbringsel: günstige Nachdrucke von klassischen Tuschezeichnungen. Im Gegensatz zu den minderwertigen Drucken, die von den Straßenhändlern für Centbeträge angeboten werden, behält die Museumsshop-Ware ihre Farbechtheit sogar länger als zwei Wochen.

 

Shanghai strotzt vor architektonischen Superlativen. Der Jin Mao Tower und das Shanghai World Financial Center, mit 420 und 492 Metern die höchsten Gebäude der Volksrepublik, tauchen immer wieder schemenhaft am Horizont auf. Besonders das Financial Center, wegen seinem eigentümlichen Design auch «Flaschenöffner» genannt, wirkt eher wie das Element eines Science-Fiction-Films und nicht wie ein reales Gebäude. Trotz des gefährlich unberechenbaren Verkehrs sollte man sich einen Spaziergang durch die Straßenschluchten gönnen, die von vielstöckigen Wolkenkratzern gesäumt sind. Wenn hinter den riesenhaften Gebäuden plötzlich der «Flaschenöffner» auftaucht, der jeden Vierzigstöcker geradezu winzig erscheinen lässt, wird das Augenmaß für Höhe vollkommen ad absurdum geführt. In solchen Momenten optischer Überwältigung erahnt man als Betrachter den Maßstab der Kategorien, die in China gelten. Die ungeheuren Ausmaße des Landes, die enorme Bevölkerungsmenge und die weiten Distanzen erschließen sich am plakativsten dann, wenn man vor dem Financial Center seine eigene Winzigkeit vor Augen geführt bekommt.

 

Nach einem beeindruckenden, aber anstrengenden Bummel durch die Betonwüste der Innenstadt bietet sich ein Besuch im Yuyuan-Garten an. Mitten im Zentrum gelegen, betritt man durch seine Tore eine andere Welt: Die Kunstfertigkeit der Ming-zeitlichen Landschaftsarchitekten lebt hier bis heute fort. Ausgewogen wurden die Elemente Wasser, Stein und Pflanzen so arrangiert, dass sich aus jedem Blickwinkel ein anderes Bild der Anlage bietet. Exotisch für europäische Augen ist die vollkommene Abwesenheit von Blumenblüten oder anderen Farbtupfern - Attribute, die in asiatischen Gärten traditionell nicht vorkommen. Möchte man das Yuyuan-Gelände in der Ruhe vorfinden, die sich die Erbauerfamilie Pan im Jahr 1559 vorgestellt hat, sollte man Besuche am Wochenende tunlichst vermeiden: Samstags und sonntags reißt der Strom aus japanischen Reisegruppen von der morgendlichen Öffnung bis zum letzten Einlass nicht ab.

 

«Warum hassen euch die Deutschen so sehr?» - Juden in Shanghai

 

Für eine Besonderheit der Stadt sollte man sich unbedingt Zeit nehmen: Hier befindet sich nämlich das einzige jüdische Museum der Volksrepublik. Das hat seinen Grund: Von 1938 bis 1941 emigrierten über 18.000 Flüchtlinge aus Hitlerdeutschland nach China. Shanghai war für sie der erste Anlaufpunkt in Asien. Da die Stadt auch nach der japanischen Besetzung im Jahr 1937 internationalen Status genoss und sich keinem nationalstaatlichen Rechtsabkommen zu beugen hatte, war kein Visum für die Einreise nötig. Wer genügend Geld aufbrachte, die Überfahrt zu bezahlen, war in Sicherheit. Im Stadtteil Hongkou stehen bis heute Häuser, in denen die Neuankömmlinge Zuflucht fanden. Früher wurde das Viertel «Klein-Wien» genannt; hier lebten viele Europäer, es gab günstigen Wohnraum und sogar Kaffeehäuser. Shanghai galt darum als einer der wenigen Orte, an dem auch weniger wohlhabende Verfolgte Zuflucht finden konnten.

 

Einige Juden reisten nach der Ankunft direkt weiter ins Landesinnere; andere blieben. Auf Weisung der japanischen Besatzung wurde ihr Alltag allerdings zunehmend eingeschränkt. Die Japaner - mit den Nationalsozialisten verbündet - konfiszierten jüdischen Besitz und verhängten Ausgangssperren. Immer mehr Flüchtlinge strömten in das abgeriegelte Ghetto. Die hygienischen Bedingungen waren äußerst prekär, und es war den Flüchtlingen kaum möglich, Arbeit zu finden. Hilfsleistungen waren von den Japanern kaum zu erwarten, und die chinesische Bevölkerung litt unter ähnlich katastrophalen Lebensverhältnissen. Dass die Ghetto-Insassen dennoch überlebten und sogar ein provisorisches Gemeinwesen mit Schulen und Tageszeitungen aufrechterhalten konnten, lag an der Hilfe der Baghdadi-Juden, die bereits vor Ankunft der Flüchtlingswellen in Shanghai gelebt hatten. Sie überbrückten die Sprachbarriere zwischen den europäischen Flüchtlingen und den Einheimischen, sie organisierten finanzielle Hilfe und versuchten, Arbeit zu beschaffen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor entfiel auch diese Unterstützung: viele Baghdadi wurden interniert.

 

Je weiter der Krieg fortschritt, desto vehementer forderten die Nationalsozialisten die Auslieferung der Shanghaier Juden. Die Japaner ließen sich allerdings nie darauf ein. Eine Anekdote, die unter den heute 800 Juden in Shanghai noch immer die Runde macht, erklärt die unverhoffte Verschonung wie folgt: Eines Tages habe der japanische Militärgouverneur die Oberhäupter der Ghettojuden einbestellen lassen. Er habe ihnen geschildert, dass Deutschland von seinem Verbündeten Japan die Auslieferung aller Juden fordere. Dann fragte er interessiert: «Warum hassen euch die Deutschen eigentlich so sehr?» Einer der jüdischen Männer trat vor und antwortete: «Weil wir aus dem Orient stammen.» Der Japaner habe genickt und sich der Geringschätzung der Europäer gegenüber allen Asiaten erinnert; darum seien die Geflohenen nie ausgeliefert worden.

 

Diese Erzählung und viele weitere Erinnerungen sind noch sehr lebendig. Einen Eindruck von Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde vermittelt Dvir Bar-Gal. Er organisiert Touren durch die verschiedenen Synagogen der Stadt und lässt die Geschichte der Juden in Shanghai lebendig werden. Eine Stadtführung durch das jüdische Shanghai, zu den jüdischen Friedhöfen und ins ehemalige Klein-Wien ist ebenfalls möglich. Außerdem gibt er Tipps, welche Supermärkte koschere Kost führen und in welchen Restaurants halachisch korrekte Gerichte angeboten werden.

 

Feuertopf statt Gemüsehund

 

Reisetipps:

Für die Einreise in die Volksrepublik China benötigt man ein Visum, das von der chinesischen Botschaft ausgestellt wird (ca. 30 Euro). Es sollte frühzeitig beantragt werden, da mit einer Bearbeitungszeit von mehreren Tagen zu rechnen ist. Besondere Impfungen sind nicht vorgeschrieben. Direktflüge nach Shanghai bieten u.a. Lufthansa und Air China ab Frankfurt (ab 450 Euro pro Strecke). Mit Englisch kommt man in Shanghai gut zurecht; versucht man ein paar Worte Hochchinesisch oder gar Shanghainesisch, macht man sich äußerst beliebt. Die offizielle Währung, der Renminbi (auch: Yuan), kann nur innerhalb Chinas besorgt und verwendet werden. Bei jedem Geldtausch sollte man die erhaltene Quittung gut verwahren, die restlichen Renminbi werden sonst bei der Ausreise nicht zurückgetauscht. Die Hotels der Innenstadt bieten sowohl den Komfort als auch das Preisniveau europäischer Metropolen (DZ ab 80 Euro). Trinkgelder waren lange Zeit unüblich und haben sich bis heute nicht flächendeckend durchgesetzt; die örtlichen Reiseführer, die an nahezu jeder Straßenecke Stadttouren und Flussfahrten auf Englisch anbieten, erwarten allerdings eine kleine Zuwendung. Bleibt man einige Tage in der Stadt, lohnt sich die Nutzung der «Jiaotong Card»: Mit einer beliebigen Summe aufgeladen, kann man mit ihr sowohl in Taxis als auch in der Metro und sogar in einigen Restaurants bargeldlos zahlen. Informationen über Anreise, Touren und das «jüdische» Shanghai gibt es auf www.shanghai-jews.com oder telefonisch bei Dvir Bar-Gal unter: 0086-1300 214 6702.

Aus kulinarischer Perspektive ist Shanghai ein Schmelztiegel. Das Essen wird mittelscharf oder mild gewürzt, in der Küche mischen sich kantonesische Extravaganzen mit nordchinesischer Nüchternheit. Unbedingt probieren sollte man Jiaozi, eine Art chinesische Maultasche mit Kohl- oder Fleischfüllung. Als lokale Spezialität gelten Tangyuan, süß oder salzig gefüllte Klebreisbällchen. Hegt man keine besondere Vorliebe für honighaltiges Bohnenmus, sollte man sich übrigens von chinesischen Süßigkeiten fernhalten - wer nicht an den Geschmack gewöhnt ist, hat vermutlich keine große Freude daran.

 

Rückhaltlos zu empfehlen ist dagegen, wenigstens einmal den klassischen Huoguo (Feuertopf) zu bestellen. Üblicherweise wird dieses Gericht in großer Runde verzehrt; man sollte die Kellner darauf hinweisen, wenn man ein kleineres Gefäß für zwei bis vier Personen wünscht. In einem großen, bronzenen Topf wird dem Gast siedende Brühe serviert, in die dünne Fleischscheiben, Fisch und Gemüse getaucht werden. Der so gegarte Happen wird vor dem Verzehr in einer leichten bis mittelscharfen Sauce abgekühlt. Dass während des Garens hin und wieder Essensstücke zwischen den Stäbchen hindurchrutschen und in die Brühe fallen, ist beabsichtigt. Wenn die vorgeschnittenen Esswaren auf dem Teller verzehrt sind, wird der Topfinhalt nämlich in Schalen verteilt und als Suppe gegessen, nun mehr angereichert mit den abhandengekommenen Fleisch- und Gemüsescheiben.

 

Der Reisende muss in Shanghai übrigens nicht befürchten, mit dem sogenannten «Gemüsehund» (so wird die einzige in China verzehrte Hunderasse genannt) verköstigt zu werden; dieses Gericht findet sich ausschließlich in Guangzhou (Kanton). Im restlichen China werden die Kantonesen darum übrigens für genau so merkwürdig gehalten wie in Europa.

 

Ein absolutes Muss nach dem Abendessen ist eine Nachtfahrt durch Shanghai. Am besten handelt man mit dem Taxifahrer einen Festpreis für eine dreißigminütige Rundfahrt durch die Innenstadtviertel links und rechts des Huangpu aus. Die Metropole zeigt sich nach Einbruch der Dämmerung von ihrer schönsten Seite: Die Autobahntrassen, die sich auf bis zu sechs unterschiedlichen Ebenen zwischen den Wolkenkratzern hindurchschlängeln, werden illuminiert und sind ein surreal geschwungener Blickfang inmitten der hochhauswandgroßen, neonfarbenen Reklametafeln, die die Stadt taghell erleuchten. Die brachliegenden Flächen, auf denen innerhalb weniger Monate eine unzählige Menge an neuen Skyscrapern entstehen wird, lassen die erleuchteten Wohnblocks wie futuristische Inseln erscheinen.

 

Möchte man auch nach der Rundfahrt die Nacht nicht verschlafen, lohnt es sich, die Zeitschriften «That's Shanghai» oder «SH(8 Days)» zu konsultieren - die enthaltenen Eventkalender verschaffen einen schnellen Überblick für die Abendplanung. In den Bars des Französischen Viertels gibt es auch hin und wieder Klezmer-Konzerte. Für einen schnellen Blick in die Magazine geht man in die nächstgelegene Hotellobby, dort liegen die Blätter im Aufenthaltsbereich aus.

 

Wie Shanghai aussehen wird, wenn die Expo 2010 beginnt und die Stadtviertel komplett erneuert worden sind, ist schwer vorstellbar. Den Charme des Unfertigen, die Erinnerung an die hässliche Vergangenheit als Opiumhafen, die flirrende Atmosphäre der begeisterten Neuschöpfung ihrer selbst wird die Stadt möglicherweise verlieren. Wer das faszinierend widersprüchliche China im Umbruch erleben möchte, bevor es sich endgültig hinter Glasfassaden und schwindelerregenden Stahlkonstruktionen verschanzt, der sollte sich noch bis Ende April für eine Reise nach Shanghai entscheiden.

 

Mira Menzfeld

«Jüdische Zeitung», Februar 2010