Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Tod in DubaiImmer mehr Details des Attentats von Dubai empören die europäische Politik
Die Bilder der Überwachungskameras des Hotels Jumeirah in Dubai waren in fast allen tagesaktuellen Medien zu sehen: Mahmud Al-Mabhuh, dem nachgesagt wird, er pflege sich regelmäßig in seinem Zimmer zu barrikadieren, wird umgarnt von freundlichen Tennisspielern. Einer Frau gelingt es später, ihn dazu zu bewegen, die Tür zu öffnen. Die Mörder finden Einlass. Erst am nächsten Tag wird die Polizei die Leiche finden und rekonstruieren, dass er zunächst mit Stromstößen außer Gefecht und dann mit einem Kissen erstickt wurde.
Mahmud Al-Mabhuh wurde in einem palästinensischen Flüchtlingscamp bei Dschabaliya im Gazastreifen geboren. Er hatte 13 Geschwister, brach die Schule ab und eröffnete eine Autowerkstatt. Mit 18 wurde er Muslimbruder, mit 36 verhafteten ihn die israelischen Sicherheitskräfte wegen Waffenbesitzes, wenig später gehörte er zu den ersten Mitgliedern der Hamas, bald rühmte er sich der Entführung und Ermordung der israelischen Soldaten Ilan Saadon und Avi Sasportas. Am 20. Januar 2010 wurde er selbst tot in seinem Hotelzimmer gefunden, er wurde 50 Jahre alt.
Nach Medienberichten soll Al-Mabhuh in der Hamas zu den Gründern der Kassam-Brigaden gehört und vor seinem Tod Waffen und Raketen aus dem Iran über den Sudan und Ägypten nach Gaza gebracht haben. Die elf Verdächtigen, die im Jumeirah-Hotel mehrfach als Tennisspieler von Überwachungskameras gefilmt wurden, hatten vor der Tat schon mit europäischen Kreditkarten bezahlt und konnten entkommen. Ihre Spuren verlieren sich in Europa, Südafrika und Hongkong.
Mord unter europäischen Identitäten
Wenige Tage später gaben die Ermittler in Dubai die Fotos von elf Gesuchten zur Fahndung frei. Zehn Männern und einer Frau waren mit sechs britischen, drei irischen, einem französischen und einem deutschen Pass eingereist. Die irischen waren gefälscht, die Daten der englischen und französischen Pässe gehören zu realen Personen, die alle auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv Station gemacht, aber nachweislich nichts mit dem Mord zu tun haben. Es wird gerätselt, ob ihre Daten hier - möglicherweise sogar von den Behörden - kopiert wurden.
«Der Spiegel» entlarvte inzwischen, dass ein deutscher Pass auf den Namen Michael Bodenheimer lief und im Juni 2009 innerhalb von zwei Tagen ausgestellt wurde. Ein israelischer Bürger hatte ihn mit Hinweis auf seine deutschen Eltern zwecks Einbürgerung beantragt. Normalbürger müssen meist sechs Wochen warten. Das Magazin erfuhr, dass Bodenheimer in seinem angeblichen Geburtsort, dem kleinen nordisraelischen Dorf Leman, völlig unbekannt ist. Seine Wohnung in Herzlija entpuppte sich als Briefkastenfirma unweit des Hauptquartiers des israelischen Geheimdiensts Mossad.
Mossad, das «Institut für Nachrichten und Spezialoperationen», hat einen legendären Ruf und eine für Geheimdienstkreise lange Erfolgsliste vorzuweisen. Seine Agenten entführten 1961 den NS-Verbrecher Adolf Eichmann aus Argentinien, um ihn in Israel einem langen Prozess zuzuführen. Fast alle Welt hatte damals Verständnis für den Zugriff. Ein Mossad-Team verfolgte auf Geheiß von Ex-Ministerpräsidentin Golda Meir 20 Mitglieder des «Schwarzen Septembers» und der PLO, traf fast alle und auch Unschuldige, konnten aber den Chefplaner des Olympia-Attentats von München 1972, Abu Daud, nicht fassen.
Dahi Chalfan Tamin, der Polizeichef von Dubai, ist sich «zu 99 bis 100 Prozent» sicher, dass der Mossad beim Mord an Al-Mabhuh Mitte Januar am Werk war. Die israelische Regierung gab sich zunächst ahnungslos und stellte fest, dass es für solche Unterstellungen keinerlei Beweise gibt.
Am 1. Februar übernahmen die Al-Kuds-Brigaden, der militärische Arm des Islamischen Dschihad, die Verantwortung für schwimmende Bomben, die von israelischen Sicherheitskräften vor Aschdod und Aschkelon aus dem Meer geborgen wurden. In der israelischen Presse mehrten sich danach Berichte, die die gezielte Tötung von Mahmud al-Mabhuh mit Waffenlieferungen des Iran an die Hamas in Verbindung bringen. Bei Koordinationstreffen soll es mehrfach Tote gegeben haben.
Sarkozy: «Solche Hinrichtungen nicht akzeptabel»
Mitte Februar konzentrierte sich die Debatte dann erneut auf die Tatsache, dass die europäischen Länder auf Aufklärung bestehen, ob Israel und sein Auslandsgeheimdienst für den Mordanschlag von Dubai verantwortlich sind und die Rechte und Interessen der EU-Länder verletzt haben. Präsident Nicolas Sarkozy insistierte: «Frankreich kann solche Hinrichtungen nicht akzeptieren.» Der einflussreiche sozialdemokratische EU-Parlamentarier Martin Schulz erklärte gegenüber dem «Spiegel» mit Blick auf die israelischen Ambitionen auf eine besondere EU-Partnerschaft: «Die Bestrebungen Israels, die Beziehungen höher zu stufen, haben nach dem Mord in Dubai einen schweren Schlag erhalten. Ich befürchte, die Affäre wird sich negativ auf unsere Beziehungen auswirken.»
Beim Außenministertreffen in Brüssel wurde am 22. Februar in einer Erklärung zu den Vorgängen in Dubai zwar vermieden, Israel zu nennen und dem Mossad die Verantwortung für den Missbrauch der Pässe ausdrücklich zuzuweisen, gleichwohl sah sich Israels Außenminister Avigdor Lieberman in Erklärungsnot. Er fand aber kein Verständnis für seine Ausflüchte, wonach gegen Israel immer wieder falsche Vorwürfe erhoben würden und man in der arabischen Welt grundsätzlich dazu neige, Israel zu beschuldigen.
In Israel sind die Stimmen gespalten, zwischen Stolz auf den gelungenen Geheimdienstmord und Distanzierung vom Liquidationskommando. «Jedijot Acharonot», bisher nicht als übermäßig regierungskritisch bekannte, größte israelische Tageszeitung, legte Informationen nach, dass die Ermittler in Dubai inzwischen den Einsatz von acht britischen Pässen nachgewiesen haben. Neue Video-Aufnahmen von 30 Minuten Länge würden das Verbrechen ausführlich dokumentieren.
Die Boulevard-Zeitung «Ma'ariv» wusste zu berichten, dass das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate die betroffenen europäischen Regierungen um Zusammenarbeit bei den weiteren Ermittlungen gebeten habe. Und die Hamas habe gegenüber der EU die wenig originelle Idee geäußert, Israel auf die Liste der Länder zu setzen, die den Terror unterstützen.
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