Durch ihn haben sie den Holocaust studiert

Bernhard Lander, Gründer und Präsident des Touro-College Berlin, ist tot

Verstorbener Touro-Präsident und sein Nachfolger? Bernard Lander (links) und Alan Kadish.

Foto: The Jewish Star

Im vergangenen Sommer hielten in Berlin die ersten fünf Absolventen ihr Master-Zeugnis des in Deutschland einzigartigen Studiengangs «Master of Arts in Holocaust Communication and Tolerance» in der Hand. Während des zweijährigen Studienganges beschäftigten sich die Studenten intensiv mit dem, was heute gemeinhin als „Holocaust" bezeichnet wird und den Massenmord an den Juden Europas bezeichnet. Die Studenten des Colleges lernten dabei, den Holocaust ihren Mitmenschen in Erinnerung zu rufen, ja ihn überhaupt erst zu thematisieren und Wege zu finden, dieses schwer zu begreifende Thema beispielsweise anhand von Ausstellungen, Texten oder im Unterricht zu vermitteln. Angeboten wird der Studiengang von dem jüdischamerikanischen Touro-College Berlin. Die Privatuniversität mit Sitz in Berlin-Charlottenburg gehört zu einer Zahl über die Welt verstreuter Touro Colleges. Ihr Gründer war Rabbiner Bernard Lander. Seit 1971 baute er ein Netz an Instituten auf, das zunächst der Vermittlung der jüdischen Kultur dienen sollte und seinen Sitz in New York hatte. Inzwischen nutzen über 23.000 Studenten die weltweiten Ausbildungsmöglichkeiten in unterschiedlichsten Fächern von Medizin über Jura bis zum verschiedenen Lehrämtern. Namenspatronen für die private Universität sind mit Isaak und Judah Touro zwei führende Gemeindevorsteher im Amerika der Kolonialzeit. Diese symbolisierten für Bernard Lander alle Ideale, die er auch als Grundsätze seines neu gegründeten Colleges ansah.

 

Am 8. Februar 2010 ist Rabbiner Lander nun im Alter von 94 Jahren in New York gestorben. Auch im Berliner Touro-College trauert man um den Gründer und Präsidenten der Einrichtung. Gerade mit dem Institut in Deutschland verband Rabbiner Lander eine Vision. Ausgerechnet auf deutschem Boden, ausgerechnet in Berlin, glaubte er seinen Masterstudiengang zum Holocaust an der richtigen Stelle zu wissen. Die Reaktionen auf dieses Vorhaben waren kontrovers. Das Ehepaar Sara und Andreas Nachama ließ sich jedoch von der Idee anstecken und arbeitet seit 2005 als Direktorin und Dekan für das Touro-College Berlin. Welche Bedeutung Bernard Lander für die Geschichte Berlins einnimmt, betont der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): «Berlin verdankt seinem großen Engagement das Touro-College und das Lander-Institut, die rasch zu unverzichtbaren jüdischen Bildungseinrichtungen und zu Orten der jüdischen Geschichte in unserer Stadt geworden sind.» Auch Kulturstaatssekretär André Schmitz, der im Jahr 2007 vom New Yorker Touro College die Ehrendoktorwürde verliehen bekommen hatte, bezeichnete Rabbiner Lander als «guten Freund Berlins», der mit seinem Schaffen zu einem «Brückenbauer» in der deutschjüdischen Geschichte geworden sei.

 

Friederike Neubert

«Jüdische Zeitung», März 2010