Der Untergang Pompeys

Neues von arabisch-chinesisch-jüdischen Verschwörungen

 

Pompey ist untergegangen. Am 25. Februar war es soweit. Nein, es war keine heiße Lawine aus Lava wie der einst im antiken Kampanien, die eine ganze Stadt in den Tod riss. Diesmal war es der schnöde Mammon, der eine Traditionsmarke des englischen Sports zu Fall brachte. Als erster Fußballclub in der Geschichte der ersten englischen Fußballliga, der «Premier League», meldete der F.C. Portsmouth, Spitzname bei Fans und Sportberichterstattern «Pompey», Ende Februar seine Zahlungsunfähigkeit an.

 

Was das nun schon wieder mit Juden zu tun hat, fragt sich an dieser Stelle der aufmerksame Leser. Mehr als man auf den ersten Blick denken mag. Denn was sich in den letzten Monaten bei dem Verein an der englischen Südküste zugetragen hat, war eine lupenreiner Fall von Missmanagement auf Kosten des Sports und einer saudi-arabisch-chinesisch-israelischen Koproduktion dubioser Geschäftspraktiken und undurchschaubarer Verbindungen. Von «Tragödie», «Versagen» und «Farce» sprechen nun die britischen Gazetten. Fazit: Das Image des Rasensports auf der Insel hat einen dicken Kratzer.

 

Doch alles von vorn. Die rasante Kommerzialisierung des britischen Fußballs in den 1990er Jahren und das Konzept vom privaten Clubbesitz - berühmtestes Beispiel sicherlich Roman Abramowitschs Kauf des F.C. Chelsea London im Jahr 2003 - löste auch um den kleinen südenglischen Küstenklub Begehrlichkeiten aus. Immerhin lag der letzte englische Meisterschaftstitel des F.C. schon sehr weit zurück: 1950.

 

Der 1898 gegründete F.C. Portsmouth sollte endlich wieder Titel gewinnen und auf der großen Bühne des europäischen Fußballs, am besten gleich in der «Champions-League» gegen A.C. Mailand und den F.C. Barcelona, mitspielen. Das dachte sich auch der russisch-französischjüdische Geschäftsmann Alexandre «Sascha» Gaydamak, Sohn des zwielichtigen Ex-Waffenschiebers und Milliardärs Arkadij Gaydamak. Vater Gaydamak frönte selbst bis Juni 2009 dem Hobby, einen Fußballverein zu besitzen: den israelischen Club «Beitar Jerusalem».

 

F.C. Portsmouth.

Gaydamak junior wurde im Januar 2006 Miteigentümer am F.C. Portsmouth. Er investierte ordentlich und kaufte für den Verein eine Reihe teurer Spieler zusammen. Auch ein Stadionkonzept nach dem Vorbild der Münchner  «Allianz-Arena» wurde vorgelegt, mit dem Bau begonnen. Der Erfolg stellte sich bald ein. Im Sommer 2008 gewann der Club den renommierten F.A.-Cup und durfte in der Folge auch auf der europäischen Fußballbühne ran, wenn auch nur in der schwächeren «Europa League».

 

Doch das Märchen vom aufstrebenden Provinzverein nahm ein abruptes Ende. Mitte 2009 verkaufte Gaydamak seine Anteile am Club. Er hatte schon zuviel in das immer größer werdende Portsmouther Finanzloch gestopft. Der Verein trudelte bereits vor Jahresfrist dem finanziellen Ruin entgegen. Gaydamak verhinderte damals noch die Insolvenz des Klubs, weil er nicht auf einer sofortigen Rückzahlung seiner Einlagen bestand.

 

Was folgte waren acht turbulente Monate, in denen der Klub gleich dreimal den Besitzer wechselte. Erst kaufte ihn der Unternehmer Sulaiman Al-Fahim aus Abu Dhabi, um ihn dann wegen eigener Finanzschwierigkeiten an den Saudi Ali al-Faraj weiterzureichen. Al-Faraj engagierte einen vorbestraften Finanzbetrüger, den Israeli Daniel Azougy, der den Verein aus der finanziellen Schieflage bringen sollte. «Portsmouth stellt einen Betrüger ein, um aus der Krise zu kommen», ätzte die britische Tageszeitung «The Guardian» Anfang Februar.

 

Azougy verkaufte, wohl nicht immer in Absprache mit anderen Klubverantwortlichen, die besten Spieler des Klubs, um Geld in die leere Kasse zu spülen. In welchem Interesse, fragten sich die Beobachter? Den neuen Chefunterhändler in Portsmouth charakterisierte der israelische Richter David Rozen in der Zeitung «Jediot Acharonot» einmal so: «Ein ausgeklügelter Rechtsanwalt, der alles für seine persönlichen Ziele tut. Er log, betrog, verwendete gefälschte Dokumente und stahl Geld von seinen Klienten.» Im Jahr 2002 wurde Azougy von der israelischen Anwaltskammer für die folgenden 14 Jahre verboten, in Israel als Anwalt zu arbeiten. Erst im März 2009 wurde er wegen Aushändigung falscher Dokumente an die israelische Börse zu einer Geldstrafe und Ableistung sozialer Stunden verurteilt.

 

Der skandalumwitterte Azougy soll auch der Verbindungsmann für den nächsten Eigentümerwechsel beim F.C. Portsmouth gewesen sein, wusste die britische Zeitung  «The Guardian» Anfang Februar zu berichten. Der Geschäftsmann Balram Chainrai aus dem chinesischen Hongkong, dessen Firma «Portpin» im Steuerparadies der Britischen Jungferninseln gemeldet ist, übernahm den Klub Ende 2009 von Al-Faraj. Da war die Zukunft des Klubs offenbar schon besiegelt.

 

Allein 13,2 Millionen Euro schuldete der Klub Anfang des Jahres dem englischen Fiskus. Die britische Steuerbehörde klagte darauf, den Verein für insolvent zu erklären. Ende Februar war es soweit. Dem Verein, der sportlich schon lange abgesoffen ist und abgeschlagen am Ende der «Premier League» dümpelt, werden nun zum Saisonende neun Punkte abgezogen. Der Abstieg ist also unvermeidbar, die Fans des F.C. Portsmouth tragen seit Wochen Trauerflor und machen schlechte Mine zum bösen Spiel. Überraschenderweise gewann die um ihre verkauften Stars dezimierte Rumpftruppe kurz nach Bekanntgabe der Insolvenz nach Langem wieder mal ein Liga-Match: mit 2:1auswärts beim ebenso geschichts- wie skandalträchtigen F.C. Burnley. Ein Sieg mit Signalwirkung?

 

Die Frage nach dem finanziellen Verlierer oder Gewinner ist hingegen noch nicht klar zu beantworten. Der Noch-Erstligist hat beim neuen Klubbesitzer Balram Chainrai und dessen Firma «Portpin» millionenschwere Kredite aufgenommen. Als Sicherheit hatte der Verein neben dem 20.000 Zuschauer fassenden Stadion und den künftigen TV-Einnahmen auch Klubanteile von Ex-Besitzer Ali Al-Faraj hinterlegt. Das berichtet das deutsche Fußballmagazin «Kicker». Die würden nun, nach Bekanntgabe der Insolvenz, in Besitz Chainrais übergehen. Das Stadion, der «Fratton Park», ist übrigens das einzige im englischen Profifußball, das nicht auf dem britischen Festland liegt. Vielleicht auch einer der Gründe für die verlorene Bodenhaftung des F.C. Portsmouth?

 

Miriam Fried

«Jüdische Zeitung», März 2010