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Im 5. Buch Moses wird davon berichtet, dass die Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten 40 Jahre lang durch die Wüste wandern mussten, bevor sie im «Heiligen Land» ankamen. Eine harte Strafe Gottes, wenn man bedenkt, welch widrige Bedingungen in der Wüste vorherrschen. Im Allgemeinen versteht man unter Wüsten vegetationslose oder äußerst vegetationsarme Gebiete. Abhängig von der Ursache einer Wüstenbildung wird unterschieden zwischen Sandwüsten, Stein- oder Felswüsten, Kieswüsten, Salzwüsten und Eis- oder Kältewüsten. An den extremen Wassermangel - es regnet nur sehr selten, dafür aber dann sintflutartig - haben sich die in diesen Gebieten lebenden Pflanzen und Tiere recht gut angepasst. Vor allem Wasser sparende oder Wasserspeichernde Sträucher, Gräser und tief wurzelnde Bäume wie Akazien wachsen in der Wüste. Auch die Tierwelt ist überraschend abwechslungsreich. Es gibt verschiedene Säugetierarten, Reptilien und Vögel, die an die klimatischen Bedingungen angepasst sind.
Die größte Wüstenlandschaft Israels liegt im Süden des Landes: die Negev-Wüste. Sie erstreckt sich über mehr als 13.000 Quadratkilometer und bedeckt damit 55 Prozent des israelischen Territoriums (international anerkannte Grenzen von 1967). Der hebräische Begriff «Negev» leitet sich ursprünglich vom Wort «trocken» ab. In der Bibel steht «Negev» aber auch für die Himmelsrichtung «Süden». Die Negev-Wüste ist eine Steinwüste mit Gebirgen und Tälern, durchbrochen von Wadis (zeitweise austrocknenden Flussläufen) und tiefen Erosionskratern. Der Ramon-Krater ist mit einer Ausdehnung von fast 40 Kilometern der größte Krater im Negev.
In dieser kargen Landschaft leben heute etwa 379.000 Juden und 175.000 Beduinen. Weite Teile des Gebiets beansprucht das israelische Militär für sich und führt dort vor allem Raketentests, Tiefflüge mit Kampfflugzeugen und Truppenübungen durch. Die größte Stadt der Region ist Beer-Scheva mit 185.000 Einwohnern. Neben einigen jüdischen Kleinstädten wie Dimona oder Mitzpe Ramon sowie Beduinenorten wie Rahat prägen vor allem Kibbuzim die größtenteils menschenleere Landschaft. Erstaunlich, aber wahr: Sogar eine Universität gibt es in der Wüste - die renommierte Ben-Gurion Universität des Negev.
Apropos David Ben-Gurion: Der erste Ministerpräsident Israels lebte selbst mehrere Jahre im Kibbutz Sde Boker, 50 Kilometer südlich von Beer-Scheva. 1953 trat er dem ein Jahr zuvor gegründeten Kibbuz bei, um seine zionistischen Zielsetzung zu verwirklichen, «die Wüste zum Blühen» zu bringen. Er gründete die «Ben-Gurion-Akademie», in der man der Frage nachgeht, wie Wüstengebiete landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden können. Die Ergebnisse nach 50 Jahren sind jedoch eher dürftig. Der Negev ist ein Wegzugs- und kein Zuzugsgebiet.
Hinzu kommen handfeste Umweltsorgen. Seit einigen Jahren kämpfen die Menschen im Negev nicht nur mit der steten Wasserknappheit, sondern auch mit wachsenden Müllbergen. Die Metropole Tel Aviv beispielsweise entsorgt seit einiger Zeit ihren Müllüberschuss im Negev. In Ramat Chovav steht das größte Sondermülllager Israels. Es gibt Pläne, wonach mehr Industrie in die Wüstengegend verlagert werden soll. Momentan ist vor allem die chemische Schwerindustrie im Negev stark vertreten. In der Vergangenheit wurden immer wieder Vorfälle gemeldet, die auf zweifelhafte Entsorgungsmethoden und auf die Kontaminierung des Bodens und des Grundwassers hindeuten. Der Negev ist eben auch nicht mehr das, was er zu Zeiten Moses‘ war.
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