Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() "Das Rätsel von Paris"von Pablo De Santis
«Als hätten E. T. A. Hoffmann und Franz Kafka gemeinsam einen Krimi geschrieben», schwärmte der Hessische Rundfunk vor einigen Jahren über einen früheren Roman des überaus produktiven, in unzähligen verschiedenen literarischen Genres beheimateten argentinischen Schriftstellers Pablo De Santis (geboren 1963). Der klassische Kriminalroman in der Tradition Edgar Allan Poes und Arthur Conan Doyles war in Abgrenzung zum oftmals eher reißerisch angelegten und mehr auf vordergründige Effekte abzielenden Thriller in seiner ausgeklügelten, hermetisch strengen Struktur immer schon eine beliebte künstlerische Spielwiese für einige der ambitioniertesten und talentiertesten Autoren ihrer Generation. Dies gilt umso mehr für die reichhaltige Literatur Argentiniens, die so schillernde Ausnahmeerscheinungen wie den universal gebildeten Privatgelehrten und «Dichter der Dichter» Jorge Luis Borges hervorgebracht hat, der nicht nur mit eigenen Werken, sondern auch mit der von ihm zusammengestellten «Bibliothek von Babel» und seinem darin ausgelebten Faible insbesondere für den internationalen Phantastischen sowie für den klassischen Kriminalroman nachhaltig ganze Generationen von Schriftstellern nicht nur der eigenen Heimat zu beeinflussen vermochte. Das trifft in hohem Maße auch auf Pablo De Santis zu, dessen Romane immer wieder virtuos mit Elementen des Kriminalromans spielen. Wie schon «Die sechste Laterne» (2005) oder «Voltaires Kalligraph» (2001) spielt auch sein neuer Roman «Das Rätsel von Paris» in einer mythisch-verfremdeten historisierten anonymen Großstadtrealität, die zum Teil auch sein anderes großes literarisches Vorbild, Franz Kafka, durchscheinen lässt, wobei De Santis eindeutig mehr echten Humor und Willen zur satirischen Weltspiegelung erkennen lässt als der letztgenannte. Sein Buch beginnt am Vorabend der legendären Weltausstellung von Paris im Buenos Aires des Jahres 1888: der weltberühmte argentinische Privatdetektiv Renato Craig, das einzige hochrangige Mitglied der internationalen Vereinigung der «Zwölf Detektive», das sich zur Unterstützung seiner Ermittlungen bisher keines Assistenten bedient hat, sucht per Zeitungsannonce detektivischen Nachwuchs. Der junge Sigmundo Salvatrio, Sohn eines aus Italien eingewanderten Schuhmachermeisters, sieht in diesem unverhofften «Casting» die einmalige Chance, der geistigen und materiellen Armut des Vaterhauses zu entkommen und den kriminalistischen Helden seiner Jugendzeit nachzueifern, deren reale Abenteuer er in der von ihm abonnierten Zeitschrift «La Clavedel Crimen» alle vierzehn Tage regelrecht verschlingt. Nachdem er sich im spektakulär-misslungenen, unwiederbringlich letzten Fall von Renato Craig bewährt hat, erhält er von diesem den unverhofften Auftrag, ihn beim Treffen der Zwölf aus Anlass der Weltausstellung in Paris zu vertreten. Als ausgerechnet einer der Zwölf Detektive unter geheimnisvollen Umständen vom gerade eröffneten Eiffelturm in den Tod stürzt, ist es gerade der jüngste und scheinbar unbedeutendste unter den Kriminalisten und ihren von Neid zerfressenen Assistenten, der die spärlichen Indizien richtig zu deuten weiß. Pablo De Santis beweist mit seinem durch zahlreiche Elemente der Phantastik angereicherten, faszinierenden dunklen Kriminalroman erneut seine Sonderstellung im eklektizistischen Schnittpunkt von Geist und Unterhaltung.
|