Verlorene Architektur

Zwei aktuelle Ausstellungen zeigen einstige Synagogen in Polen und Deutschland

 

Zwischen Verfall und zweckfremder Nutzung: Synagogengebäude in Polen. Foto: Wojcioech Wilczyk

In Chemnitz und Augsburg rücken derzeit zwei Ausstellungen Synagogalbauten in den Blickpunkt. Die Kunstsammlungen Chemnitz stellen seit dem 14. Februar die Werke des polnischen Künstlers Wojciech Wilczyk aus. Die Fotoausstellung «War hier eine Synagoge? Synagogenbauten in Polen» umfasst 20 Fotografien und eine Projektion mit allen 310 Fotografien des Künstlers. Drei Jahre lang war Wilczyk in Polen unterwegs und hat zahlreiche ehemalige Synagogen und private Gebetshäuser festgehalten, die heute entweder für andere Zwecke genutzt oder aber dem Verfall preis gegeben werden. Auf den ersten Blick erinnert kaum noch etwas an die ursprüngliche Architektur der Gebäude, Ornamente und Inneneinrichtung wurden meist fein säuberlich entfernt. Es scheint, als würde die Tatsache, dass vor der Schoa die größte jüdische Gemeinschaft Europas in Polen lebte, allmählich in Vergessenheit geraten, ja gerade zu weggewischt werden. Genau diesen Prozess will Wojciech Wilczyk mit seinen Bildern aufhalten.

 

Auch die aktuelle Ausstellung «Synagogen in Deutschland» im Jüdischen Kulturmuseum in Augsburg wendet sich längst verschwundenen jüdischen Bauten zu. Die Kuratoren nahmen das 25-jährige Jubiläum der Wiedereröffnung der Augsburger Synagoge zum Anlass für ihre Ausstellung. Anhand von 16 Holzmodellen wird versucht, die einstige Vielfalt von Synagogenbauten in Deutschland darzustellen. Schon seit einigen Jahren gibt es immer wieder Projekte, die zerstörte und verschwundene Synagogen wieder sichtbar machen. Man denke nur an die Computeranimation im Jüdischen Museum Berlin, in der die mittelalterliche Synagoge von Worms virtuell wieder ersteht. Die Ausstellung in Augsburg dagegen verwendet Modelle aus Holz, die Studierende der Technischen Universität Braunschweig angefertigt haben und die den Besuchern die Besonderheiten der Architektur vermitteln sollen. Begleitet wird die Schau durch ein Rahmenprogramm mit mehreren Vorträgen, in denen wissenschaftliche Zugänge zur Architektur der Synagogen vorgestellt werden.

 

Wojciech Wilczyks Fotoausstellung «War hier eine Synagoge? Synagogenbauten in Polen» kann vom 14. Februar bis zum 11. April 2010 in den Kunstsammlungen Chemnitz besichtigt werden. Das Jüdische Kulturmuseum in Augsburg zeigt noch bis zum 25.  April die Ausstellung «Synagogen in Deutschland».

JZ

«Jüdische Zeitung», März 2010