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Zwischen Trickfilm und SecuritycheckEin Semester an der Bezalel-Akademie in Jerusalem gibt Einblicke in neueste Animations- und Videokunst – und in Konflikte.Hohe massive Steinmauern, die Kuppeln von Synagogen, Minarette, Kirchtürme und ein Meer von Satellitenschüsseln. Hinter der Stadtmauer an einer Straßenkreuzung zwei schwer bewaffnete Polizisten in kugelsicheren Westen. Auf einem kleinen Wachturm daneben ein Scharfschütze, der sich eine Zigarette anzündet. Ein beklemmendes Gefühl stellt sich bei mir ein. Es ist Donnerstag der 16. Februar, sechs Uhr früh, als ich nach einem siebenstündigen Flug über Budapest in Israel lande. Nach einer kurzen Fahrt vom Flughafen in Tel Aviv zur Hauptstadt Israels, bin ich angekommen und aufgeregt - Jerusalem. Mein Auslandsemester in Israel beginnt. Für Stirnrunzeln gesorgt «Bist Du dir da sicher?»war wohl die häufigste Frage, die mir gestellt wurde. Ich konnte darauf nur antworten, dass ich mir meiner Sache noch nie so sicher gewesen sei und ich die Möglichkeit haben würde an einer der besten Kunstakademien der Welt zu studieren, in einem Land voller kultureller, geologischer, politischer und vor allem religiöser Kontraste zu leben und zu arbeiten. Für mich als Designstudenten eine aufregende und faszinierende Vorstellung. Und ich sollte Recht behalten. «Experimentieren Sie!» Ich belegte also drei Kurse in zwei verschiedenen Studiengängen. Dabei kam mir entgegen, dass mir alle Professoren und Studenten anboten, ihre Kurse extra für mich in englischer Sprache abzuhalten. Ich hatte zwar die Möglichkeit, an einem Hebräischkurs teilzunehmen, was ich auch tat, jedoch wusste ich auch, dass es ohne sprachliche Vorkenntnisse schwierig werden würde, den Inhalten so ohne weiteres folgen zu können. Zusätzliches animatorisches Fachwissen und neue Impulse versprach ich mir von zwei Kursen, die ich im Studiengang Animation belegte. Zum ersten wählte ich einen Kurs beim Studiengangsleiter Ronny Oren. «Animieren Sie die Welt. Experimentieren Sie!» Experimentieren? Nun ja, in Mainz war mein Studium so angewandt und so von Regeln und Normen durchsetzt, dass ich damit wirklich ins kalte Wasser fiel. Doch siehe da - endlich hatte ich einmal die Möglichkeit zu kreieren was ich wollte, zu schaffen, ohne in Designgrenzen gefangen zu sein. In diesem Kurs machte ich drei kurze filmische Experimente und zwei kurze Animationsfilme. Alles Stop-Motion-Arbeiten, bei denen ich endlich auch mal größere Gegenstände animieren konnte. So arbeitete ich zum Beispiel in einem alten aufgegebenen Hotel in der Stadtmitte Jerusalems und bewegte Kabel, Stühle und sogar Wände in Einzelbildern. Da ich mich schon in Mainz für Albert Hanan Kaminski begeistert hatte, belegte ich einen Produktionskurs bei diesem hervorragenden Lehrer. Klassische Animation, in anderen Worten klassischer Zeichentrickfilm wurde dort unterrichtet. Auch hier entstand eine kurze Zeichentricksequenz, eine Sequenz des vorher erarbeiteten Drehbuches. Dieser Kurs soll die Studenten im dritten Jahr, das heißt im sechsten Semester, auf ihre Abschlussarbeit vorbereiten und alle vorher gelernten Fähigkeiten weiter ausbauen und zusammenführen. Eine professionelle Filmproduktion wird im Kleinen durchexerziert, eben als Vorbereitung für den großen letzten Film an der Akademie, mit dem sich die meisten Absolventen später bei ihrer Arbeitssuche in den verschiedenen Filmproduktionsfirmen bewerben. Ich, schon erfahren und nicht ohne animatorische Kenntnisse, war sehr willkommen. Da ich ja aus einem zwar ähnlichen, aber doch mehr grafischen Bereich stamme, war das Ergebnis der Zusammenarbeit mit meinen Kommilitonen äußerst fruchtbar, das Interesse an meiner Arbeitsweise sehr groß und auch ich konnte kleine Lehreinheiten und Vorlesungen über Typografie im Film abhalten. Der größte Unterschied im Verhältnis zu meinen Professoren bestand aus der engen und sehr persönlichen Beziehung der Studierenden zu ihren Professoren und Dozenten. Das «Du» ist fast kategorisch und erzeugt eine Nähe, welche ein freies und ungezwungenes Arbeiten zulässt. Umgang und Umfeld an der Bezalel machen den akademischen Austausch leicht. Von Beginn an fühlte ich mich auf Augenhöhe mit Studenten und Lehrenden. Der Student steht im Mittelpunkt. Seine Bedürfnisse im Bezug auf seine Ausbildung werden sehr ernst genommen und er wird in jeglicher Hinsicht kompetent betreut und gefördert. In Deutschland habe ich oft das Gefühl, dass Professoren und Dozenten in einer Hierarchie stehen, die es manchmal erschwert, sich im Studium zurechtzufinden und die akademische Ausbildung marginalisierte. Der Studienalltag Hohe Anforderungen an die Studenten Allgemein kann man zwischen zwei Studienrichtungen unterscheiden: der Freien Kunst, mit den Richtungen Malerei, Grafik, Bildhauerei, Film, und einem Masterstudiengang in freier Kunst, sowie der angewandten Kunst, sprich Design mit den verschiedensten Studiengängen. Design ist eines der Aushängeschilder für die Akademie. Die Studiengänge visuelle Kommunikation, Industrialdesign, Schmuck- und Modedesign und Glasdesign ziehen jährlich große Bewerberzahlen an und stellen den größten Teil der Studenten. Neben diesen zwei Richtungen existieren auch weitere Studiengänge der angewandten Künste, wie Architektur, Video und neue Medien, Fotografie und eben auch Animation. Da der Studiengang Animation der kleinste der Hochschule ist, ist das persönliche Verhältnis untereinander leichter und schneller vorhanden. Mit nur 25 Studierenden pro Jahr und Kursen mit selten mehr als 8 Studenten kann auch viel mehr auf die Arbeiten und Ideen der Einzelnen eingegangen werden. Zudem fühlte sich niemand durch die Kritik des Anderen herabgesetzt oder verletzt, wie ich das in meiner Hochschule in Mainz erfahren musste. Dort hatte ich oft das Gefühl, mich in einem permanenten Wettbewerb um die Gunst und die Zustimmung des Professors und der anderen Studenten zu befinden. Das war während meiner Studien an der Akademie in Jerusalem nicht der Fall, und mir sehr angenehm. Es fördert eine Zusammenarbeit, deren Ergebnisse, meiner Meinung, nach einfach besser ausfallen. Aufgehoben wie in einer kleinen Familie. kann sich der Student ganz seinen Ideen und deren Weiterentwicklung widmen. Am Ende bleiben Fragen offen Eines jedoch steht fest: ich werde zurückkehren nach Jerusalem, der Stadt mit den hohen Mauern, den Minaretten und den großen Kontrasten. Bald! Information: Ein Semester in Israel
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