Freilich plädiert für extreme Bedrohung

In Israel wächst die Angst vor Nuklearwaffen in Händen von Terroristen. Drohszenarien werden durchgespielt

 

Abrüstung hin, Sperrvertrag her - Benjamin Netanjahu ist sicher: Nirgendwo auf der Welt sind Atombomben so in sicheren Händen wie in Israel. Schließlich verfügt er selbst über die Schlüssel für das Arsenal von Dimona. Ob es überhaupt die vermuteten 200 bis 300 nuklearen Sprengköpfe gibt, ist streng geheim. Als Türhüter fungieren Primaten, die nichts sehen, nichts hören oder nichts sagen, von Olmerts Versprecher mal abgesehen. Israel spielt Geheimnis und niemand glaubt es. Um lästigen Fragen der Weltöffentlichkeit aus dem Weg zu gehen, hat Netanjahu Mitte April seine Teilnahme an Obamas groß angelegtem Washingtoner Atomgipfel zum besseren Schutz von Nuklearmaterial abgesagt und sich durch Dan Meridor vertreten lassen, der bezeichnenderweise für Atomenergie und Geheimdienste zuständig ist.

 

Israels Ex-Premierministerin Golda Meir wird nachgesagt, 1969 ein Geheimabkommen mit dem US-Präsidenten Richard Nixon geschlossen zu haben, das ihrem Land erlaubte, dem Atomwaffensperrvertrag nicht beizutreten, wenn es auf eigene Bombentests verzichte. Die Tests fanden dann mutmaßlich geheim in Südafrika statt. Heute sind die fünf ersten Atommächte USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China sowie 184 weitere Staaten zur Nichtverbreitung von Atomwaffen entschlossen. Indien, Israel, Nordkorea und Pakistan traten dem 1968 ausgehandelten Vertrag nicht bei und sind inzwischen atomar mehr oder weniger...

 von Aram Babilon

 

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«Jüdische Zeitung», Mai 2010