Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Schluss mit dem EtikettenschwindelLandesverband der Gesetzestreuen Juden in Brandenburg fordert neues Konzept von der Landesregierung
In die Finanzierung der brandenburgischen jüdischen Gemeinschaften kommt seit dem Regierungswechsel in Potsdam Bewegung. Für dieses Haushaltsjahr hat das Kulturministerium dem Kabinett bereits einen wesentlich erhöhten Förderbetrag in Höhe von einer halben Million Euro vorgeschlagen.
Die Bemühungen der im Januar 1999 wieder gegründeten Gesetzestreuen, nun endlich die Voraussetzungen für die Existenz jüdischen Lebens zu schaffen, seien «auf heftigen Widerstand der jetzt ausgeschiedenen Kulturministerin Wanka und auf Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit seitens einiger Politiker gestoßen». Die Landesgemeinde hatte der Ex-Ministerin dabei sogar antisemitische Politik vorgeworfen.
Laut der Sprecherin des Ministeriums, Antje Grabley, soll die Mittelvergabe an die Gemeinden künftig nach einem «transparenten und nachvollziehbaren Schlüssel» erfolgen, wobei die Mitgliederzahl der Gemeinden ein wichtiges Kriterium sei. Grabley kündigte dazu einen zeitnahen gesonderten Vertrag mit den Gesetzestreuen an.
Dieser eigene Vertrag mit dem Gesetzestreuen Landesverband war notwendig geworden, da bislang nur der Landesverband der Jüdischen Gemeinden Brandenburg Zuwendungen von jährlich 200.000 Euro vom Kulturministerium erhalten hatte. Der Landesverband hätte laut Staatsvertrag aus dem Jahre 2005 einen bestimmten Betrag an die Gesetzestreuen weitergeben müssen. Gegen diese Regelung hatten die Gesetzestreuen im Mai letzten Jahres mit einem Teilerfolg vor dem Bundesverfassungsgericht Recht bekommen, das mit weitreichenden Folgen für alle Landesverbände entschieden hatte, bisherige Verfahrensweisen würden ein Konkurrenzverhältnis zwischen den Landesverbänden und den Gemeinden bedeuten. Dergestalt sei eine freie Religionsausübung behindert.
So fordert der Gesetzestreue Landesverband ein «mit allen Beteiligten abgestimmtes Konzept der Wiederherstellung des jüdischen Lebens im Land Brandenburg [...], noch bevor das Finanzministerium Steuergelder in Millionenhöhe in ein äußerst umstrittenes Bauvorhaben investiert. Zusammen mit der neuen Landesregierung müssen wir jetzt alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das Land Brandenburg für jüdische Familien attraktiv zu machen und das Vertrauen der Juden in die Landesregierung zurückzugewinnen».
Der Vorsitzende der Gesetzestreuen Landesgemeinde, Alexander-Schimon Nebrat, schätzte nach seinem Antrittsbesuch bei der neuen Ministerin ein, dass es sich bei der Entscheidung der Landesregierung für eine separate Finanzierung seines Landesverbandes in der Tat um den erhofften «Politikwechsel im Kulturministerium» handele: «Das Land möchte tatsächlich etwas für die jüdischen Gemeinden machen.» Nun gelte es, viele ungeklärte Fragen anzugehen, um die Finanzierung bedarfsorientiert einsetzen zu können: «Man muss erst wissen, was man braucht und dann fragen, was das kostet», so Nebrat. |