Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() FilmkritikKrieg im Inneren
Der Film mit dem makabren, aber inhaltlich zutreffenden Titel «Mazel Tov» (hebräisch für «Glückwunsch») ist den jüdischen Veteranen der Roten Armee gewidmet, die den Zweiten Weltkrieg überlebten und halfen, den deutschen Faschismus zu besiegen. Die Regisseure Thomas Bergmann und Mischka Popp bringen in einem eindrucksvollen und künstlerischen Dokumentarfilm diejenigen Rote-Armee-Veteranen - neben anderen russischen Juden - vor die Kamera, die in den letzten 20 Jahren nach Deutschland eingewandert sind. Popp und Bergmann zeichnen ein Bild russisch-jüdisch-kulturellen Selbstverständnisses. Die Rote-Armee-Veteranen etwa fühlen sich, im Gegensatz zu den deutsch-jüdischen Mitbürgern, nicht als Opfer im Täterland, sondern als Sieger im besiegten Land. So erinnert sich der ehemalige Scharfschütze Boris Gelfand an die Zustände im von den Deutschen von September 1941 bis Januar 1944 belagerten Leningrad. Während Gelfand redet, hört man ihm an, dass er die Ereignisse der Blockade nochmals durchlebt. Gleichzeitig wird in eine romantisch düstere Szenerie mit wolkenbedecktem Himmel und maroden Bauten in der Nähe von Leningrad übergeblendet. Windgeräusche über der stillen Einöde unterstreichen, dass der Krieg an diesem Ort vorbei ist. Am Ende von Gelfands Beschreibungen wird er nochmals eingeblendet. Allein. In seinem Zimmer. So wird der Eindruck erweckt, dass dieser Mensch mit seiner Geschichte bis an sein Lebensende allein leben muss. Erwartet der Zuschauer bei einer Exkursion nach Israel, dass die dort lebenden Rote-Armee-Veteranen mit ihren Gedanken und Problemen zu Wort kommen, wird er enttäuscht. Stattdessen wird über den Staat Israel gesprochen. Trotzdem ist «Mazel Tov» sehenswert und appelliert mit den Worten des Veteranen Wolf Oulfski an die Menschlichkeit: «Die gegenseitige Achtung der Menschen ... das ist das Allerschönste. Wenn sich alles darauf gründen würde, dann wäre alles Übrige in Ordnung.»
«Mazel Tov», Deutschland 2009. Dokumentarfilm, 91 Minuten. Regie: Thomas Bergmann, Mischka Popp, Premiere auf dem «Jewish Film Festival» Berlin: «Kino Arsenal», 6. Mai, 20 Uhr. Offizieller Kinostart im Kino «Lichtblick», Berlin, 8. Mai, 18.30 Uhr |