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«Aus der Tiefe»von Lajser AjchenrandLajser Ajchenrand (1911-1985) war einer der bedeutendsten jiddischen Lyriker des 20. Jahrhunderts und vielleicht der einzige, der neben traditionellen Stilmitteln auch Elemente der Moderne aus Symbolismus, Expressionismus und Surrealismus in sein Werk einfließen ließ und auf diese Weise eine wirklich zeitgenössische jiddische Dichtung schuf. Nach prägenden Jugendjahren in einem kleinen Dorf bei Majdanek übersiedelte Ajchenrand 1937 nach Paris. Als Freiwilliger der französischen Armee wurde er nach der Niederlage von den Nazis interniert, konnte aber 1942, kurz vor der Deportation stehend, in die Schweiz fliehen. Auch hier musste der junge Dichter zunächst mehrere Jahre in Arbeitslagern verbringen, bevor er durch sein literarisches Talent Freunde und Fürsprecher fand, die sich erfolgreich für seine Freilassung einsetzten. Lajser Ajchenrand veröffentlichte neun Bände mit Lyrik, dessen bedeutendster und formal eigenständigster «Aus der Tiefe» (1953) nun im Rahmen einer zweisprachigen Ausgabe erstmals vollständig in deutscher Übersetzung vorliegt. Die Originaltexte sind sowohl in hebräischen Buchstaben als auch einer der deutschen Schreibweise angelehnten Umschrift abgedruckt. Ajchenrands Dichtung, die ihre Intensität vor allem aus der bitteren unmittelbaren Zeugenschaft des Krieges, der Vernichtung und des Verlusts seiner Angehörigen und seiner Kultur bezieht, ist gleichwohl tief in der altjüdischen Kultur, der Religion und der Philosophie verwurzelt. Es sind mitunter dunkle Visionen, Alpträume und fantastische Szenen durchaus Dantescher oder Calderonscher Prägung, die der Dichter in seinen teils klassisch komponierten und gereimten Sonetten wie auch in freier Metrik entwirft. Wir haben hier das außerordentliche Glück, das Werk eines großen Dichters jiddischer Sprache wiederentdecken zu dürfen, den sein früher Förderer Hermann Hesse als einen der «besten dichterischen Sprecher und Vertreter seines Volkes» rühmte.
«Aus der Tiefe»
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