Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Einreiseverbot für Lehrende und LachendeNoam Chomsky und Ivan Prado sind nunr zwei Beispiele für israelische Ängste vor Worten und Witzen
Am Ende soll es ein Missverständnis gewesen sein. Premierminister Netanjahus Sprecher Mark Regev erklärte, ein junger Mann an der Grenze habe seine Kompetenz überschritten. Und wenn Professor Chomsky noch einmal einreisen möchte, dann... bitte schön. Der 81-jährige Sprachwissenschaftler Noam Chomsky, Emeritus am Massachusetts Institute of Technology im Cambridge bei Boston, sieht die Sache anders. Er berichtet, dass er am Sonntag, den 16. Mai, etwa vier Stunden lang verhört wurde, als er an der Westgrenze Jordaniens über die Allenby-Brücke in das Westjordanland einreisen wollte. Er war eingeladen, in der Bir-Sejt-Universität bei Ramallah über den «Liberalismus in den europäischen industrialisierten Gesellschaften» zu sprechen. Der junge Grenzer, der stolz berichtet habe, ein Buch von Chomsky gelesen zu haben, sei peinlich berührt gewesen von den Fragen, die seine Vorgesetzten im Innenministerium dem Einreisewilligen nach und nach per Telefon vorgelegt hätten. Am Ende sei er ohne Grund abgewiesen worden. Noch ein Anlauf zur Redefreiheit? Nein, danke.
Der palästinensische Politiker, Arzt und Bürgerrechtler Mustafa Barghuthi, der Chomskys Gastgeber im Westjordanland sein wollte, verurteilte, wie die «New York Times» berichtet, die Aussperrung von Chomsky aus den Palästinensischen Gebieten und bezeichnete sie als Resultat zahlreicher Kampagnen der jüdischen Lobby in den Vereinigten Staaten von Amerika. Tatsächlich ist Chomsky auch in den USA ein umstrittener Publizist. Er hat sein Heimatland etwa seit dem Vietnam-Krieg immer wieder kritisiert. Der politische Denker und Wissenschaftler, der in der Linguistik deutlich die Akzente vom Behaviorismus zur Kognitionswissenschaft verschob, wurde nach Wissenschaftsstatistiken in der 1980er Jahren zum meistzitierten Linksintellektuellen der Welt.
Während auch die israelische Presse am 17. Mai weitgehend Kritik an dem «Versuch der Beschneidung der Freiheitsrechte« («Jediot Acharonot») des gelehrten Reisenden übte, die mit einem demokratischen Staat nicht vereinbar seien, schützte auch das Innenministerium mögliche Missverständnisse vor. Dessen Sprecherin Sabine Haddack erklärte der Korrespondentin Inge Günther von der «Frankfurter Rundschau», zuständig für eine Einreise in das Westjordanland sei ja eigentlich die Militärverwaltung für zivile Angelegenheiten. Das israelische Innenministerium hatte sich offenbar nur eingemischt, weil es von Chomsky auch einen Auftritt in Tel Aviv erwartete.
In einem Interview mit dem arabischen Sender «Al Jazeera» unterstrich Chomsky nach der ihm verweigerten Überschreitung des Jordans zwei grundlegende Fakten: «Das eine ist, dass die israelische Regierung nicht mag, was ich zu sagen habe - darin unterscheidet sie sich nicht von anderen Regierungen in aller Welt. Das zweite, was sie zu beunruhigen schien, war die Tatsache, das ich nur einer Einladung nach Bir Sejt folgen wollte und - anders als bei vielen früheren Gelegenheiten - nicht auch an israelischen Universitäten zu sprechen beabsichtigte.»
Wie Prag 1968
Chomsky erinnerte daran, dass er bereits 1997 von Israel an der Einreise aus Jordanien gehindert und offenbar als Staatsfeind angesehen worden sei. In Israel habe er in den 1950er Jahren in einem Kibbuz gearbeitet und schon früh sei er gegen die Entwicklung eines jüdischen Staates aufgetreten. Ansonsten habe er ein solches Einreiseverbot nur 1968 erlebt, als er nach dem Einmarsch der Sowjets in die Tschechoslowakei nach Prag reisen wollte.
Die Einreisesperre für Chomsky ist kein Einzelfall. Erst am 26. April wurde der berühmte spanische Clown Ivan Prado auf dem Flughafen Ben Gurion sechs Stundenlang verhört und dann nach Madrid zurückgeschickt. Er wollte als Direktor des spanischen Festiclown und der Organisation «Pallasos en Rebeldía» (etwa: Clowns in Rebellion) in Ramallah ein Festival mit elf Gruppen aus sieben Ländern organisieren. Er musste sich von den israelischen Grenzbeamten vorhalten lassen, dass er Verbindungen zu palästinensischen Terroristen-Gruppen unterhalte und deshalb die nationale Sicherheit gefährde. Ein Sprecher des Außenministeriums warf ihm vor, im Verhör gelogen und im Handy die Rufnummer eines von Israel als Terroristen eingestuften Palästinensers gespeichert zu haben.
Prado will seinen Plan nicht aufgeben, sondern sich um Unterstützung für das akut gefährdete Clowns-Festival bemühen. Seine gefährliche Absicht sei und bleibe, das Lachen zurückzubringen in das «ewige Krisengebiet», erklärte er jetzt in Spanien.
Im Januar wurde der US-amerikanische Journalist Jared Malsin, der als englischsprachiger Redakteur bei der «Ma'an-News Agentur» in Betlehem arbeitet, nach einem Prag-Urlaub mit seiner tschechischen Freundin auf dem Ben-Gurion-Airport abgewiesen, weil er die Fragen der Sicherheitskräfte aus deren Sicht nicht zufriedenstellend beantwortet hatte.
Bereits im Dezember 2008 gab es einen Einreisestopp für den US-amerikanischen Wissenschaftler Richard Falk, der im Auftrag der Vereinten Nationen die Menschenrechtssituation in den Palästinensergebieten prüfen sollte und auf dem Airport angeblich israelfeindliche Äußerungen von sich gab.
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