Buchcover

«Kabbala – Ein Liebesroman»

von Lawrence Kushner

Lawrence Kushner ist Rabbiner der liberalen Emanu-El-Gemeinde in San Francisco und als Spezialist für Kabbala und jüdische Mystik zur Zeit einer der angesehensten spirituellen Lehrer und Schriftsteller in den USA. Zum augenblicklichen Trendthema Kabbala hat er bereits seit den 1970er Jahren unzählige Sachbücher veröffentlicht, von denen einige auch in deutscher Sprache vorliegen. Jüdische Spiritualität war sein Lebensthema, lange bevor Prominente der amerikanischen High Society wie Madonna, Demi Moore oder Britney Spears die «Geheimlehre» der Kabbala als Weltanschauung für sich entdeckten. Nun hat Rabbi Kushner seine umfassenden Einblicke in die jüdische Mystik für ein größeres interessiertes Publikum in einen schönen, leicht zugänglichen und überraschend vielschichtigen Roman einfließen lassen, einen «Liebesroman», wie der Untertitel verrät. Obwohl dieser tatsächlich auch zwei Liebesgeschichten im erotischen Sinne enthält, ist der Begriff der Liebe hier, wie es sich für einen mystisch inspirierten Roman gehört, natürlich mehrdimensional und allumfassend angelegt: «Das Blatt weiß beispielsweise nicht, wann es aufhört Blatt zu sein und Zweig wird. [...] All unsere Namen sind dem, was in Wahrheit die nahtlose Einheit allen Seins ist, willkürlich auferlegt.» Dreh- und Angelpunkt der Romanhandlung, die mehrere Jahrhunderte umspannt, ist ein altes Manuskript über die Wechselwirkung zwischen männlichem und weiblichem Prinzip in der göttlichen Schöpfung, das der Protagonist im maroden Buchdeckel einer alten Ausgabe des «Sohar» findet. Rabbi Kushner erweist sich als äußerst versierter und bodenständiger Erzähler: die bedeutsamen Fragen, die er aufwirft und zumeist sehr anschaulich beantwortet, sind immer tief in unserer Welt und der Realität des 21. Jahrhunderts verwurzelt. Anders etwa als Paulo Coelho, gelingt es Kushner dabei, die Grenze des Kitsches nie zu überschreiten. «Kabbala» hat das Potential, Coelhos «Alchemisten» als spiritueller Bestseller der nächsten Jahre abzulösen.

Florian Hunger

«Kabbala - Ein Liebesroman»
aus dem Amerikanischen von Maja Ueberle-Pfaff,
erschienen bei Pendo, 198 Seiten,
17,90 Euro

 

«Jüdische Zeitung», September 2006