Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() GlosseWenn Papa dich nicht einlädt, lade ich dich ein!
Ruhm Israel Eventuell Graues Haus 2, Washington 30.5.2010
Lieber Opa!
Siehst du - ich habe mich durchgesetzt! Wär' ja auch noch schöner! Du kommst also und damit basta. Dies wird schließlich meine Bar Mitzwa. Ich bin jetzt 13 geworden, nicht Daddy. Er hat schon seine 50 Jährchen auf dem Buckel und muss noch lernen, dass sein Sohn jetzt für sich selber spricht. Zur Strafe habe ich in seinem Büro einen seiner noblen Briefbögen mitgehen lassen. Du musst schließlich eine ordentliche Einladung erhalten zu meinem Festtag! Ich hoffe nicht, dass das unter Diebstahl oder Amtsanmaßung fällt. Schließlich ist Daddy ja nicht der Präsident persönlich, sondern nur sein Stabschef im Grauen Haus. Als solcher hat er mir gar nichts zu sagen, wenn es um die Einladungen zu meiner Bar Mitzwa geht. Das ist eine Feier für mich und nicht ein Schaulaufen für Eltern, die sich noch mal mit mir dicke tun wollen.
Aber so sind sie nun mal, die Eltern. Sie präsentieren ihr mündiges Musterkind. Sie machen die Gästeliste und decken den Tisch. Eklig.
Also Opa - ich fand das echt gemein, dass er dich ganz plötzlich ausbooten wollte. Meinen Opa so einfach streichen! Typisch Dad. Erst tönte er immer wieder: «Opa ist goldrichtig für deine Bar Mitzwa. Klar laden wir Opa Goldstück ein. Der regt so schön eine Menge Leute auf. Ganz im Sinne von meinem Chef.» Früher hättest du nur was von den Menschenrechten verstanden. Hattest eine blütenweiße Weste gehabt, Du bist zuletzt Verfassungsrichter da unten in Afrika gewesen. Hast es diesen Verbrechern vom Balkan und in Ruanda gezeigt. Papa sagte: Die ganze Mischpoke, fast jeder im Kleinstaat findet unser Goldstück prima. Aber erst jetzt, wo die UNO dich letztes Jahr auf diese Drecksgeschichte mit Gaza angesetzt hat, wärst du voll der Bringer. (Du weißt ja wie Dad immer so redet, kicher).
Ich glaub sogar, dass er das seinem Chef verklickert hat. Hab jedenfalls mal deinen Namen mitbekommen, als die miteinander plauschten. «Volle Kanne Blei», hab ich noch gehört. «Druck machen!», sagte der Boss. Und:«Der Hammas abba auch» - «Ein bisschen» oder so. Ich weiß noch ganz genau, dass Paps am Abend gesagt hat: «Opa Goldstück laden wir ein, das bringt die Leute echt in Rage.» Irgendwie gemein, ne?
Dann ein paar Tage später ganz das Gegenteil. Plötzlich ist mein Alter voll gegen dich. Als ob du plötzlich nicht mehr zur Familie gehörst. Sagt, dich könnte man nicht mehr vorzeigen, mein Gold-Opa. Mehr sagt er nicht und ich sag noch, was ist denn los, und sehe grad noch, dass da wieder was von dir in der Zeitung steht, aber da kommt mein Alter schon und reißt mir die Zeitung aus der Hand und weg damit.
Danach erst mal ein paar Tage Funkstille und plötzlich heißt es Reise nach Jerusalem. Wir machen Bar Mitzwa im gelobten Heimatland. Ich wunder' mich noch, weil doch Papa wegen dem Job bei seinem Chef dort absolut unten durch ist. Papa macht für seinen Obi auf Hardcore und Onkel Match will darf für ihn den Verhandlungs-Softie spielen. Na ja, im letzten Jahr war ich ja noch 12 und hatte noch nicht so den vollen Durchblick wie ich ihn jetzt als Bar Mitzwa habe.
Weißt du, was ich besonders gemein finde, Herr Opa Goldstück? Also eventuell will Herr Eventuell, der mein Vater ist, in der heißen Heimat gar nicht nur mit mir in die Synagoge latschen und dann ein paar Tage am Pool in Eilat Wasserski fahren. Nö, plötzlich hat er da noch ein paar Dates in eigener Sache. Keine Ahnung, worum es geht. Könnte sogar sein, dass da mal wieder etwas Heißes gebacken wird. Dass die jetzt doch was mit den A-Waffeln abkaspern. Da läuft ja schon lange ne große Nummer, weil Papa sein Chef da den Weltmarkt leer fegen will. A-Waffeln haben sich irgendwie überlebt, die Dinger. Ich glaub sogar, Papas Obi-Präsi will mit den letzten Dingern allein am Drücker sein. Ganz verschwinden sollen sie ja voraussichtlich zu seinen Lebenszeiten nicht.
Jedenfalls sind die beiden wohl sauer, weil die kleine heiße Heimat letzte Woche mal wieder Blinde Kuh gespielt hat. A-Waffeln sehen wir nicht, A-Waffeln haben wir nicht. Über A-Waffeln reden wir nicht. Also sind die Herzelchen erst gar nicht angereist zu dieser «Nah-Rost»-Konferenz von Papas Chef (so nennen sie das Ding, wenn sie einen gepichelt haben).
Du, Opa, ich wollte dich schon mal fragen - und jetzt bin ich ja sozusagen in wenigen Tagen erwachsen: Ist da eigentlich was dran an dem Gerede mit einem besonderen A-Waffel-Rezept, das Onkel Schimon sich schon vor vielen Jahren mit euch Weißen im Schwarzen Kontinent ausgedacht hat? Du müsstest da doch vielleicht was wissen, weil du ja dort warst und aufgepasst hast, dass alles immer schön mit rechten Dingen zuging. Hauptsache Gesetz, egal wie das aussah, hast du mir doch mal gesagt. Ich habe immer wieder mal drüber nachgedacht, und jetzt, wo ich mit der Bar Mitzwa dran bin, will ich es wissen, Opa.
Jedenfalls will ich, dass du bei meiner Feier dabei bist. Papa kann seine Geheimgespräche führen. Großpapas und Enkel müssen zusammenhalten. Ich finde es als «Sohn der Pflicht» eine tolle Sache, dass ich jetzt genau wie du und wie Papa alle Gebote kennen und halten soll. Schon gut, das wir als Juden unsere klaren Mitzwot haben. Wie die dann in den Gesetzbüchern aller möglichen Länder aussehen, in denen unsere Family lebt, ist ein andere Sache, da muss ich mir ja nur den Opa und den Papa ansehen... Ob ich euch demnächst mal die richtige Stelle aus der Tora vorlese, wenn mal wieder richtig Zoff ist in der Familie?
KC |