Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Am Ende der WeltVon Beutelratten, Nieselregen und Tanzeinlagen. Eine Reise durch das jüdische Neuseeland
Eine Reise nach Neuseeland ist, Mitteleuropa als Ausgangspunkt genommen, tatsächlich eine Reise ans Ende der Welt. Wer allerdings den Nerv mitbringt, mit kurzen Zwischenaufenthalten ca. 32 bis 36 Stunden zu fliegen, dem steht diesem Ziel kaum mehr etwas im Wege. Der Entschluss, tatsächlich zu reisen, scheint oft als höchste Hürde; danach geht eigentlich alles fast wie von selbst. Natürlich wäre noch die Reiseroute festzulegen, d.h. soll man nun Neuseeland über Westen, also die Westküste der USA und die Pazifikinseln Hawaii, Tahiti oder Cook anfliegen oder von Osten über die arabische Halbinsel (Dubai) bzw. Asien (Bangkok, Singapur oder Tokio) und Australien?
Nimmt man die erste Option, ist man gut daran beraten, die strikten Einreisebestimmungen der USA immer wieder aufs Neue zu überprüfen. Es stellte sich nämlich heraus, dass derselbe österreichische Pass, mit dem ich noch problemlos im Oktober 2006 nach Chicago reiste, im Februar 2010 für die USA keine Gültigkeit mehr hatte. Kurz vor dem Einsteig in das Flugzeug nach San Francisco wurde ich zurückgewiesen; insofern ein fast glücklicher Umstand, da ich so den Flug nicht antrat und letztlich mein Ticket in die Alternativroute über Dubai umtauschen könnte. Dies allerdings mit einem «Notpass» (das Dokument heißt wirklich so), da mein «richtiger» Pass etliche Ein- und Ausreisestempel der israelischen Behörden trug und ich unnötigen Fragen Offizieller in den Vereinigten Arabischen Emiraten entgehen wollte; durchaus eingedenk dessen, dass Dubai, im Gegensatz zu manch anderen Ländern der Arabischen Liga, Pässe mit israelischen Stempeln durchaus akzeptiert.
Bevorzugte Reisezeit für Neuseeland sind die dortigen Sommer- und frühen Herbstmonate. Ist der Januar wegen der großen Schulferien und dem damit bedingten inländischen Tourismus wenig zu empfehlen, so ist es im Februar immer noch recht warm. Zudem sind März und April eher regenarme Monate des Jahres. Da fast alle wichtigen Orte Neuseelands in Meeresnähe liegen, sind extreme Temperaturen, wie sie zum Beispiel auch in Mitteleuropa anfallen können, das ganze Jahr über selten.
Da meine ursprüngliche Flugroute geändert wurde und so ein Dreitagesaufenthalt auf Hawaii entfiel, war ich trotz eines um 48 Stunden verschobenen Abflugs schließlich zwei Tage früher als geplant in Neuseeland. Die Einreise selbst gestaltete sich insofern relativ langwierig, da man praktisch alles Organische deklarieren muss und Pflanzliches wie auch Fleisch (in jeder Form) erst gar nicht einführen darf.
Nach einem knapp einjährigen Arbeitsaufenthalt vor 23 Jahren und einem letzten Besuch Neuseelands im Jahre 1993 erwartete ich mit Spannung, an welche Eindrücke ich mich noch erinnern würde. Mein dreiwöchiger Aufenthalt in diesem Frühjahr - ich fuhr als Spezialist für israelische Folkloretänze - war bereits voll durchgeplant. Schon Wochen vor meiner Abreise waren acht Tanzabende unter meiner Leitung in sechs verschiedenen Städten ausgearbeitet worden.
Fünf jüdische Bürgermeister
Am Zielflughafen von Auckland wartete Erica Teichert Gertel auf mich. Auch wenn ich die in etwa 30-jährige Architektin noch nie gesehen hatte, schien man sich sofort zu (er-)kennen. So ist das nun einmal unter Volkstänzern. Außerdem ließen mich 23 Grad Celsius im Schatten schnell die Wintertage Deutschlands vergessen und in T-Shirt und kurze Hosen, ein für hiesige Männer weit verbreitetes Kleidungsstück, wechseln. Erica und ihr Mann Mathias, auch ein Architekt, wanderten übrigens vor etwa sechs Jahren aus Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens, nach Neuseeland ein und sind damit irgendwie landestypische Juden.
Rund zwei Drittel der heute ca 7.000 Juden in Neuseeland (das sind etwa 0,16 Prozent der Gesamtbevölkerung) wohnen im Einzugsbereich Aucklands. Der größten jüdischen Gemeinde Neuseelands gehören an die 650 Familien an, die zweite jüdische Gemeinde Aucklands, eine Reform- bzw. «progressive» Gemeinde, besteht aus rund 220 Familien. Etliche jüdische Familien sind jedoch formell mit keiner Religionsgemeinschaft affiliiert. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass seit der Gründung der Stadt mindestens fünf der Bürgermeister Aucklands jüdisch waren, darunter der mit insgesamt 18 Jahren am längsten dienende Dove-Myer Robinson (1901-1989). Dabei ist die überproportional hohe jüdische Beteiligung in Neuseelands politischer Landschaft nichts Ungewöhnliches. So ist die Mutter des seit 2008 amtierenden Premierministers John Key eine österreichische Jüdin. Francis Bell, Sohn einer zum Christentum konvertierten englischen Jüdin, diente, wenngleich nur zwei Wochen, 1925 als Übergangspremierminister. Der heute noch im Land populäre Julius Vogel (1835-1899) gilt weiterhin als der einzige die Religion «praktizierende» jüdische Premierminister (1873-1876) Neuseelands.
Die orthodoxe Gemeinde Aucklands setzt sich zu je einem Drittel aus im Lande Geborenen und aus Südafrika Emigrierten zusammen. Ein letztes Drittel bilden hauptsächlich Israelis, aber auch Juden aus Argentinien und anderswo. Gemeindemitglieder aus der Ex-Sowjetunion gibt es kaum, wenngleich in den Jahren nach dem Zusammenbruch der UdSSR eine deutlich erhöhte Immigration an russischen Juden zu verzeichnen war. Die benutzten jedoch mehrheitlich ihr nach drei bis fünf Jahren erworbenes neuseeländisches Bürgerrecht, um damit visumsfrei und ohne weitere Einschränkungen ins scheinbar vorzuziehende Australien weiterzuemigrieren. Dieser Trend ist übrigens in den letzten Jahren auch unter den südafrikanisch-jüdischen Einwanderern zu beobachten. Auch die Architektin Erica Teichler Gertel plant, diesen Weg zu gehen. Das australische Sydney hätte nicht nur ein besseres, d.h. vor allem wärmeres und weniger regenreiches Klima; vielmehr gäbe es dort auch ein breiteres Angebot an jüdischen Einrichtungen.
Ähnlich wie in Deutschland besteht die neuseeländischeTanzgemeinschaft israelischer Folklore hauptsächlich aus Nichtjuden. Erica als jüdische Tanzlehrerin ist dabei eine große Ausnahme. Sie fuhr mich zum Haus einer weiteren Tänzerin, bei der ich die ersten sechs Tage zu Gast sein sollte: Antoinette Everts, Lehrerin für Englisch als Fremdsprache, die im Alter von 13 Jahren aus den Niederlanden nach Neuseeland einwanderte und fließend deutsch spricht. Ein eigenes Zimmer, ein mir überaus wohl geneigter Hund, der Hausschlüssel sowie einige Tage ohne Programm waren genau die Utensilien, mich in kommenden Tagen in meiner alten Wahlheimat wieder einleben zu lassen und vor allem meinen Körper an die zwölf Stunden Zeitunterschied zu gewöhnen.
Es galt Auckland, heute kulturelles Zentrum und die größte Stadt Neuseelands, zu erkunden. Die Geschichte ist kurz: Aus einigen Zelten europäischer Siedler vor rund 170 Jahren wuchs zwischenzeitlich eine Millionenstadt, benannt nach George Eden (1784-1849), dem Earl of Auckland. Ist das Zentrum Aucklands selbst mit der Queen Street als Hauptstraße unspektakulär - abgesehen von einigen kleinen Nebenstraßen mit noch erhaltenen viktorianischen Gebäuden -, gibt es doch in näherer Umgebung einige lohnenswerte Ausflugsziele. So etwa die ein oder andere vorgelagerte Insel im Osten, heute fast sämtlich als Naturschutzgebiete deklariert. So fährt beispielsweise eine Fähre in knapp 45 Minuten nach Waiheke. Durch ein Mikroklima wird dieser nahegelegenen Insel, die heute eher von alternden Hippies und Millionären mit gewichtigen Villen bewohnt ist, einfach ein besseres und vor allem sonnigeres Wetter beschert als im regnerischen Auckland.
Am dritten Tag nahm mich Erica, mit ihrem Baby im Schlepptau, mit dem Auto an die Westküste. Der Weg dorthin führt durch angeblich noch unberührten Regenwald, einer der wenigen im Lande verbliebenen Stellen. An einer «forest station» wird dem Besucher über die Geschichte dieses Teiles Neuseelands erzählt. Beispielsweise über das ungestüme Fällen der mächtigen Kauribäume (nur noch 5 Prozent des Urbestandes sind landesweit erhalten, der Baum steht heute unter strengem Naturschutz) oder über die Plagen mit eingeführten Tieren wie Rotwild, Hasen oder den Opossums - es soll 70 Millionen dieser Beutelrattenart geben, ursprünglich wurden sie Australien zur Fellzucht eingeführt, wie immer konnten ein paar entfliehen und sich explosionsartig vermehren. Dies alles bedeutet ein Problem für vielerlei Pflanzen oder flugunfähige Vögel, die früher keine natürlichen Feinde hatten. (Ursprünglich gab es außer zwei Arten von Fledermäusen überhaupt keine Säugetiere in Neuseeland). Schon den Schulkindern in Neuseeland wird heute beigebracht, wie die Opossums mit Fallen gefangen werden können. Für die Ängstlicheren unter den Fernreisenden gibt es aber an dieser Stelle auch eine gute Nachricht: In Neuseeland finden sich - ganz im Gegensatz zu Australien - definitiv keine Schlangen!
Schottenrock und Dudelsack
Entlang der Westküste erreicht man schließlich den schwarzen (weil eisenhaltigen) Strand von Piha oder Karekare. Die kräftigen Wellenlassen hier Schwimmen kaum zu. Man tut immer gut daran, die Gezeiten zu beachten. Insbesondere bei Ebbe («low tide») können die Strömungen mitunter so stark sein, dass man auf das offene Meer hinausgezogen wird. Einen kurzen, aber heftigen Regenschauer hatten wir übrigens unter einem überdimensionalen Sonnenschirm trocken überstanden.
Zurück in Auckland begab ich mich am darauffolgenden Tag, die Tagesmüdigkeit des Jetlags schien langsam zu verschwinden, endlich auf jüdische Spurensuche. Schnell fand ich in der Princes Street nahe dem Zentrum die erste Synagoge der Stadt, erbaut durch Edward Bartley (1839-1919) und im Jahre 1884 eingeweiht. Ende der 1960er sollte sie einem Stadtautobahnprojekt weichen. Der jüdischen Gemeinde der Stadt wurde ein neuer Baugrund in der Greys Avenue zugewiesen. Nachdem die Autobahn jedoch niemals realisiert wurde, verfiel die alte Synagoge über die Jahre zusehends. Die Stadtverwaltung begann 1985, das verfallene Gebäude zu renovieren und vermietete es später an eine Bank. Seit 2003 wird das Haus, das heute als eines der ältesten Gebäude Neuseelands unter Denkmalschutz steht, von der Universitätsverwaltung genutzt.
Auckland ist Heimat der Orthodoxie. Auf dem Weg zur orthodox ausgerichteten Auckland Hebrew Congregation in der Greys Ave stieß ich zufällig auf einen kleinen alten jüdischen Friedhofsabschnitt in der Symonds Street, der lediglich durch ein 30 Zentimeter hohes Gitter eingezäunt und frei zugänglich war. Eine von Hooligans vor wenigen Jahren begangene Grabschändung eben dort war auch an benachbarten christlichen Grabstätten verübt worden. Der Schaden wurde durch die Stadtverwaltung be-, der Vorwurf von Antisemitismus niemals erhoben. Im Jahr 1967 wurde unter dem Architekten John Goldwater mit dem Bau des neuen Gemeindezentrums von Aucklands Hebrew Congregation begonnen, wofür Goldwater übrigens 1995 den Architekturpreis Neuseelands erhielt. Der von außen betrachtet unspektakuläre Ziegelsteinbau beherbergt zwei Synagogen, einen Kindergarten, das Kadimah College und einen Laden mit koscheren Lebensmitteln samt angeschlossenem Café sowie verschiedene soziale Einrichtungen. Ein Holocaustdenkmal ist mit dem Spruch «Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung» versehen. Ich wurde von Greg Wilder empfangen, der vor zwei Jahren aus Südafrika einwanderte und mich als diplomierter «facility manager» durch den gesamten Gebäudekomplex führte. Auf meine Frage, ob Weiße in Südafrika unsicher lebten, antwortete Wilder, dass ihn der moderne Antisemitismus asiatischer Muslime zur Auswanderung veranlasst habe.
Die nächste Station nach Auckland sollte Hamilton sein, ca. 150 Kilometer südlich von Auckland gelegen. Die lokale Waikato Jewish Association (WJA) mit ihren etwa einhundert weit verstreuten Affiliierten trifft sich nur an höheren Feiertagen. Sharon Stoney, eine Musiklehrerin, bei der ich zwei Tage zu Gast war, nahm mich gleich am ersten Nachmittag zum «Scottish Dancing» mit: «Highland»-Kultur, darunter auch Schottenrock oder Dudelsack, ist «down under» immer noch eine ernstzunehmende Beschäftigung. Merkwürdig, dass in einer Formation von vier Paaren meist nie alle tanzten, manchmal tatsächlich nur ein Paar, während die anderen irgendwie pausierten und zuschauten. Das gibt es im israelischen Folkloretanz eigentlich nicht - hier sind immer alle gefragt!
Nachdem ich Hamilton bis dato für die langweiligste Stadt Neuseelands hielt, musste ich jetzt meine Meinung revidieren. Der erste Eindruck entstand seinerzeit während meines Eintagesaufenthalts 1993, als mir lediglich flache Häuser und Straßen auffielen. Auf der Suche nach einem Kajakunternehmen traf ich diesmal die Schottischtänzer Kate und Terrence. Terrence war wohl mal ein großer Amateurkajaksportler. So kam ich schließlich auf dem Waikato River in den Genuss einer fast dreistündigen Kajakfahrt über 17 Kilometer: Unter diverse Brücken, vorbei an beeindruckenden Villen und an den beiden teilweise recht hügeligen Ufern mit dem dichten neuseelandtypischen Wald, dem «kiwi bush».
Auf meiner Neuseelandreise links liegen lassen musste ich diesmal Rotorua mit seinen heißen Schwefelquellen, sicherlich einer der touristischen Höhepunkte des Landes. Ein Besuch der Naturthermen von Whakarewarewa und der Geysire von Te Puia sind genauso obligatorisch wie das Einatmen von Schwefelgerüchen bei einem Bummel durch die Stadt oder der Besuch eines «hangi», einer mit einem traditionellen Buffet kombinierten Folkloreshow der Maoris, der Ureinwohner Neuseelands. Stattdessen ging es weitere 110 Kilometer an meine dritte Station: nach Tauranga, an der Ostküste in der Bay of Plenty. Angeblich fand einst Captain Cook in dieser Bucht alles, was er benötigte. Sicherlich auch gutes Wetter.
Sobald ein Gebirgszug namens «Kamai Range» überwunden wäre, würde ich «garantiert» strahlende Sonne haben, wurde mir bei der Abreise aus Hamilton mitgeteilt. Aber ausgerechnet in Tauranga, einer der sonnenreichsten Landschaften des Landes, erlebte ich bei der Ankunft heftigen Regen und die kältesten Sommertage meines gesamten Neuseelandbesuches. Auf dem Weg dorthin macht der Midibus auch Halt in einer Ortschaft namens Matamata, in dem es glatt noch ein «Regent Theatre» gab, wohl ein ehemaliges Kino. Hier wurden für die Filme von «Lord of the Rings» über 300 Statisten aus den knapp 8.000 Einwohnern des Ortes angeheuert.
«Haus Gottes» und «Tempel des Sinai»
Endlich ging es nach Wellington, die Stadt, in der ich vor 23 Jahren über neun Monate gelebt hatte. Mein Zweitagesprogramm in Wellington war mit Tanzseminar, Videoaufnahmen sowie Interviews so eng gesteckt, dass mir gerade noch Zeit verblieb, meine alte Wohnung, wie die meisten Privathäuser aus Holz, im Diplomatenviertel Thorndon von außen zu betrachten.
Berühmtberüchtigt ist die Hauptstadt Neuseelands durch ihre meteorologischen Eskapaden - dass es zwischendurch immer leicht regnet, man spricht von einem Sprühregen oder besser «a drizzle», versteht sich von selbst. Es ist jedoch der Wind! Während dieser des Öfteren aus allen Richtungen zu blasen scheint, weiß man fachmännisch einen «northerly» (eher warm) durchaus von einem «southerly» (eiskalt) zu unterscheiden.
Das Wetter hielt aber auch die jüdischen Einwanderer nicht davon ab, sich hier niederzulassen. Schon drei Jahre nach Gründung der Stadt im Jahr 1865 wurde dort die erste jüdische Gemeinde gegründet. Das derzeitige Gemeindezentrum der orthodox ausgerichteten Gemeinde «Beth El» («Haus Gottes») in der Webb Street wurde 1970 bezogen. Im Gespräch mit der seit 2009 amtierenden Präsidentin der Gemeinde, Dr. Claire Levy, sowie mit Haim Dovrat, dem aus Israel stammenden Rabbiner, wurde klar, dass Wellingtons jüdische Gemeinde sich in vielerlei Hinsicht von der Aucklands unterscheidet. Aus einer vor Kurzem veröffentlichten Untersuchung geht hervor, so Levy, dass die Zahl der Juden im Einzugsbereich der Hauptstadt auf rund 1.200 geschätzt wird. Davon sind aber nur 200 (Personen, nicht Familien) als Mitglieder bei «Beth El» registriert. Die aus rund 150 Familien bestehende liberale jüdische Gemeinde «Temple Sinai» der Wellington Progressive Jewish Congregation ist dagegen weitaus größer.
Dovrat und Levy von der «Beth El» erklärten mir aber, dass ihre Gemeinde für alle Juden offen sei. So etwa auch für Nichtmitglieder bei Hochzeiten, Beschneidungen (der Mohel wird von Australien eingeflogen) oder Bar-Mizwa-Feiern. Selbstverständlich würden diese Leistungen bei Nichtmitgliedschaft extra berechnet! Die Gemeinde ist auch weiterhin dringend auf der Suche nach einem «in alle Richtungen motivierten» neuen Rabbiner.
Die ursprünglich aus England eingewanderte Marcia Trask, die ich noch aus meiner Zeit von 1987 kenne, ist in Wellington so etwas wie die Botschafterin des israelischen Volkstanzes. Ende der 1980er hatte mich Trask in dem Bemühen unterstütz, einen noch heute bestehenden, komplett nichtjüdischen und mittlerweile von ihrer Tochter Yvonne geleiteten Tanzzirkel für israelische Volkstänze aufzubauen. Trask benutzt dieses Kulturgut seit über zwanzig Jahren als Medium, um auf den privaten wie öffentlichen Oberschulen Wellingtons den Jugendlichen etwas Judentum näherzubringen. Sie fülle, wie sie mir gegenüber betonte, lediglich ein Vakuum und werde dabei sogar von der zwischenzeitlich nach Canberra ausgelagerten, seit kurzem aber wieder eröffneten Botschaft des Staates Israel unterstützt. Von einer derartigen Unterstützung kann man in Deutschland nur träumen. Außer nichteingehaltenen Zusagen ist von der israelischen Botschaft in Berlin nichts zu bekommen |