Bärentatze
"Olam" goes Stockholm
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| Olam-Germany. |
Die Hauptstadt ist wohl schon ein wenig in Ferienstimmung: Trotz des miesen Wetters - oder gerade deshalb - fiel die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde im Monat Mai ins buchstäbliche (Regen)Wasser. Nicht, dass mir etwas fehlen oder ich es bedauern würde. Nein, im Gegenteil: So habe ich Platz für etwas wirklich Tolles!
Im Februar 2010 haben die «euphorischen Performer und Anhänger» des Berliner Jugendzentrums «Olam» den Siegerpokal des nationalen «Jewrovision»-Contests, einem Gesangs- und Tanzwettbewerb für jüdische Jugendliche, «vor einer begeisterten Menge im Kölner Messegelände hochstemmen» können, schreibt Mike Delberg, der als Mitglied des Jugendzentrums in Köln dabei war. Der Sieg in Köln war für «Olam» die Fahrkarte zur Teilnahme am europäischen «Jewrovision»-Festival in Stockholm, ausgerichtet vom jüdischen Jugendbund Bnei Akiva. Genauer gesagt: das Flugticket. Davon mussten knapp 20 finanziert werden, zuzüglich der Hotelübernachtungen und Verpflegung. Da halte man der Gemeinde zugute, dass sie trotz Liquiditätsengpass schnell und ohne jegliche Diskussion Mittel dafür freigegeben hat, um auch wirtschaftlich sicherzustellen, dass «Olam» das gesamte junge jüdische Deutschland würdig vor Europa vertreten kann. Unterstützt wurde die Gemeinde dabei durch einen anonym gebliebenen privaten Spender mit 5.000 Euro.
Nachdem «unsere deutschen Hoffnungsträger» in Schwedens Hauptstadt gelandet seien, habe es nicht lange gedauert, «bis man schon das typisch jüdische Flair, das eine Veranstaltung wie diese ausmacht, zu spüren bekam», schrieb Mike Delberg weiter. Zehn Städte aus acht Ländern hätten schon beim Begrüßungsempfang versucht, «durch Stimmung und Lautstärke ihr Revier zu markieren und schon mal ordentlich Eindruck zu schinden. „Olam Ole!" schallte es unter anderem ohrenbetäubend aus der deutschen Ecke und Europa registrierte: Die werden wir noch öfter zu hören bekommen... Und das bekamen sie auch! Ob beim sehr harmonischen Abendgebet oder beim stimmungsvollen Abendessen: Germany brachte den Saal zum Beben und das schon vor dem eigentlichen Auftritt. Es wurde getanzt, gesungen, gelacht und gefeiert. Ob Schweden, Holländer, Italiener oder Österreicher... alle waren sie gleichsam geschockt, aber auch begeistert von der verrückten Truppe, die sich aus dem Bnei-Akiva-losen Deutschland auf den Weg zu ihrem Event gemacht hat».
Schon bei der Generalprobe hatten die Berliner viele neue Freunde unter den Zuhörern, «überwältigt von der Show». Verzückung und Vorfreude seien groß gewesen, und «als der letzte Ton gesungen und die letzte Kulisse gefallen war, machten sie es deutlich: Tosender Applaus erfasste die Halle. Sowohl Teilnehmer als auch Gäste jubelten fasziniert über den Berliner Act. „Germany - third place", was jedoch das Publikum nicht davon abbrachte, „Olam" beinahe frenetischer als den Sieger zu feiern», heißt es in Mikes Erlebnisbericht weiter. Lobeshymnen von Bnei-Akiva-Verantwortlichen und Zuschauern untermauerten das vielfach: «Das war der großartigste Auftritt in der Geschichte der Jewrovision».
Die Performance mit dem Titel «I am jewish - Olam» kann man übrigens bei YouTube bewundern. Dort findet sich auch das «Jewrovision 2010 Video - Olam Berlin». Unter dem Motto «Wo wir auch sind... wir fallen immer auf» wird es mit Sicherheit bald zu den außergewöhnlichsten und mutigsten jüdischen Streifen in diesem Medium gehören.
Mit diesem Anspruch und dem dritten Siegertreppchen unter den Füßen ist «Olam» nun nach Berlin zurückgekehrt. Im kommenden Jahr werden die Drittplazierten aus Stockholm den nationalen «Jewrovision»-Contest in Berlin ausrichten müssen - und wollen. Eine tolle Aufgabe. Es wäre schon eine Klasse für sich, wenn die «Olam»s ihre Stadt für ganz Deutschland genau so frech, jung und witzig in Szene setzen könnten, wie sie es in ihrem Video tun. Vielleicht lässt sich ja sogar etwas mit dem Eurovision-Contest basteln, den Deutschland wenige Tage später mit Lena in Oslo gewonnen hat.
Dirk Hohwieler