Eine Frage der Autorität

 

Wird Israel zu einem religiös-fundamentalistischen Gottesstaat? Dieser Eindruck konnte zumindest optisch Mitte Juni 2010 entstehen. Die Bilder von über 100.000 demonstrierenden ultraorthodoxen Juden in Jerusalem gingen um die Welt. Beobachter sprechen von der zahlenmäßig größten Kundgebung der Charedim, der «Gottesfürchtigen», in der 62-jährigen Geschichte des Staates Israel. Seit nunmehr einem Jahr verschärft sich der Kulturkampf innerhalb der vielfach zerklüfteten israelischen Gesellschaft zwischen der rasant wachsenden Gemeinschaft ultraorthodoxer Juden und der - noch - im Lande bestehenden säkularen beziehungsweise gemäßigt religiösen jüdischen Mehrheit. Massendemonstrationen der Charedim und gewalttätige Zusammenstöße mit der Polizei gehören inzwischen zum ständig wiederkehrenden Alltagsbild in Israel. Die Orthodoxen protestieren dabei gegen weltliche Entschlüsse, die ihrer Auffassung von Judentum widersprechen: Mal ist es ein Parkhaus in Jerusalem, das am Schabbat öffnen soll, mal Grabungen der Regierung auf dem Gelände eines jüdischen Friedhofs.

 

Auslöser für die aktuellen Auseinandersetzungen...

 

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«Jüdische Zeitung», Juli 2010