Für die Meinungsfreiheit

Die israelische Politikaktivistin Iris Hefets sollte mundtot gemacht werden. Sie hat sich erfolgreich gewehrt

Wie eine Hexenjagd. So in etwa musste es manchem Beobachter in den letzten Monaten vorkommen, was Offizielle des jüdischen Deutschlands und deutsche Nichtjuden in der Öffentlichkeit gegen die jüdisch-israelische Politaktivistin und Menschenrechtlerin Iris Hefets veranstalteten. Antisemitisches Gedankengut warf ihr die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, vor, eine «schlechte Kinderstube» unterstellte ihr der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer. Auslöser war ein kritischer Artikel Hefets' im März in der linksalternativen «tageszeitung». Darin kritisierte sie einen in Israel praktizierten «Schoah-Kult», einer «Art Religion mit festen Ritualen». Dazu gehöre, «ungeachtet aller heutigen Realitäten - die feste Überzeugung, die Deutschen seien die ewigen Täter und die Israelis die ewigen Opfer, weshalb die Gesetze und Regeln demokratischer Staaten für Letztere nicht zu gelten hätten: ein Sonderfall halt».

 

Dem Artikel folgte eine Sturzflut der Entrüstung und ein von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ausgerichtetes Tribunal, bei dem die Person Iris Hefets, aber nicht ihre Thesen an den Pranger gestellt wurden. Der Vorwurf des Antisemitismus, beruhend auf einer böswilligen Denunziation, wurde ausgesprochen. Hefets hat sich gewehrt. Sie hat die Vorsitzende der Gemeinde verklagt. Mitte Juni hat sie vor einem deutschen Gericht in erster Instanz Recht zugesprochen bekommen. Hefets ist keine Antisemitin. Aber sie ist ein streitbarer Geist, dessen Denken und Handeln viele in Deutschland nicht begreifen können oder wollen. Denn sie teilen nicht den gleichen Erfahrungshorizont und die gebrochene Biographie einer Misrachi-Jüdin aus dem israelischen Beer-Scheva, die sich Humanität und Menschlichkeit auf ihre Fahnen geschrieben hat.

 

Unter einem Politaktivisten stellt man sich...

 

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Eik Dödtmann

 

«Jüdische Zeitung», Juli 2010