"Mögen Ihre Hände nie schmerzen"

Zwischen Sprache, Identität und Integration: Iranische Juden in Israel

Langsam wird es eng in dem kleinen Hinterraum des Geschäftes. Menashe Sassoon plant ein weiteres Ensemble zu gründen. Aus diesem Anlaß hat er eine Reihe von Künstlern zur gemeinsamen Musikprobe eingeladen.

 

Unter die Begrüßungen auf Hebräisch mischen sich immer wieder Sätze auf Persisch, in denen nach dem Wohlbefinden gefragt wird. Menashes Sohn Barack reicht frisch gekochten Tee und bietet Gebäck und Nüsse an. Die Künstler greifen beherzt zu. Der Percussionist Farivar Delshadfar stammt wie Menashe Sassoon ursprünglich aus dem Iran. Auf persisch bedankt er sich höflich für die Gastfreundschaft und Einladung: «Daste-e shoma dard na kone» - mögen Ihre Hände nie schmerzen.

 

Die Probe beginnt. Menashe setzt sich vor seinen Santur und beginnt zu spielen. Nach einem Solo gibt er den anderen Musikern Zeichen für ihre Einsätze. Virtuos entlockt er dem trapezförmigen Kasten, der an ein Hackbrett erinnert und in Persien auf eine 3000-jährige Tradition zurückblickt, geheimnisvoll klingende Töne.

 

Tzipi Cohen wiegt ihren Körper zur Musik gleichmäßig hin und her. Sie schließt ihre Augen und beginnt ein traditionelles iranisches Lied auf persisch zu singen.

 

Die talentierte Sängerin mit der durchdringenden Stimme wurde nicht mit dem Vornamen Tzipi geboren. Sie hat ihn erst nach ihrer Einwanderung in Israel angenommen. Es ist die Kurzform von Tzipora, was auf Hebräisch Vogel bedeutet. Und es scheint, als wenn Tzipi von Liedzeile zu Liedzeile Flügel wachsen, die sie auf eine Reise zurück in den Iran tragen und aus Tzipora wieder das Mädchen Farzane wird.

 

Neben seiner Passion für die Musik handelt Menashe Sassoon erfolgreich mit wertvollen Edelsteinen, Antiquitäten und Judaica. Sein Geschäft «Persepolis» liegt in der lebhaften Ben-Jehuda-Straße in Tel Aviv. Er hat es nach der Hauptstadt des antiken Perserreiches unter den Achämeniden benannt. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet «Stadt der...

 

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von Gundula Madeleine Tegtmeyer

«Jüdische Zeitung», Juli 2010