"Das ist kein Spiel im Sandkasten"

Im Gespräch mit dem einzigen Antisemitismusbeauftragten in deutschen jüdischen Gemeinden, dem Berliner Levi Salomon

Herr Salomon, die Funktion des Antisemitismusbeauftragten gibt es erst seit dieser Legislaturperiode.

 

Das ist richtig, aber schon vor den letzten Wahlen in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sich die Situation in Deutschland so zugespitzt, dass die damalige Vorsitzende des Wahlbündnisses «Atid» und jetzige Gemeindevorsitzende, Lala Süsskind, und ich uns einig waren, dass eine Struktur geschaffen werden muss, zur Demokratiestärkung und zur Bekämpfung des Antisemitismus. Nach den Wahlen wurde dies umgesetzt.

 

Gibt es denn nicht bereits genügend Initiativen im Kampf  gegen den Antisemitismus?

 

Initiativen schon, Strukturen kaum. Damit meine ich regelmäßige und kontinuierliche Arbeit vor allem im Bereich des Monitorings. Auf dieser Basis muss man dann bestimmte Prozesse erfassen und kanalisieren, zum Verständnis der Probleme beitragen, auf diese Probleme hinweisen und die Öffentlichkeit sensibilisieren.

 

Welche Öffentlichkeit meinen Sie?

 

Die Medien, die Vertreter der Politik, staatliche Institutionen, Nichtregierungsorganisationen sowie interessierte Kreise.

 

Haben Sie darüber nicht die Arbeit in der eigenen Gemeinde vergessen?

 

Als Beauftragter für Antisemitismus der Jüdischen Gemeinde ist meine ureigene Aufgabe der Schutz unserer Gemeindemitglieder und bei antisemitischen Vorfällen die unmittelbare Hilfeleistung. Das, was ich tue, tue ich permanent. Wenn sich Gemeindemitglieder an mich wenden, lasse ich alles stehen und liegen und befasse mich sofort mit diesem Problem. Dafür haben wir eine 24-Stunden-Hotline eingerichtet. Ich versuche, die Betroffenen sofort am Telefon zu beraten und wenn die Zeit es erlaubt und nicht unmittelbar gehandelt werden muss, vereinbaren wir einen Termin. Während dieses Termins wird dann die ganze Problematik erörtert. Alle weiteren Schritte folgen danach.

 

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«Jüdische Zeitung», Juli 2010