"Es gibt viele Komponisten auf dieser Welt"

Der australische Komponist George Dreyfus über seine "Australian Folk Mass", seine Kindheit in Berlin und Gott

Australien anreisen, um im brandenburgischen Prenzlau bei der deutsche Uraufführung Ihrer «Australian Folk Mass» selbst zu dirigieren. Wieso war Ihnen das so wichtig?

 

Weil ich die richtigen Tempi nehme und mir das Stück gut gefällt. Es ist eines meiner Lieblingsstücke.

 

Sie haben das Stück bereits in den 70er Jahren komponiert...

 

... es ist ja nicht nur «ein Stück» - die Messe dauert beinahe eine Dreiviertelstunde. Die Messe im Allgemeinen hat ja eine über 1.000-jährige Geschichte. Sie hat sich im Lauf der Zeit stark verändert, zahlreiche Komponisten hatten die unterschiedlichsten Vorstellungen davon, wie eine solche Messe aussehen soll. Auch bei mir gibt es viele Einflüsse: Psalmen, das Alte Testament. Ich finde, am Ende ist eine tolle Mischung herausgekommen. Meine Messe ist ja in C-Dur geschrieben und die Gemeinde soll mitsingen. Da schwingt natürlich viel vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils mit. Damals wurde auch beschlossen, dass die Messe nicht mehr in Latein gesungen werden sollte. Die Musik sollte sich nicht mehr wie eine Oper anhören, alles sollte sehr volkstümlich sein. Damit die Gemeinde mitsingen kann, habe ich alle Melodien in C-Dur gehalten.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, eine katholische Messe zu vertonen?

 

Das ist eine ökumenische Messe. Als ich den Auftrag für die Messe bekam - und das war ja ein Auftrag - hatten sich alle Konfessionen auf einen gemeinsamen Text geeinigt. Das ist also mehr eine ökumenische Messe, für alle Religionen.

 

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Das Gespräch führte Friederike Neubert

«Jüdische Zeitung», Juli 2010