Keine Gleichheit vor dem Gewehr

Frauenstudien haben in Israel eine eigene Geschichte und sind in ihrer Existenz bedroht

Die Zukunft des Programms ist ungewiss. Im April hieß es, die Universität von Beit Berl werde die Frauenstudien auslaufen lassen; das Angebot mache ökonomisch keinen Sinn. Gesellschaftswissenschaften oder Lernprogramme für Sicherheit seien ungleich lukrativer. Doch inzwischen regt sich Widerstand gegen die Entscheidung der Universität. «Wenn es an Israels Hochschulen schon Frauenstudien gegeben hätte, als ich nach dem Wehrdienst mein Studium an der Universität begann - hätte das mein Leben verändert? Hätte ich andere Entscheidungen getroffen?» Tsafi Saar fragt sich das Anfang Mai in der israelischen Tageszeitung «Haaretz». Sie fragt es sich, weil sie ein Jahrzehnt später die Chance genutzt hat, sich am kleinen Beit Berl College für das dort von Vicky Shiran entwickelte Programm von feministischen Geschlechterstudien einzuschreiben.

 

Die drohende Schließung des Studienangebots hat nicht nur feministische Proteste von Frauenorganisationen hervorgerufen, sondern auch bei Gender-Studiengängen an anderen Institutionen des tertiären Bildungssektors. Im Kielwasser der Proteste gibt es inzwischen vage und nicht verbindliche Aussagen, die spezifisch geschlechtsbezogenen Kurse könnten in die allgemeinen Grundstudien der Studentinnen und Studenten einbezogen werden und ihre weitere Existenz hänge von der konkreten Studiennachfrage ab.

 

Tsafi Saar zieht in ihrem Plädoyer zum Erhalt der Frauenstudien eine skeptische Bilanz. «Die ganze Geschichte wirft ein düsteres Bild auf die akademische Welt Israels. Sie scheint das Instrument des uniformen, militärisch geprägten Ethos zu sein, eine Institution, die den Bedarf des Landes aus einer unglaublich engen Perspektive sieht und nicht dem Menschen dient, der einfach sein Wissen ausweiten will.»

 

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von Lukas Andel

«Jüdische Zeitung», Juli 2010