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Nichts bereuenDie Grenzpolizei ist das dritte Glied in Israels Sicherheitsphalanx
TEL AVIV Wenn zwei sich streiten, übersieht man den dritten - so ergeht es in Israel der kleinsten der drei Sicherheitsbehörden, der Grenzpolizei. Denn wenn Bilder mit Sicherheitskräfte um die Welt gehen, sieht man entweder blau uniformierte Polizisten oder grün bekleidete Soldaten. Die Beamten in den grün-gräulichen Uniformen werden jedoch vom laienhaften Blick oft als reguläre Soldaten abgetan, was der Einheit nicht gerecht wird. 1949 gegründet, war die Truppe zuerst Bestandteil des Militärs, was die grünliche Uniform erklärt. Erst im Lauf der Jahre wurde die Einheit dann der Polizei zugeteilt. Dennoch können junge Israelis bei ihrer Einberufung zwischen dem Dienst beim Militär und dem Grenzschutz wählen. Heute ist diese so etwas wie die Gendarmerie des Landes, die mit brisanten Einsätzen betraut wird. Dabei arbeitet sie eng mit den Streitkräften zusammen. Denn außer auf die Grenzen zu wachen, Präsenz an der Demarkationslinie zu zeigen und die Gegend um Jerusalem zu sichern, muss die Truppe einiges mehr leisten. Unter ihrem Kommando stehen beispielsweise auch die «Mista'aravim», eine Spezialeinheit, deren Mitglieder als Araber verkleidet auch in den letzten Winkel der Westbank eindringen. Laut dem Kommandeur der Grenzpolizei, Husein Phares, führt die Truppe in den letzten drei Jahren 1215 Operationen durch, nahm 595 Terroristen fest, tötete 123 und verwundete weitere 109. Aus den eigenen Reihen ist im gleichen Zeitraum nur ein Polizist gefallen, lediglich dreizehn wurden bei den Maßnahmen verwundet. Was sich für den europäischen Leser wie eine Todesschwadron anhört, bedeutet für Israel ein Mehr an Sicherheit, was die unzähligen Auszeichnung beweisen, die die Einheit als ganzes oder einzelnen Mitglieder bekommen haben. So wurde im Jahr 2005 die seit 25 Jahren nicht mehr verteilte Tapferkeitsmedaille an einem der Kämpfer dieser Einheit verliehen. Aber die Anfänge der «arabisierten» Einheit waren bei weitem nicht so spektakulär und blutig. Als sie 1988 während der ersten Intifada ins Leben gerufen wurde, suchten die Sicherheitsbehörden lediglich eine adäquate Antwort auf die Steine und Molotowcocktails werfenden Palästinenser. Die Grenzschützer mischten sich unter die Randalierer, kreisten die Werfer ein und zogen sie aus der Menge. Heute sind die Aktionen der Truppe wesentlich komplexer und die Anforderungen an die einzelnen Polizisten gestiegen: Sie müssen nicht nur fließend Arabisch sprechen, sondern sich auch an die einzelnen lokalen Dialekte anpassen können und die jeweiligen Bräuche der Gegend kennen. Diese Fähigkeiten müssen die Mitglieder der Einheit dann unter den widrigsten Umständen auch in die Praxis umsetzen können. Mitte Februar etwa ging der Grenzschutz einen weiteren Schritt in der Terrorbekämpfung: Am späten Vormittag sollte in der palästinensischen Großstadt Dschenin ein «Ingenieur», ein Bombenbauer des Islamischen Dschihad also, ausgeschaltet werden. Die Undercover-Polizisten fuhren zum vermuteten Aufenthaltsort des Terroristen. Dort mussten sie keine zwei Stunden warten, bis ihr eigentlicher Einsatz beginnen konnte. Als sie dann die Bestätigung empfangen hatten, dass der Mann aus seinem stets wechselnden Unterschlupf gekommen war, vergingen nur 13 Minuten bis die Agenten Sichtkontakt herstellen konnten, jedoch noch nichts unternehmen konnten. Da jede Operation dieser Art von einem unbemannten Flugzeug begleitet wird, das mit einer auflösungsstarken Kamera bestückt ist, hatte der Kommandeur der Einheit zu jedem Zeitpunkt den nötigen Überblick. Als dieser bemerkte, dass das Ziel auf der Gegenfahrbahn dem Lieferwagen entgegen kam, gab er den Befehl zur Kehrtwendung. Der 21-jährige Palästinenser schöpfte verdacht, drückte aufs Gaspedal und versuchte ins Stadtzentrum vorzudringen, wo stets bewaffnete palästinensische Einheiten anzutreffen sind, die ihn hätten beschützen können. Als der Terrorist einen größeren Platz erreichte, stoppte er seinen Wagen abrupt, zog seine Waffe, feuerte zwei Warnschüsse in die Luft und zielte anschließend auf den Fahrer des ihn verfolgenden Wagens. «Meine beiden Kameraden verhielten sich vorbildlich», meinte der Anführer des Trupps später. «Sie hoben ihre Hände, als würden sie ihm nichts Böses wollen. Darauf beruhigte er sich, und er lächelte uns an. Binnen Sekunden waren wir auf seiner Höhe und eliminierten ihn aus nächster Nähe.» Nicht nur wegen ihrer Effektivität im Felde wird die Einheit der Grenzschützer auch gerne von der militärischen Führung genutzt, wozu auch ihre Reaktionsschnelligkeit beiträgt. Während die Elitetruppen der Armee gerne zwei, drei Tage Vorlaufzeit in Anspruch nehmen, um ihre Operation vorzubereiten, benötigen die Pseudo-Araber oft nicht länger als zwölf Stunden. Denn in den Städten und Dörfer der Westbank kennen sie jeden Winkel und müssen sich nicht lange auf jeden neuen Marschbefehl vorbereiten. Der Grund hierfür liegt in der Ausbildung der einzelnen Kämpfer. Sie dauert mehrere Monate und beinhaltet nicht nur eine soldatische, sondern auch eine sprachliche und topografische. Letztlich lernt der zukünftige «Mista'arev» mehr oder weniger jede einzelnen Großfamilien kennen - und die zwischen ihnen herrschenden Spannungen. Sollte der Kadett die langwierige Ausbildung hinter sich gebracht haben, so wird er am Schluss in «freundlich gesinnte» Dörfer geschickt, wo er den endgültigen Schliff erhält, bevor er in andere Ortschaften der Westbank eingesetzt wird. Dass gegenüber dieser Vorgehensweise von der internationalen Gemeinschaft und manchen links gerichteten israelischen Kreisen rechtstaatliche Zweifel angemeldet werden, lässt die Grenzschützer selbst indessen kalt. Auch der Vorwurf, dass ihr Verhalten an den Übergängen der Grünen Linie das Misstrauen zwischen Israelis und Palästinenser eher geschürt als gelegt hat, ist ihnen nicht neu. Die Einstellung vieler Grenzschützer zu solchen Einwänden gegen ihre Arbeit bringt der im letzten Monat ausgeschiedene Kommandeur der Polizei Elite-Truppe auf den Punkt: «Vor jeder gefährlichen Operation besuche ich einen Kabbalisten in Afula oder gehe zum Rabbiner Abu-Chazira in Naharia, um deren Segen zu bekommen. Ansonsten habe ich gelernt, nichts zu bereuen.» |