Buchcover

«Lachsfischen im Jemen»

von Paul Torday

 

Ein außergewöhnlich unterhaltsames Lesevergnügen der britisch-skurrilen Art serviert uns der englische Literaturwissenschaftler Paul Torday, geboren 1946, in seinem ebenso mußevollen wie intelligenten Debütroman «Lachsfischen im Jemen», der zeitgleich in einer kongenialen Radioinszenierung des MDR (mit einem glänzend aufgelegten Joachim Krol in der Hauptrolle) auch als Hörbuch erschienen ist. Der britische Wissenschaftler und Fischereiexperte Dr. Alfred Jones wird gegen seinen Willen in ein absurdes Projekt hineingezogen, für das er wie alle seine Kollegen am staatlichen Zentrum für Fischereiwesen nur Hohn und Spott übrig hat, da es die Ansiedlung von atlantischem Lachs im jemenitischen Hochland zum Inhalt hat. Dies zumindest ist die verrückte Idee des politisch einflussreichen, charismatischen Scheichs Muhammad, der als begeisterter Fliegenfischer und Laird von Glenn Tulloch bereit ist, einen Großteil seines nicht unerheblichen Vermögens und all seine Überzeugungskraft in die Verwirklichung seines Plans zu investieren. So interessiert sich bald nicht nur der eitle britische Premierminister für das Projekt, von dem er sich Schlagzeilen über ein positives britisches Engagement im Nahen Osten verspricht, sondern auch al-Kaida, die unverzüglich einen armseligen Mörder für Scheich Muhammad in Marsch setzt. So wird Dr. Jones schließlich von höchsten staatlichen Instanzen dazu gezwungen, die Verantwortung für das Projekt zu übernehmen, was ihm aber umso leichter fällt, nachdem er die reizende Immobilienberaterin des Scheichs kennen gelernt hat. Mit vollem Elan stürzt sich der steife Wissenschaftler in die Arbeit und setzt damit seinen guten Ruf als Fischereiexperte ebenso aufs Spiel wie seine langjährige, als glücklich empfundene Ehe mit der karrieresüchtigen Bankerin Mary. «Lachsfischen im Jemen» ist bei allem Willen zur intelligenten Unterhaltung keine reine Satire, sondern auch ein formal innovativer und auf wunderbare Weise geglückter, vielschichtiger Entwicklungsroman, der ebenso überzeugend mit stillen, fast meditativen Zwischentönen aufwarten kann wie er den Leser zum Lachen bringt.

Florian Hunger

 

 

«Lachsfischen Im Jemen»
aus dem Englischen von Thomas Stegers,

Berlin Verlag, 319 Seiten

19,90 Euro

«Jüdische Zeitung», Mai 2007