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«Eisesstille»von Piero Degli AntoniEin erschreckend klaustrophobisches, ebenso originelles wie ungewöhnliches Thrillerszenario hat der italienische Journalist und Schriftsteller Piero Degli Antoni (Jahrgang 1960) für seinen spannenden, soeben auf Deutsch erschienenen Debütroman «Eisesstille» entworfen, der mit seinem filmreifen, kammerspielartigen Plot durchaus angemessene Vergleiche mit Werken von Agatha Christie oder Alfred Hitchcock aufkommen lässt. Antonis ungemein reduzierter Roman spielt in einem von Schneestürmen gepeitschten Zelt in fast 8000 Metern Höhe, knapp unterhalb des fiktiven Himalayagipfels Kinsoru in Nepal, wo eine Gruppe von sechs gemeinsam Schutz suchenden Bergsteigern einen Kampf auf Leben und Tod aufnimmt - nicht nur gegen die Naturgewalten, sondern auch gegeneinander, denn obwohl alle davon beseelt sind, den Leichnam des vor zehn Jahren unter ungeklärten Umständen an gleicher Stelle verunglückten Jean-Pierre Leblanc zu finden, den jüngeren Bruder des berühmten Extrembergsteigers Michel Leblanc, sind ihre Motive höchst widersprüchlich und lassen im Verlauf der Handlung ein erschreckendes Kaleidoskop der abgründigeren Seiten menschlicher Affekte und Emotionen entstehen. Dabei wird die psychologische Handlung nicht nur durch die von gegenseitigem Misstrauen geprägten Gespräche, sondern vor allem auch durch die besonderen Bedingungen der großen Höhe wie extremes Schlafbedürfnis oder getrübte Bewusstseinszustände vorangetrieben. Natürlich ist der Autor ein guter Kenner der alpinen Historie, so orientiert sich die Handlung seines Buches ganz offensichtlich an der Tragödie um Günther Messner am Nanga Parbat im Jahr 1970 und dem bis heute schwelenden Streit um Egoismus, Schuld und Verantwortung zwischen Max von Kienlin und Reinhold Messner, die im Buch, ebenso wie der 1997 tödlich verunglückte kasachische Bergführer Anatoli Boukreev, kaum verschlüsselt wiedergegeben werden. Piero Degli Antoni ist ein wunderbar subtiler, hochintelligenter, geradezu klassischer Kriminalroman gelungen, dessen verstörende Pointe nicht, wie so oft in diesem Genre, wie eine Seifenblase zerplatzt. «Eisesstille» |