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«Der Fundamentalist, der keiner sein wollte»von Mohsin Hamid
Inspiriert von offenkundigen Parallelen aus seinem eigenen Lebenslauf legt uns der hochbegabte pakistanische, heute überwiegend in London lebende Autor Mohsin Hamid, geboren 1971 in Lahore, einen überaus leichtfüßigen und unterhaltsamen, aber ebenso anspruchsvollen und durchdachten, hochintelligenten Roman über westlichen und islamischen Fundamentalismus sowie die globale Angst vor Terror seit dem 11. September vor - den möglicherweise besten und zugänglichsten, der bis heute erschienen ist. Changez, der Protagonist seines Buches, spricht uns, den Leser, seinen Gesprächspartner für die nächsten zweihundert Seiten, in einem kleinen Café in der Altstadt von Lahore als amerikanischen Touristen an, um uns seine Geschichte zu erzählen. Durch diesen kleinen, höchst wirkungsvollen Kunstgriff entsteht sofort eine große, fast intime Nähe zum Erzähler, die einen bewussten Kontrast zur durch die Dominanz der Medien geprägten westlichen Weltsicht setzen will. Folgerichtig bleibt der Amerikaner während des ganzen Romans stumm, und wir erfahren von seinen Reaktionen und von seinem wachsenden Misstrauen lediglich aus der wörtlichen Rede seines Gastgebers in einem immer merkwürdiger werdenden Monolog. In Pakistan als Sohn einer verarmten Familie geboren, konnte Changez dank eines Stipendiums in Harvard studieren und machte dank seines herausragenden Abschlusses sofort Karriere in einem international tätigen Elite-Wirtschaftsprüfungsunternehmens in New York. Die Katastrophe des 11. September erlebt er während einer Geschäftsreise auf den Philippinen, wo zu dieser Zeit eine ausgesprochen amerikafeindliche Grundhaltung vorherrscht. Als er die Fernsehbilder von den Twin Towers sieht, überkommt ihn zu seinem eigenen Erschrecken eine tiefe, unbewusste Befriedigung und nach seiner Rückkehr nach New York ist nichts mehr wie zuvor. Mohsin Hamid ist mit seinem zweiten Roman eine Art literarischer Psychothriller gelungen, mit dem er dem Leser höchst überzeugend die Defizite unserer westlichen Weltsicht vor Augen führt.
«Der Fundamentalist, der keiner sein wollte»
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