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«Vorsicht, bissiger Gott»von Shalom Auslander
Es scheint für den Leser nur zwei Möglichkeiten zu geben, auf Shalom Auslanders unter dem Titel «Vorsicht, bissiger Gott» soeben auf Deutsch erschienenen absurd-komischen «fiesen Storys» (Untertitel) zu reagieren: entweder mit heller Begeisterung oder mit absoluter Ablehnung - Kundenrezensionen beim amerikanischen Online-Buchhändler Amazon.com beurteilen sein literarisches Debüt entweder mit nur einem oder aber mit der vollen Punktzahl von fünf Sternen. Beide Positionen haben eine gewisse Berechtigung, denn Shalom Auslander ist ein lediglich mittelmäßig begabter Pop-Autor, der in seinen zugegebenermaßen einfallsreichen Kurzgeschichten allerdings nur aus einer einzigen Quelle schöpft: seiner offensichtlich unglücklichen Kindheit und Jugend in einer streng-orthodoxen jüdischen Familie in Spring Valley, New York. Von seinem deutschen Verlag folgerichtig als «Enfant terrible» angekündigt, wird sein nächstes, im Herbst zunächst auf Englisch erscheinendes Buch den überaus bezeichnenden medienwirksamen Titel «Foreskin's Lament: A Memoir» (etwa: «Die Klage meiner Vorhaut») heißen. Jüdischer Selbsthass hat zweifellos eine lange Tradition und ist bei Auslander gar nicht mal besonders ausgeprägt; zwar haben alle seine Protagonisten ihre mehr oder weniger drolligen Probleme mit Gott, zwar zieht Gott selbst auch gern mal seine Knarre, um jemandem das Lebenslicht auszupusten, im Grunde bleibt die Religionskritik des Autors aber recht oberflächlich und zahm, viele Texte wirken seltsam blutleer und nicht zu Ende gedacht. Zum Glück besitzt Auslander ein bemerkenswertes komisches Talent, das jede Berliner Lesebühne bereichern könnte und viele erzählerische Defizite letztendlich wettmacht. Dass der Verlag sein Alter verschweigt, lässt allerdings befürchten, dass der Autor weniger jung ist, als er sich gibt. Insofern bleibt abzuwarten, ob er mit Fleiß und Konzentration in seinem nächsten Buch vielleicht nicht doch noch etwas mehr erreichen kann.
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