Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Der Morgen an dem der Zeitungsträger»von Esther Dischereit
Wer Esther Dischereit, der «vielleicht wichtigsten deutsch-jüdischen Autorin der ersten Nach-Shoah-Generation», so der Suhrkamp-Verlag in einer Pressemitteilung, zum ersten Mal in ihrem neuen Gedichtband «Im Toaster steckt eine Scheibe Brot» (erschienen im Verlag Vorwerk 8) begegnet, möchte ihr am liebsten raten, es doch lieber einmal mit Prosa zu versuchen. Tatsächlich werden ihre keinesfalls misslungenen, aber dennoch auf fast beiläufige Art unzugänglichen Verse erst verständlich, nachdem man einige Erzählungen aus ihrem fast zeitgleich in der Edition Suhrkamp erschienenen Band «Der Morgen an dem der Zeitungsträger» gelesen hat. Für dieses Buch hat die begabte Autorin ein wohldurchdachtes Konzept erarbeitet, das aus dem selben Grund aufgeht, aus dem ihre Gedichte nur bedingt funktionieren: es sind intime Momentaufnahmen, Geschichten ohne Anfang und Ende, die einer genaueren Erläuterung bedürfen, weiterer Wörter und Sätze, die nur eine Kurzgeschichte hinzufügen kann, nicht aber ein Vers von wenigen Zeilen - zu mühsam und schwierig wird dort das Eindringen in den jeweiligen assoziativen Hintergrund. «Der Morgen an dem der Zeitungsträger» ist eine Sammlung von Geschichten, die mit beispielhafter Empathie die seltsam schwerelosen Lebenswelten ihrer auf sich selbst zurückgeworfenen Protagonisten erkunden und auf sehr unaufdringliche Art und Weise die Fragen nach dem verborgenen, inneren Antrieb dieser Menschen stellen. Dabei ist es hier gerade das skizzenhafte, nur vordergründig unfertige, was Esther Dischereits Erzählungen so lebendig und lebensnah macht. Aus dieser literarischen Vorübung heraus kann der geduldige Leser schließlich auch wieder mit Gewinn zu ihren Gedichten greifen wie zum Bonusmaterial einer DVD.
«Der Morgen an dem der Zeitungsträger» |