Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]()
«Das Tor muss in Richtung Jerusalem gestanden haben»Juden und Fußball – eine literarisch kursorische Betrachtung im Licht der WM von 2006
Bücher über Fußball, so scheint es, haben Konjunktur. Dieser Sport ist inzwischen gesellschaftsfähig geworden und auch für jene interessant, die ihm ansonsten wenig abgewinnen konnten, ihm kritisch, distanziert oder gar ablehnend gegenüber stehen. Fußball ist eben nicht der ausschließlich lärmend daherkommende Volkssport Nummer eins, der Familien zu spalten vermag, Ehekrisen heraufbeschwört. Fußball ist Teil der Kulturgeschichte. Fußball umfasst Politik, Soziologie - manche subsumieren ihn gar unter der Rubrik «Philosophie». Fußball hat einen gesellschaftlich hoch angesiedelten Stellenwert, der längst nicht nur die untersten Volksschichten infiziert hat, Fußball hat sich durch alle Bevölkerungsgruppen hinweg gesellschaftlich emanzipiert. Obwohl historisch zunächst im bürgerlichen Lager angesiedelt, stößt das Ballspiel mit dem Fuß vor allem in der Industriearbeiterschaft bald auf lebhaftes Interesse. «Der Fußball verdankt seine Existenz dem arbeitenden Volk», schrieb einst César Luis Menotti, jener Trainer der argentinischen Weltmeistermannschaft von 1978, der zum Philosophen wurde. Im Fußballspiel selbst finden sich Ausprägungen wieder, die dem Industriearbeiter vom beruflichen Alltag her in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht vertraut sind und die ihm als Freizeitvergnügen besonders reizvoll erscheinen müssen: Fußball ist ein körperbetontes Spiel, das vom Zweikampf bestimmt wird und bei dem es doch auf die gesamte Mannschaftsleistung, also auf Sozialverhalten ankommt. Härte, Gewandtheit, Mut, Ausdauer sind Eigenschaften, die im Spiel wie bei der Arbeit gefordert sind. Theodor W. Adornos Behauptung, der moderne Sport suche dem «Leib einen Teil der Funktionen zurückzugeben, welche ihm die Maschine entzogen» habe, scheint auf den Fußball zuzutreffen.
Davidstern und Lederball Juden und Fußball oder auch Juden im Fußball, das war von Anfang an eine besondere Beziehung, geprägt von einer Leidenschaft, die gemeinhin auch in anderen Bevölkerungsgruppen ausgeprägt ist, ohne dass dieses Phänomen angemessen beachtete worden wäre. Schaut man sich Medaillenlisten der modernen Olympischen Spiele seit 1896 in Athen an, stellt man fest, dass seit der Olympiade im Jahre 1900 in Paris mehr oder weniger regelmäßig jüdische Fußballer sich in die Liste der Medaillenträger haben eintragen können: 1900 war es Jean Bloch, der für Frankreich Silber holte, Harald Bohr (Silber) 1908 für das dänische Team. Nach dem Holocaust tauchen in den Siegerlisten nur noch jüdischen Medaillengewinner aus den Ostblockstaaten UdSSR und Ungarn auf. Der letzte war Yuri Gavrilov, der 1980 in Moskau mit der UdSSR Mannschaft Bronze gewann. Vom Fußballsport und der damit verbundenen gesellschaftspolitischen Bedeutung handelt ein Sammelband, der einen sehr spezifischen Aspekt beleuchtet: Juden im Fußball oder, mit dem Titel des Buches ausgedrückt, «Davidstern und Lederball» - ganz gewiss ein unterbelichtetes Thema der deutsch-jüdischen Historiographie. Mit ihrer Partizipation am «Volks»-Sport Fußball erklommen Juden in Deutschland gleichsam eine der höchsten Stufen auf dem mühsamen Weg der Assimilation. Dabei müsste man diesen ihren Beitrag eher als eine hohe Form der Akkulturation bezeichnen. Mögen ihnen antisemitische Vorbehalte auch hier entgegen gekommen sein - auf dem Sportplatz selbst spielt Rassedünkel keine Rolle oder sagen wir besser, sollte keine Rolle spielen. Hier zählt normalerweise die sportlich messbare Leistung und das heißt im Fußball also: die erzielten Tore. Antisemitismus, wie immer er sich äußert, ist eine Erscheinung, die von Außen aus niederen Motiven geschürt wird - auch im Fußball. «Wer gründete 1920 das Sprachrohr des deutschen Fußballs ‚Der Kicker' - A, B, C oder D?» Die Antwort dieser «Millionärs»-Frage, von Günther Jauch gestellt und mit ? Mill. Euro (vielleicht auch 1 Mill.) dotiert, wäre - Walther Bensemann.
Bei DFB, Eintracht Frankfurt, FC Bayern Bensemann, wie wir aus der von Dietrich Schulze-Marmelings verfassten Biographie erfahren, war nicht nur Gründungsmitglied des im Jahre 1900 aus der Taufe gehobenen FC Bayern München, sondern auch des DFB und gilt als Deutschlands profiliertester Fußballjournalist. Kurz, er war ein Fußballpionier, der den Fußball in Deutschland popularisierte und aus ihm ein klassenübergreifendes Massenphänomen machte. Die Vereinsgründer in München waren ein buntes Gemisch aus Sachsen, Hanseaten und Preußen, kurz: «Zuagroaster" - unter ihnen eine Reihe Juden, die innerhalb des Vereins eine herausragende Rolle spielten. Neben Bensemann waren es u.a. Josef Pollack, Gustav Rudolf Manning (früher trug er den Namen Mannheimer und war im Übrigen auch erster Schriftführer des DFB), die in der Führungsetage des Vereins saßen. Die Nationalsozialisten trieben Bensemann außer Landes und diffamierten seine Ideale; von den ihm zustehenden Anteilen am «Kicker» sah er keinen Pfennig. Im Jahre 1913 (bis 1933) wurde Kurt Landauer zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. Zu den «Juden» des FC Bayern gehörte auch ihr Trainer Richard «Little» Dombi, der als Aktiver unter seinem Geburtsnamen Richard Kohn von 1908-1912 sechsmal das Nationaltrikot Österreichs getragen hatte. Als Spieler des MTK Budapest hatte Kohn es im antisemitisch aufgeladenen Ungarn vorgezogen, seinen Namen zu ändern. Unter Dombi alias Kohn wurde der FC Bayern 1932 in Nürnberg erstmals Deutscher Meister. Einige Monate nach diesem Triumph waren dessen Macher nicht mehr im Lande oder nicht mehr in offiziellen Funktionen. Die Nazifizierung machte auch vor dem FC Bayern nicht halt: Erfolgscoach Dombi verließ zusammen mit dem Jugendtrainer Otto Beer München, beide gingen in die Schweiz. Landauer wurde am 10. November 1938 in «Schutzhaft» genommen und unter menschunwürdigen Bedingungen ins KZ Dachau verschleppt, konnte nach seiner Freilassung in die Schweiz emigrieren. 1947 kehrte er nach München zurück und wurde noch im gleichen Jahr zum zweiten Mal zum Präsidenten des FC Bayern gewählt, ein Amt, das er bis zum Jahre 1951 innehatte. Kurz vor dem Finale in Nürnberg war dem deutschen Fußball bereits Jenö Konrad verloren gegangen: Als Trainer hatte der ehemalige ungarische Nationalspieler den 1. FC Nürnberg bis ins Halbfinale geführt und dort 0:2 gegen Bayern München verloren. Konrad kapitulierte vor der antisemitischen Hetze des in Nürnberg erscheinenden «Stürmer», der nach der Niederlage schrieb: «Der 1. Fußballclub Nürnberg geht am Juden zugrunde. (...) Klub! Besinne dich und wache auf. Gib deinem Trainer eine Fahrkarte nach Jerusalem. Werde wieder deutsch, dann wirst du wieder gesund. Oder du gehst am Judentum zugrunde!» Natürlich blieb der Fußball von antisemitischen Attacken nicht verschont. Der «Kicker» thematisierte diese Art Vorurteile eher vorsichtig, aber er nahm sie immerhin auf und rückte diesbezüglich gerne einen Gastkommentar ein. Der Wiener Sportjournalist Willy Meisl zitierte im «Kicker» ein Beispiel aus seiner Heimatstadt, wo behauptet wurde, der Fußball werde von «jüdischem Geld» erhalten, um die «Leidenschaften der Massen aufzupeitschen» und die «rohen Instinkte der Menschen zu wecken». Meisl, selber Jude, kommentierte mit seinem für ihn typischen Wiener Schmäh: «No also, bitte! Ist er nicht an allem Schuld? - Wer? - Blöde Frag': der Jud!» Teils rassistisch motiviert, teils aus Dummheit und Geschichtslosigkeit, wird die Eintracht aus Frankfurt bis heute als «Judenklub» bezeichnet, da sich das jüdische Sponsorentum für diesen Verein in den 1920er Jahren im Bewusstsein sogenannter Fans erhalten hat. Jugendspieler werden zuweilen als «Judebubben» beschimpft, oder bei Derbys wird unmissverständlich gerufen: «Zyklon B für die SGE!» Obschon erklärter Eintracht-Fan, musste Ignatz Bubis bitter erfahren, dass es auch in «seinem» Verein Rassismus und Vorurteile gab. Von der Tribüne des Waldstadions musste er mithören, dass aus dem «Fan»-Block «Schiri nach Auschwitz!» skandiert wurde.
Hakoah, Tottenham, Ajax Amsterdam «Davidstern und Lederball» bietet eine Menge Informationen über Juden «am Ball» - national wie international. Die Hochburgen des «jüdischen» Fußballs waren Ungarn, die Tschechoslowakei und Österreich. Die berühmteste jüdische und eine der weltbesten Fußballmannschaften war die Wiener SK Hakoah - von 1917 bis 1934 trugen elf Hakoahner das österreichische Nationaltrikot. Die Länder des «Donaufußballs» entwickelten sich neben der britischen Insel zu einem zweiten fußballsportlichen Machtzentrum in Europa. Am Beispiel des internationalen Spitzenclubs «Ajax Amsterdam» wird dieses Mixtum compositum deutlich: Obwohl Ajax kein «jüdischer» Klub war (gleichwohl viele Mitglieder, Funktionäre und einige Spieler jüdischer Herkunft waren und sich in einem ausgesprochen «jüdischen» Milieu bewegten), hatte er eine große jüdische wie philosemitische Fanbasis. Als der Klub 1994 an Jom Kippur gegen den AC Mailand spielte, fieberten die Anhänger außerhalb der Synagoge dem Europapokal. Spiel am Radio mit, obwohl dies der Feiertag verbot; innerhalb der Synagoge wurden die Gläubigen über den Spielstand auf dem Laufenden gehalten. Was in Österreich die Hakoah, ist bis in die Gegenwart der Londoner Verein Tottenham Hotspurs in der englischen Premier League - ein «Judenclub», mit dem sich die Fans identifizieren. Wie bei Ajax Amsterdam gehören bei den «Spurs» oder bei den «Yids», wie sie bezeichnender Weise auch genannt werden, israelische Fahnen zum gängigen Fanartikel. Die Fans selbst nennen sich «Yids» oder «Yiddoes». Eine gute Aktion im Spiel bejubeln die Tottenham-Fans mit dem Schlachtruf «Yiddo». Die Lieblingsspieler werden als «Juden" angefeuert. Der logische Zusammenhang zwischen Tottenham und den Juden scheint eine Umkehrung von Beleidigungen zu sein, die wegen der in der Nähe des Stadions lebenden orthodoxen Juden immer in Umlauf waren und von den Vereinsanhängern für sich als Ehrenbezeichnung ins Gegenteil verkehrt werden. Ihrem deutschen Publikumsliebling Jürgen Klinsmann widmeten die Tottenham-Fans einen eigenen Song: «Chim chiminee,/ Chim chim churoo./ Jürgen was a German / But now he's a Jew!» Auch zwischen Intifada und Champions League wird in Israel Fußball gespielt, beteiligt sich das Land am internationalen Wettbewerb. Mordechai Spiegler ist der Schütze des ersten (und bislang einzigen) WM-Endrundentors der israelischen Nationalmannschaft - am 7. Juni 1970 beim 1:1 im Spiel gegen Schweden in Mexiko. Sein Tor kommentierte Spiegler so: «Es waren 25 Meter, ein starker Rückenwind, und das Tor muss in Richtung Jerusalem gestanden haben».
Vom Rasensport zum Rassensport Ab 1933 wurde aus dem Rasensport Fußball ein Rassensport - der DFB schloss sich «gleich» und seine jüdischen Mitglieder aus. In der «hauseigenen» Geschichte des größten Fußballverbandes der Welt sind die zwölf Jahre Nationalsozialismus stets ausgeblendet worden, dabei hätte der DFB guten Grund gehabt, auf «seine» Juden stolz zu sein, zumindest auf sie zu verweisen. Der deutsche Fußball, der seinen Marsch in die nationalsozialistische Gleichschaltung fast sechzig Jahre unreflektiert gelassen hat, hat sich nach 1945 in den internationalen Sportbeziehungen häufig genug auf jene Positionen zurückgezogen, die einst von Walter Bensemanns deutschnationalen Gegenspielern vertreten wurden. Bensemann war, wie wir bereits gehört haben, nicht nur Gründungsmitglied des im Jahre 1900 aus der Taufe gehobenen FC Bayern München, sondern auch des DFB und gilt als einer der profiliertesten Fußballjournalisten Deutschlands, kurz, er war ein Fußballpionier. In seiner Selbstdarstellung hat der DFB stets den Eindruck erwecken wollen, er sei eine vor nationalsozialistischem Wind und Wetter geschützte Oase für Widerständler gewesen. Tatsächlich hat der DFB bis in die jüngsten Verlautbarungen hinein eine fatale Ignoranz gegenüber der historischen Wahrheit an den Tag gelegt. Ein Fall sei kurz beschrieben: Am 10. April 1933 musste Julius Hirsch der Zeitung entnehmen, dass die süddeutschen Spitzenclubs beschlossen hatten, jüdische Mitglieder auszuschließen. Noch am gleichen Tag schrieb Hirsch seinem Verein, dem Karlsruher KFV: «Ich gehöre dem KFV seit dem Jahre 1902 an und habe demselben treu und ehrlich immer meine schwache Kraft zur Verfügung gestellt. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV meinen Austritt anzeigen». Hirsch, den alle nur «Juller» nannten, mehrere militärische Auszeichnungen im 1. Weltkrieg erhalten und der 1925 seine aktive Laufbahn beendet hatte, konnte auf eine Reihe sportlicher Erfolge verweisen: zweimal Deutscher Meister, vier süddeutsche Meistertitel, 7 maliger Nationalspieler und, als Höhepunkt seiner Laufbahn, die Olympiateilnahme 1912 in Stockholm. Im Dezember 1911 hatte er als erste, Fußballer jüdischen Glaubens in der deutschen Nationalmannschaft debütiert. Das spektakuläre 5:5 im Länderspiel gegen die Niederlande in Zwolle kommentierte Hirsch 1935 rückblickend so: «Es gelang mir in diesem Spiel, nicht weniger als vier von fünf erzielten Toren zu schießen. Das fünfte Tor schoss mein Glaubensgenosse [Gottfried] Fuchs». Hirschs letzte Karriere, will man es zynisch formulieren, endete gleichwohl im Frühjahr 1943 - im Gas von Auschwitz. Unverzeihlich und beschämend ist der Eintrag in der «offiziellen» DFB-Geschichte aus den 1950er Jahren, in dem Julius Hirsch unter der Rubrik «Unseren Toten zum Gedächtnis» als «gestorben 1939/45 im Ghetto» erwähnt wird. Im Sammelalbum des «Kicker» aus dem Jahre 1939 mit der Sondernummer «Die deutschen Nationalspieler» sucht man Bild und Biographie von Julius Hirsch, der sich inzwischen Julius «Israel» Hirsch nennen musste, vergebens.
Jüdische Fans und Förderer Neben dem Engagement in den rein jüdischen Vereinen gab es natürlich auch die Unterstützung «säkularer» Fußballvereine - namentlich des bedeutendsten in Gelsenkirchen, des FC Schalke 04. Der Zahnarzt Dr. Paul Eichengrün war nicht nur Mitbegründer des Vereins «Hakoah» in Gelsenkirchen, sondern auch Spieler in der Altherren-Mannschaft des FC Schalke 04. Und bis 1933 bekleidete er sogar das Amt des 2. Vorsitzenden. Mehrere jüdische Geschäftsleute gehörten zu den Fans und Förderern der Knappen, wie sich die Spieler nannten. Bei Metzgermeister Kahn stärkten sich die Spieler regelmäßig nach dem Training in der Wurstküche. Und der «billigste Metzger der Stadt», Leo Sauer, strich zu einer der Meisterfeiern - welch ein Vereinspatriotismus! - sogar ein Schwein in den Vereinsfarben (königs-)blau-weiß an, das dann im Triumphzug mitgeführt wurde. Bei ihm kehrte in den 1920er Jahren regelmäßig der Vorstand nach der Kneipentour ein, die den Sitzungen folgte. Leo Sauer finanzierte 1927 dem legendären Torjäger Ernst Kuzorra den Führerschein und stellte ihn als Fahrer ein - spätestens ab dann arbeitete der Schalker Star nicht mehr unter Tage, wie es der Mythos will, sondern war bestenfalls «Halbamateur». Wie man es auch dreht und wendet, die Geschichte des deutsch-jüdischen Sports, die in die Fußball-Liga Theresienstadts mündete, verschafft dem Historiker und dem Laien gleichermaßen eine komplexe Perspektive des nicht so langen Wegs von der Emanzipation der deutschen Juden bis zur «Endlösung». Der Fußballsport an sich steckt voller skurriler Geschichten, das gilt für jüdische/israelische Balltreter im Besonderen: Yossi Benayoun ist Israels zur Zeit einziger Fußball-Importnik mit internationalem Format. Er ist beim englischen 1. Erstliga Club West Ham United unter Vertrag. Er war es, der mit seinem 2:1 Treffer in der 78. Spielminute im Lokalderby Tottenham Hotspurs Träume vom Champions League vermasselte. Tottenham rutschte am letzten Spieltag in der abgelaufenen Saison der Prime League auf den fünften Tabellenplatz ab und damit verpassten die «Yids» die Qualifikation und geschätzte 15 Millionen Einnahmen. Einer der Gründe für die Niederlage mag eine Lasagne-Vergiftung gewesen sein, die die Spieler kollektiv heimgesucht hatte und den Tottenham Präsidenten Daniel Levy - vergeblich - veranlasste, eine Spielwiederholung zu erzwingen.
Nur das Tor zählt Als Fazit unserer bescheidenen jüdischen Fußballgeschichte lässt sich festhalten, dass Juden nicht nur zu Beginn des letzten Jahrhunderts große Pionierleistungen in der Sportart erbrachten. Wir wollen nicht unterschlagen, welche Rolle Juden bei der aktuellen Fußballweltmeisterschaft spielten. Gewiss: Die israelische Nationalmannschaft ist in der europäischen (!) Qualifikationsrunde zur WM gescheitert, knapp zwar, aber knapp daneben ist bekanntermaßen kein Tor. Das Team hat sich dabei u.a. gegen den Weltmeister des Jahres 1998, Frankreich, mit zwei Remis achtbar geschlagen. Wir wissen nicht, ob in irgendeinem Nationalteam Juden am Ball sind. Argentinien trat mit dem zur Zeit wohl einzigen Weltklassespieler jüdischer Herkunft an - Pablo Juan Sorin, Kapitän der argentinischen Nationalelf, der ansonsten in der spanischen Primera División für den FC Villareal kickt. Der Trainer des argentinischen Nationalteams, José Nestor Pekerman, der inzwischen Kultstatus erlangt hat, ist der Nachfahre ukrainisch jüdischer Einwanderer. Dabei ist es wohl unerheblich, welcher Spieler welche Herkunft hat, welchen religiösen Bekenntnisses er sich zugehörig fühlt oder welche Hautfarbe er besitzt. All diese Merkmale schießen keine Tore. Obwohl, wie gesagt, Israel sich für die WM nicht qualifizieren konnte, stand das Land doch ganz unvermittelt und ungewollt im Mittelpunkt des Turniers, als sich der ghanaische Verteidiger John Pantsil beim 2:0-Sieg seiner Mannschaft über Tschechien am 17. Juni 2006 als israelischer Botschafter bei der WM entpuppte. Pantsil zog nach beiden Toren seines Teams eine israelische Flagge aus seinem Stutzen und ließ den blauen Davidstern vor laufenden Kameras aus aller Welt stolz wehen. Der Spieler, der bei Hapoel Tel Aviv kickt, wollte mit dieser Demonstration einen Gruß an seine Wahlheimat Israel zum Ausdruck bringen. «Ich liebe die Fans in Israel, sie haben mich immer glücklich gemacht, jetzt wollte ich sie glücklich machen», war sein Kommentar bei Spielende. Die arabische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Pantsil wurde als bezahlter Mossad-Agent beschimpft, der naiv und dumm sei. Ghanas Fußballverband entschuldigte sich öffentlich und ließ erklären, der Spieler bereue, was er getan habe. Von dieser Entschuldigung wiederum distanzierte sich der Spieler und erklärte auch im Namen von zwei weiteren ghanaischen Nationalspielern, die ebenfalls in der israelischen Profiliga spielen: «Ich weiß, dass ganz Israel hinter uns steht und stolz auf uns ist». Und weiter: «Ich wusste, es würde den Israelis gut tun». |