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Der «Löwe von Jerusalem»Der legendäre Bürgermeister Teddy Kollek ist 95 geworden
Teddy Kollek, der am 27. Mai seinen 95. Geburtstag beging, hat reichlich Gründe zu feiern - und viel, wofür er selbst gefeiert wird. Bei der Rettung von Juden aus dem Nazi-besetzten Europa während des Zweiten Weltkriegs, während seiner beispiellosen 28jährigen Amtszeit als Bürgermeister von Jerusalem und auch bei der Gründung der Jerusalem Foundation hatte Kollek stets auch das Leben der anderem im Blick gehabt. In Israels Hauptstadt hat der «Löwe von Jerusalem», wie ihn Freunde und Bewunderer oft nannten, seine eindrücklichen Spuren eingegraben - und multiethnisch und multikulturell zusammengesetzten Jerusalem bescheinigen ihm nicht wenige, das friedliche Miteinander aller Bevölkerungsgruppen vorangebracht zu haben. Mazel tov! Im Folgende einige wesentliche Stationen und Ereignisse im Leben des 95jährigen Jubilars:
1911-1938: Von Wien nach Ein Gev Teddy Kollek wurde im Jahre 1911 als Theodor Kollek geboren und wuchs in Wien auf. Seinen Vornamen erhielt er nach Theodor Herzl. Eine fast prophetische Namensgebung, da Kollek schon in früher Jugend eine tiefe Verbundenheit mit der zionistischen Bewegung entwickelte, was zu einer wesentlichen Konstante seines ganzen Lebens wurde. Gemeinsam mit Gleichgesinnten begann der junge Mann, sich auf die bevorstehende Emigration nach Palästina vorzubereiten, das damals Britisches Mandatsgebiet war, und junge Männer und Frauen darin auszubilden, in landwirtschaftlichen Gemeinschaften zu arbeiten. Im Jahr 1935 erhielt Kollek die Genehmigung, nach Palästina auszuwandern. Wie er in seiner Autobiographie «Ein Leben für Jerusalem» erzählt, wusste Teddy Kollek vom ersten Moment an, dass er hier zu Hause war - ein Gefühl, das ihn seitdem nie mehr verlassen sollte. Seit seiner Ankunft in Palästina pflegte Kollek auch Kontakte zu arabischen Nachbarn, in einigen Fällen entstanden daraus auch enge persönliche Freundschaften. Kolleks frühe Jahre im Heiligen Land waren ereignisreich und oft auch gefahrvoll. Wie andere europäische Einwanderer auch, hatte er zunächst Probleme mit der Anpassung an das ungewohnte Klima - und erkrankte an Typhus und Malaria. Im Juni 1937 beteiligte sich Teddy Kollek an der Errichtung von «Wehrdörfern» und gründete mit einer Gruppe zionistischer Mitkämpfer den Kibbutz Ein Gev am Ostufer des Kinnereth.
Geheime Missionen und öffentliche Ämter Kollek setzte seine Tätigkeit für zionistische Organisationen während der 1930er Jahre in ganz Europa fort und beschaffte in ihrem Auftrag häufig Papiere, mit denen Juden aus dem inzwischen von den Nazis besetzten Europa fliehen konnten. Auf einer seiner Reisen nach Wien - im Jahre 1938 - konnte er Adolf Eichmann zur Freilassung von 3.000 jüdischen Jugendlichen aus Konzentrationslagern in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei sowie zu ihrer Auswanderung nach England bewegen. Im Jahr 1941 begann Teddy Kollek unter David Ben Gurion mit der Arbeit für die «Jewish Agency for Palestine» in England. Er nahm Verbindungen zu jüdischen Untergrundorganisationen in ganz Europa und zu den Geheimdiensten der Alliierten auf. Ferner half er bei der illegalen Auswanderung aus Europa, bei der Freilassung alliierter Kriegsgefangener und beim jüdischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Ab 1949 arbeitete Teddy Kollek in israelischen Diensten in den USA. Ben Gurion rief ihn 1952 zurück nach Israel und machte ihn zum Generaldirektor im Amt des Ministerpräsidenten, was er bis 1964 blieb. Später bemerkte Kollek, Ben Gurion habe ihn von allen Menschen, die er je getroffen habe, wohl am meisten beeinflusst. Obwohl die beiden Männer in politischen Fragen nicht immer übereinstimmten, ist es bezeichnend für Kollek, dass er abweichende Meinungen äußerte, ohne dabei die persönliche Sympathie zu gefährden.
Bürgermeister von Jerusalem: Die ersten Jahre Im Jahr 1965 wurde Teddy Kollek - als Kandidat von Ben Gurions Partei RAFI, die sich im selben Jahr von der Mapai-Partei abgespalten hatte - überraschend zum Bürgemeister von Jerusalem gewählt. Eher aus dem Wunsch heraus, seine Loyalität gegenüber Ben Gurion zu beweisen, als aus echten politischen Ambitionen heraus, hatte er als Kandidaten aufstellen lassen. Kollek war überzeugt davon, haushoch zu verlieren und sah dem Wahlausgang «gelassen» entgegen. Jedoch errang er die gleiche Anzahl von Sitzen wie der Kandidat der Mapai, und weil er eine Koalition zu bilden in der Lage war, wurde Kollek tatsächlich Bürgermeister von Jerusalem. Es sollte der Beginn des wohl wichtigsten Abschnitts in seinem Leben werden. Als Teddy Kollek sein Amt antrat, war die Stadt voller Probleme. Nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948-49 war die östliche Stadthälfte von Jordanien besetzt, und es gab nur einen Übergang von einem Stadtteil zum anderen. Die anderen Verbindungsstraßen waren durch fünf bis sieben Meter hohe Mauern und Streifen von Niemandsland blockiert. An diesen Punkten kam es immer wieder zu Schießereien. Die unsichere militärische Lage der Hauptstadt wurde zudem durch die vorherrschende extreme Armut und einen chronischen Mangel an Wohnraum, Schulen und Freizeiteinrichtungen verschlimmert.
1967: Die wiedervereinigte Stadt Teddy Kollek hatte lange von einem wiedervereinigten Jerusalem geträumt. Allerdings hatte er niemals erwartet, dass Israel nur zwei Jahre nach seiner Wahl zum Bürgermeister den östlichen Teil wieder mit Westjerusalem vereinigen würde. Und das war noch nicht alles: Im Anschluss an den Sechstagekrieg von 1967 proklamierte Israel Jerusalem zur ewigen Hauptstadt des jüdischen Volkes. Kollek machte sich daran, Mauern und Zäune niederzureißen und das wieder zusammenzufügen, was einmal ein Ganzes gewesen war. Zugleich realisierte er, dass der Schlüssel zu einer funktionierenden Gemeinschaft in der vom Krieg erschütterten Stadt in der Sicherung der Gleichberechtigung aller Einwohner liegen musste - ungeachtet ihres religiösen oder ethnischen Hintergrundes. Währenddessen absolvierte Jerusalem gewaltige Sprünge: In der 28-jährigen Amtszeit von Teddy Kollek verdreifachte sich die Einwohnerzahl auf 560.000, und viele neue Stadtviertel sind entstanden. Kollek reformierte die kommunale Verwaltung und übertrug größere Verantwortung auf die Lokalverwaltungen. Zudem initiierte oder unterstützte er eine ganze Reihe von Großprojekten - wie zum Beispiel das Jerusalem Theater, das Israel-Museum, die Restaurierung des jüdischen Viertels in der Altstadt und die Einrichtung von spezifischen Gemeindezentren in den verschiedenen Stadtvierteln. Bereits im Jahr 1966 gründete Kollek die Jerusalem Foundation. In den 40 Jahren seit Gründung dieser international agierenden Stifung wurden mehr als 2.000 wichtige Projekte realisiert, angefangen bei öffentlichen Parks und dem Grüngürtel um die Mauern der Altstadt bis zu Großvorhaben wie dem Konrad Adenauer Konferenzzentrum in Mishkenot Sha'ananim, dem Arabischen Gesundheitszentrum in Sheikh Jarrakh, dem Jüdisch-Arabischen Zentrum für zweisprachige Erziehung, den Liberty Bell Gardens und der Jerusalem Cinematheque.
Außergewöhnliche Ehrungen Teddy Kolleks Widerwahl als Jerusalemer Bürgermeister in den Jahren 1969, 1973, 1978, 1983 und 1989 sagt im Prinzip alles über den Erfolg seiner Arbeit - im Dienste der Stadt und seiner Bewohner. Erst im Jahre 1993 - im Alter von 82 Jahren - wurde er abgewählt, sein Nachfolger wurde der Likud-Kandidat und heutige Premierminister Ehud Olmert. Seit Kolleks Rückzug aus der Politik widmet er sich ganz der Arbeit für die Jerusalem Foundation. In Anerkennung seines Einsatzes für die soziale Gleichstellung und friedliche Koexistenz in Israel und im ganzen Mittleren Osten erhielt Teddy Kollek eine große Zahl von Ehrungen, darunter den Israel-Preis (1988), den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1985) und die Ernennung zum «Associate Knight of the Order of St. John». Im Jahre 2001 hat ihn seine einstige Heimatstadt Wien zu ihrem Ehrenbürger gemacht. Teddy Kollek, der «Löwe von Jerusalem» lebt heute in einem Altersheim jener Stadt, die er so liebt und die ihm so viel zu verdanken hat. «Der Löwe von Jerusalem», so nannte man ihn 38 Jahre lang: Mit Elan und Überzeugungskraft regierte der gebürtige Wiener Teddy Kollek von 1965 bis 1993 die Heilige Stadt. Wie kaum ein anderer hat er über Jahrzehnte hinweg die Geschicke des Staates Israel mitbestimmt. 1935 emigrierte er nach Palästina, wo er 1937 einer der Mitbegründer Eroberung des bis dahin jordanischen Ostjerusalems - Bürgermeister der wiedervereinigten Stadt. Bis zu seiner Abwahl im Jahr 1993 machte er aus Jerusalem eine moderne, lebendige Stadt. Heute lebt er in einem Altersheim in Jerusalem. |