In der "Sonntagsschule" von Unna. Foto: MK

Ein neues deutsches Judentum

 

Fröhliche Kinder beim Religionsunterricht - und das nicht etwa in Berlin, sondern weit weg von allen jüdischen Zentren im westfälischen Unna: Indiz dafür, dass jüdisches Leben in Deutschland dank der russischsprachigen Zuwanderung wieder eine Zukunft hat. Die Eltern dieser Kinder sind nun mal jüdisch, wollen Juden sein und haben sich jetzt zur Gemeindegründung entschlossen. Dass sie sich dabei für eine liberale Gemeinde unter dem Dach der «Union für progressives Judentum in Deutschland» entschieden haben, spricht auch für das Selbstbewusstsein der russischsprachigen Bürger bei uns: die neue Jüdische Gemeinde Unna wird nicht von den Zuwendungen der Dortmunder Großgemeinde profitieren können, auch nicht von den Gaben von Chabad, sondern will emanzipiert und selbstbestimmt ihren Weg gehen als «kehilla keduscha». Sie kann dabei auf die Solidarität der Stadt Unna, der örtlichen Caritas und vieler Freunde setzen. In Deutschland werden Juden endlich wieder zu Nachbarn. Dass es wieder mehr Pluralismus in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland gibt, ist auch ganz im Sinne von Bundesinnenminister Schäuble.

Im westfälischen Unna hat sich im März 2003 ein Verein von jüdischen Bürgern und ihren Familien gegründet. Heute zählt der «jüdische kulturell-integrative Verein Stern» bereits 120 Mitglieder. Sie wissen, dass jeder von ihnen die Möglichkeit hat, eigene Erfahrungen und eigenes Wissen anderen Menschen weiterzugeben, um die Integration in die neue Gesellschaft, in unsere Gesellschaft, zu erleichtern.

Mit dem nordrheinwestfälischen Aufnahmelager Unna-Massen vor der Tür bekommt die junge Gemeinde die Folgen der verschärften Zuwanderungspolitik unmittelbar zu spüren. Unna liegt mitten in Deutschland.

JZ

«Jüdische Zeitung», Juni 2007