Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]()
«Die Farbe des Krieges»von Arkadi BabtschenkoEs muss sich erst noch erweisen, ob die traumatische Erfahrung des Tschetschenienkrieges aus dem jungen russischen Autor Arkadi Babtschenko, geboren 1977 in Moskau, einen wirklich großen Schriftsteller gemacht hat. Sein soeben auf Deutsch erschienener dokumentarischer Roman «Die Farbe des Krieges» gehört jedoch ohne jeden Zweifel zu den besten literarischen Beiträgen dieses Genres. Der mit dem Autor identische Protagonist des Buches wird mit achtzehn Jahren zum Militärdienst einberufen und bald darauf völlig unzureichend vorbereitet nach Tschetschenien versetzt, wo sich das Verhängnis des Afghanistankrieges unter anderen Voraussetzungen zu wiederholen droht. Die selbst gegenüber den eigenen Rekruten gewalttätige russische Armee, so wie Babtschenko sie schildert, ist gänzlich korrupt: sie verdient am Krieg genauso mit wie die tschetschenischen Clans - Menschenleben spielen keine Rolle. Die Sprache des Buches ist unglaublich direkt und roh, geprägt von der allgegenwärtigen Gewalt des Krieges und den Untaten auf beiden Seiten, die den zwischenzeitlich nach Hause zurückgekehrten jungen Soldaten bis in den Schlaf verfolgen und nie wieder loslassen werden, ihn perverser Weise am Ende dazu treiben, sich für einen weiteren Waffengang freiwillig zu melden und ein hasserfülltes Nervenwrack aus ihm machen. Babtschenko widersteht der naheliegenden Versuchung, das Erlebte zu kommentieren, und vertraut ganz auf die Aussagekraft der Fakten und die Schockwirkung seiner Bilder, die für den Leser oft schwer genug zu ertragen sind: «Ich habe immer gedacht, der Krieg sei schwarzweiß. Aber er ist bunt.» «Die Farbe des Krieges» ist ein Buch über den nahezu hoffnungslosen Versuch eines Menschen, mit der unbequemen Erkenntnis dieser Farben leben zu lernen. «Die Farbe des Krieges» |