Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]()
«Das gab’s nur einmal»von Marianne Gilbert
Marianne Gilbert, geboren 1931 in Berlin, «Halbjüdin» im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten, gehörte zu jenen politisch fortschrittlichen und hellsichtigen Menschen, die Deutschland direkt nach der Machtübernahme den Rücken kehrten und den Krieg fast ausnahmslos im Exil überlebten. So kann die Autorin in ihren gerade erschienenen Memoiren die mitreißende Geschichte einer teilweise riskanten, letztendlich aber geglückten Flucht durch mehrere europäische Länder bis nach New York erzählen. Ihr spannendes, unterhaltsames Buch ist im wesentlichen auch eine Künstlerbiographie, denn ihr Vater, Robert Gilbert, war einer der erfolgreichsten deutschen Textdichter und Komponisten der Weimarer Republik, dessen Lieder («Ein Freund, ein guter Freund», «Im weißen Rössl am Wolfgangsee», «Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen», aber auch das «Stempellied» von Hanns Eisler) zum Teil noch heute gespielt werden, und dem auch Hannah Arendt in ihrem Buch «Menschen in finsteren Zeiten» ein sehr lesenswertes Kapitel widmete. Als Marianne Gilbert geboren wurde, verließ ihr Vater, ein überzeugter Freigeist und berüchtigter Schürzenjäger, seine junge Familie, weil er keine Kinder wünschte, kehrte aber später reumütig zurück. Doch auch die Flucht aus Europa konnte nur auf getrennten Wegen gelingen. «Das gab's nur einmal» ist eine mitreißende und sehr erhellende Künstlerbiographie, die zum einen in der Persönlichkeit der Eltern der Autorin den liberalen Geist der Weimarer Republik aufleben lässt, andererseits aber auch von ihrem inneren wie äußeren Zwiespalt Zeugnis ablegt, in Amerika trotz jüdische Herkunft vor allem als Vertreter der deutschen Täter wahrgenommen zu werden. «Das gab's nur einmal» |