In Unna hat sich eine neue Gemeinde gegründet

Unabhängig von zentralen Mitteln: eine mutige Entscheidung

 

Dass sich jetzt im Kreis Unna eine eigenständige jüdische Gemeinde gebildet hat, kommt nicht wirklich überraschend. Der «Jüdisch kulturell-integrative Verein „Stern" e.V. Unna», der im März 2003 von Zuwanderern gegründet wurde, hat sich mit seinen inzwischen 120 Mitgliedern der «Wiederherstellung der jüdischen Identität» verschrieben. Zum einjährigen Bestehen des Vereines sagte die Vorsitzende Alexandra Khariakova bereits, dass ihr Ziel die Wiedereinrichtung einer jüdischen Kultusgemeinde in Unna, kurz eine eigene Synagoge sei; bislang ist der Verein im St.-Bonifatius-Haus der Caritas untergebracht, dem ehemaligen Israelitischen Altersheim. «Wir sind froh, gerade an diesem Ort ein Zuhause gefunden zu haben», sagt Khariakova zu dieser Art der Gastfreundschaft. Jeden Sonntag bilden sich die Vereinsmitglieder in jüdischer Geschichte und Tradition weiter. «Viele müssen ihren Glauben erst wieder erlernen. Unsere Mitglieder kommen alle aus der ehemaligen Sowjet-union, insbesondere aus der Ukraine, wo der jüdische Glaube verboten war. Wir haben praktisch zwei Generationen verloren», berichtet Khariakova. Bislang haben die jüdischen Bürger von Unna als Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund Gottesdienste in der dortigen Synagoge besucht; den Religionsunterricht erteilt seit Februar 2005 der Dortmunder Rabbiner Avichai Apel. Dass sich nun 57 Männer und Frauen 160 Jahre nach der Gründung der ersten jüdischen Gemeinde in Unna für eine eigenständige Gemeinde liberaler Prägung entschieden haben, ist ein deutliches Zeichen: Die Gemeinde will der Union progressiver Juden in Deutschland beitreten. «Die Gemeindearbeit gilt es jetzt mit Leben zu füllen», so Alexandra Khariakova, die von den Anwesenden zur Vorsitzenden des neunköpfigen Gemeindevorstands gewählt wurde. «Es ist schön, dass sich in Unna wieder jüdisches Leben regt», sagte Bürgermeister Werner Kolter zur Gemeindegründung.

Hartmut Bomhoff

«Jüdische Zeitung», Juni 2007