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«Die Gedichte»von Ludwig GreveLudwig Greve (1924-1991) war als Dichter sein Leben lang Perfektionist. Sein Werk, für das er erinnert werden wollte, ist überschaubar geblieben, er konnte es immer bei sich tragen. Bis zuletzt feilte er an den Texten, die ihm wichtig waren, veränderte Details, strich einzelne Gedichte aus seinem Kanon, während er andere wieder aufnahm. Wäre er zu Lebzeiten überhaupt noch einmal an den Punkt gelangt, eine repräsentative Ausgabe seiner Werke herauszugeben? 15 Jahre nach seinem tödlichen Badeunfall in der Nordsee ist nun eine Gesamtausgabe seiner Gedichte erschienen, die mit den Mitteln der Literaturwissenschaft die Zweifel und den Perfektionismus des Dichters überwindet. Man hat selten eine so spannende Zeittafel gelesen: Die bemerkenswerte Geschichte seines Überlebens, seine ersten literarischen Versuche im Untergrund, Auswanderung nach Palästina und Rückkehr in seine sprachliche Heimat 1950. Ähnlich wie Celan quälten ihn Schuldgefühle, überlebt zu haben, und dem Verdikt Adornos, dass es nach Auschwitz barbarisch sei, Gedichte zu schreiben, versuchte er durch seine akribische Arbeitsweise gerecht zu werden. Dabei experimentierte er mit strengen klassischen Formen wie dem Sonett und der sapphischen oder auch der alkäischen Strophe. Ausgerechnet im «unzeitgemäßen» Reim versuchte er, das Ungereimte und Unreimbare zu fassen und fand darin einen gewissen Halt: «Die Sprache lern ich später Schüler/ die, taub der Zeit, vergessenes Maß/ vergessene Leiden nicht vergaß./ Vom Steinklang ihrer Reime kühler// kann meiner Schwester ich begegnen./ Die Apfelstirn, gelöscht von Kalk/ hat Schatten, Laub zum Katafalk./ Ach, Gartenruhm der Unterlegenen!» Dazwischen immer wieder Gedichte in freiem Metrum, über die Nordsee etwa, die Schwäbische Alb oder eine Katze, die ein leichtes, aber nicht weniger kunstvolles Gegengewicht bilden - mit einem «Unterton von Glück», den Greve selbst sich von seinen Gedichten erhoffte.
«Die Gedichte»
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