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«Galiläa»von Pierre Loti
Auch der französische Bestsellerautor Pierre Loti (1850-1923), der den «Exotismus« als literarisches Sujet der französischen Literatur begründete, war als Mensch und als Schriftsteller vom alten Orient fasziniert. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, die an so exotischen Schauplätzen wie China, Marokko, vor allem aber im Osmanischen Reich spielten. Trotz seines großen kommerziellen Erfolges und in der Tat großer sprachlicher Gestaltungskraft wurde ihm von seinen Kritikern im Westen vor allem seine scheinbar urteilslose romantisierende Perspektive vorgeworfen. Doch auch die fortschrittlichen Kräfte im Orient empfanden ihre Kultur als in Lotis Romanen falsch porträtiert. Tatsächlich war Loti vor allem an der Einhaltung eines Status Quo interessiert: Die zunehmende Einmischung der Kolonialstaaten in die Angelegenheiten des Osmanischen Reichs empfand er als große Gefahr - zu Recht, wie wir heute wissen. Interessanterweise sind von seinem Werk heute nicht seine fiktionalen Texte im literarischen Gedächtnis geblieben, sondern es sind vor allem seine glänzenden Reiseberichte, die noch immer bestehen können. Gerade erschienen ist der Band «Galiläa«, der dritte und letzte Teil einer Reise, die ihn im Frühjahr 1894 vom Sinai quer durch Palästina nach Baalbek im Libanon führte. Stationen in diesem Band sind unter anderem Nablus, Tiberias (mit Feier des Pessach-Festes) und Damaskus. Das Schöne an Lotis Reiseimpressionen ist, dass sie ganz dem Augenblick verpflichtet sind. Für die Schönheit ist er bereit, größte Umwege zurückzulegen und diese möchte er mit all seiner poetischen Kraft für die Ewigkeit bewahren. Kaum ein Gedanke wird an historische oder biblische Assoziationen verschwendet, allein der eine oder andere zeitkritische, pessimistische Blick in die Zukunft gewagt. «Galiläa« ist eine unverzichtbare Reiselektüre, gerade weil sie sich dem zionistischen Kanon entzieht.
«Galiläa»
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