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«Die russische Patientin»von Bärbel Reetz
In ihrem neuen Roman «Die russische Patientin« beschreibt Bärbel Reetz eine unkonventionelle biographische Recherche nach der russischen Psychoanalytikerin Sabina Spielrein (1885-1942), der «Frau zwischen C.G. Jung und Sigmund Freud«. Ihre selbst blass bleibende Erzählerin unternimmt den psychisch äußerst belastenden Versuch, sich intellektuell und gefühlsmäßig der eigentlichen Protagonistin Sabina Spielrein anzuverwandeln und mit aller ihr zur Verfügung stehenden Empathie die Lebensstationen dieser bis Mitte der 1980er Jahre fast gänzlich unbekannt gebliebenen tragischen Frauenfigur vor dem Leser auszubreiten. Sabina Spielrein wird im Alter von 18 Jahren mit dem Befund einer schweren «Hysterie« in die damals renommierteste psychiatrische Klinik, das Burghölzli in Zürich, eingewiesen, wo sie zunächst C.G. Jungs erste Analysandin und bald fatalerweise auch seine Geliebte wird. Als Jung die Beziehung 1909 einseitig beendet, wenden sich beide brieflich an Sigmund Freud um Rat. Die Affäre führt unter anderem zum Bruch zwischen Freud und seinem «Erben«, während Spielrein ein Studium der Medizin aufnimmt und 1911 als erste Frau mit einem psychoanalytischen Thema promoviert. Nach Jahren der psychoanalytischen Arbeit in Wien, Berlin, Lausanne und Genf kehrt sie 1924 mit ihrer Familie in ihre Geburtsstadt Rostow zurück, wo sie nach dem Einmarsch der Deutschen zusammen mit ihren beiden Töchtern Opfer einer Massenerschießung wird. Bärbel Reetz beschreibt Sabina Spielrein als Suchende, die von einer europäischen Mission des Judentums träumte und die unterschiedlichsten Anforderungen ihrer Zeit versöhnen wollte. Nach bisher ausschließlich wissenschaftlichen Publikationen ist dies das erste Buch über Sabina Spielrein, dem ein breiteres Publikum zu wünschen ist.
«Die russische Patientin»
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