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«Ein ganz gewöhnlicher Jude»von Charles Lewinsky
«Wissen Sie, was einen Antisemiten vom Filosemiten unterscheidet? Der Antisemit würgt, der Filosemit umarmt. Und bei beiden bleibt mir die Luft weg.» Der das sagt, heißt Emanuel Goldfarb und ist ein nach 1945 geborener deutscher Jude. In den Mund gelegt hat ihm diesen Satz der Schweizer Charles Lewinsky in seinem Drehbuch zum Film «Ein ganz gewöhnlicher Jude» von Oliver Hirschbiegel, der am 19. Januar in deutschen Programmkinos anläuft. Vorab sind eine Buchausgabe und eine Audio-CD mit der Tonspur des Films (Hauptdarsteller: Ben Becker) erschienen, welche die intime Eindringlichkeit des Textes noch betonen. Goldfarb, ein Journalist, wird von seiner Gemeinde gebeten, der Bitte eines deutschen Sozialkundelehrers nachzukommen, in dessen siebter Gymnasialklasse in einem Beispiel «lebendigen Unterrichts» Schülerfragen zur «jüdischen Religionsgemeinschaft» zu beantworten. Aus seiner inneren Abwehr heraus entspinnt sich ein intensiv geführter Monolog, der auf sehr intelligente Weise die Widersprüche eines jüdischen Lebens in Deutschland auslotet, denn eigentlich möchte er nicht nur ein ganz gewöhnlicher Jude, sondern auch ein ganz gewöhnlicher Deutscher sein. Die Stärke von Lewinskys Text ist seine hellsichtige ätzende Kritik an der unreflektierten, vergangenheitsbezogenen deutschen Sicht auf das Judentum und den Holocaust und die Instrumentalisierung dieser Sichtweise zu identitätsstiftenden, wenn auch positiv motivierten Zwecken. «Nashörner guckt man sich im Zoo an; Juden lädt man sich in den Unterricht ein» - auf keinen Fall möchte Goldfarb der «jüdische Mitbürger» im kolonisierten Sprachgebrauch deutscher Filosemiten und Objekt eines pseudo-engagierten Gutmenschentums sein. Dass sich ausgerechnet Oliver Hirschbiegel, Regisseur des maßlos überschätzten Führerbunker-Films «Der Untergang», dieses Stoffs angenommen hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
«Ein ganz gewöhnlcher Jude»
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