Buchcover

«Der Junge und der Rabbi»

von Pete Hamill

Der vorliegende Roman ist 1998 bereits erstmals in deutscher Sprache erschienen, damals unter dem Titel «Schnee im August». Vielleicht beflügelt durch den Erfolg von so versöhnlichen Büchern wie «Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran», versucht der Europa-Verlag nun mit einer Neuausgabe, dem Roman auch in Deutschland den verdienten Erfolg zu bescheren, der ihm bislang nur in den USA zuteil wurde. «Der Junge und der Rabbi» handelt von der Freundschaft zwischen einem zwölfjährigen Sohn irischer Einwanderer und einem dem Holocaust entkommenen Rabbiner aus Osteuropa im Brooklyn der 1940er Jahre, wo auch der Autor aufwuchs. Im Winter 1946 lernen sich die beiden ungleichen Hauptfiguren des Romans kennen, als Rabbi Hirsch den vorbeieilenden Michael darum bittet, ihm an diesem Schabbat das Licht anzumachen. Mit neugierigem kindlichem Blick und wachsender Faszination entdeckt der irische Junge eine ihm bis dahin völlig fremde Welt der Weisheit und Tradition. Im Gegenzug bringt er dem Rabbi alles bei, was er in der Neuen Welt wissen muss. Als eine antisemitische Gang beginnt, das Viertel zu terrorisieren und schließlich sogar den jüdischen Ladenbesitzer Greenburger überfällt und totprügelt, wird die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt, denn Michael hat alles gesehen, wagt aber aus Angst vor Vergeltung nicht, zur Polizei zu gehen. Den Ausweg weist ausgerechnet die Sage vom Prager Golem, die der Rabbi ihm einst erzählt hat. Pete Hamill ist ein bewegender, autobiografisch inspirierter Roman aus einem untergegangenen Milieu New Yorks gelungen, der die großen Fragen nach Zivilcourage, Mut und Freundschaft behandelt.

Florian Hunger

 

 

«Der Junge und der Rabbi»
aus dem Amerikanischen von Christine Strüh
Europa-Verlag, 400 Seiten
19,90 Euro

 

«Jüdische Zeitung», Januar 2006