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Bloombergs GeheimnisWill der jüdische Billionär Michael Bloomberg nicht doch Präsident werden
Erst war er ziemlich lange Demokrat, dann sechs Jahre Republikaner, jetzt ist er unabhängig - Michael Bloomberg, der amtierende Bürgermeister New Yorks. Der Parteiaustritt, der ihn von einer weiteren Kandidatur um das prestigereichste Bürgermeisteramt der Staaten ausschließt, hat im Juni Spekulationen um eine Präsidentschaftskandidatur des jüdischen Medien- und Finanzmoguls weiter angeheizt. Vom Parteienklüngel habe er genug, verkündete Bloomberg, er wolle sich wichtigeren Dingen zuwenden. Welchen allerdings, das sagte er nicht. Als Parteigänger sei Bloomberg ohnehin ziemlich pragmatisch gewesen, urteilt die «New York Times» - stets so überzeugt von Parteiideologie wie es nützlich war, wenn er damit beispielsweise Gelder für New Yorker Bildungs- und Sozialprojekte aus dem Staatsbudget leiern konnte. Auch das «Time Magazine» bestätigt, wofür sich Bloomberg selbst lobt: «Es stimmt: Bloomberg hat sich als geflissentlich unparteiischer und meist effektiver Bürgermeister erwiesen, der mit Demokraten und Republikanern gleichermaßen an großen Initiativen arbeitet - sei es Erziehung, Wohnungsbau, Gesundheit, Finanzen oder Klimawandel.» Jetzt ist der 65-jährige Billionär die Hoffnung der Parteilosen: Er soll ihr erster parteiloser Präsident der Vereinigten Staaten werden. Bloomberg streitet nicht ab, bekennt jedoch bisher nichts. Allerdings hält sich der Besitzer des Bloomberg-Firmenimperiums mit 82 Büros weltweit mit Regierungskritik nicht mehr zurück. Zu mehr Klimaschutz mahnte Bloomberg auf einer Tour durch mehrere Staaten und ging die amerikanische Regierung wegen ihrer Politik scharf an. Dem «Economist» klang dies schon sehr nach Wahlkampfparolen. Als «idealen Kandidaten» für das Präsidentenamt bezeichnete der Gouverneur des sonnigen Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, den Besucher von der Ostküste. Dass sein Politikerkollege die Republikaner kurz darauf verlassen würde, wusste der geborene Steiermärker Arnie wohl nicht. Weniger belegt, aber angeblich laut seiner Mitarbeiter verbrieft, soll sich Bloomberg bei jüngsten Besprechungen sehr «präsidial» anhören. Zudem eröffnete Bloomberg selbst im Mai eine eigene Website, auf der sein New Yorker Bürgermeistertitel etwas unterschlagen und er selbst jovial als «Mike» bezeichnet wird. Schon ungleich länger kämpft ein «Komitee zur Aufstellung Bloombergs als unabhängiger Präsident» für dessen Nominierung. Eine weitere Website wirbt um Onlinestimmen für «Run, Mike Bloomberg» und eine «fiskal konservative, sozialliberale, parteienunabhängige, sichere, grüne und transparente» Regierung der Vereinigten Staaten. Auf myspace ist Bloomberg «der hippste Outsider», «the ultimative Inside Outsider». Er selbst orakelt vor der Presse, er habe seine Pläne nicht geändert, nur welche - das sagt er nicht. Immerhin läuft der amerikanische Wahlkampf seit Januar dieses Jahres bereits auf ziemlichen Hochtouren und zieht sich bis zur tatsächlichen Ernennung des Bush-Nachfolgers bis Januar 2009. Hillary Rodham-Clinton, New Yorker Senatorin und Gattin des Ex-Präsidenten, und der farbige Senator Barrack Obama aus Illinois sind die bisher bestimmenden Figuren - zumindest mit der meisten Beachtung im Ausland. Was Bloomberg alles machen soll? Vom Wiederbeleben des amerikanischen Traums und der «grassroute democracy» ist die Rede, vom Stoppen der Steuerverschwendung in Washington. Immerhin zählte ihn das «Times»-Magazin unter die Top 100 der mächtigsten Personen der Welt. Er landete auf Platz 98 einer allerdings recht merkwürdigen Liste, die auf Platz eins als einflussreichsten Menschen des Planeten einen koreanischen Popstar von 24 Jahren führt, der sich «Regen» nennt. Bloomberg selbst schreibt Klimawandel, Immigration und den Kampf gegen illegalen Waffenhandel groß. Zu seinen Herzensangelegenheiten gehören außerdem das Gesundheitssystem und die Erziehung. Bloombergs frühere Kampagnenprofis schlagen sich zurzeit mit seinen möglichen Haltungen zu allen möglichen Themen herum, so heißt es, vom Irak-Krieg bis zu Gesundheitsversorgung. Einige dürften im konservativen Amerika nicht gerade populär sein, so befürwortet Bloomberg zum Beispiel das Recht auf Abtreibung und mehr Stammzellenforschung. In zwei Amtszeiten als Stadtoberhaupt New Yorks hat er sich sicherlich profilieren können. Nach eigener Aussage hat er die Stadt sicherer und weniger bankrott gemacht. Bloomberg hat höher besteuert und Falschparker strenger bestraft. Er hat riesige Bauprojekte für bezahlbaren Wohnraum angeschoben in einer Stadt, in der die Mietteuerung in den letzten Jahren die Inflationsrate überstieg. Er will Autos aus der Stadt verbannen und setzte sich für ein grüneres New York ein, auch wenn seine einstige Forderung, eine Million neuer Bäume in der Stadt zu pflanzen, wohl etwas zu überzogen war. Von «Bloomtopia» sprach da die Presse. Die Reform des New Yorker Schulwesens blieb tatsächlich eine Priorität, wie er im Wahlkampf versprochen hatte. Besonders vernarrt ist Bloomberg in Gesundheitsthemen. Für eine weltweite Anti-Raucher-Kampagne spendete er 125 Millionen Dollar. In der Philanthropie hat der Mann, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, viel vorzuweisen. In einem Bostoner Arbeiterbezirk sah er seinen Vater, einen Buchhalter mit jüdisch-polnischen Wurzeln, sieben Tage in der Woche zur Arbeit gehen, um seine vierköpfige Familie zu ernähren. Sein Sohn spendet nun Millionenbeträge, zum Beispiel an die John Hopkins University, an der er selbst ein Studium als Elektroingenieur absolvierte. Hillary, eine Frau und Obama, ein Farbiger - manch Amerikaner zweifelt an ihren Chancen in einem doch konservativen Land. Auch Bloomberg scherzt mit seinen «Defiziten» - ob Amerika wohl bereit wäre für einen kleinen, jüdischen, geschiedenen Billionär im Präsidentenamt. Sein Judentum hängt Bloomberg zumindest nicht an die große Glocke. Den Vorstandsposten beim Jüdischen Museum der Stadt gab er vor seinem Amtsantritt als Bürgermeister 2002 auf, wie auch andere kulturelle Ehrenämter. Tatsächlich schwierig mag es für ihn aus anderen Gründen werden: bisher hat es noch kein unabhängiger Kandidat in dem von zwei Parteien dominierten Wahlsystem der Vereinigten Staaten ins Oval Office geschafft. Dabei könnte Bloomberg einen möglichen Wahlkampf aus der Portokasse zahlen, während andere Kandidaten ein Heer von Spendenjägern in amerikanischen Vorstädten von Tür zu Tür schicken. Für die beiden Wahlkämpfe um das New Yorker Bürgermeisteramt 2001 und 2005 zumindest soll er eigene Finanzpolster ausnehmend genutzt haben. Die Klatschpresse berichtet gerne über seinen Reichtum, seinen Immobilienbesitz in London und auf den Bermudas, wo er Berlusconis Nachbar ist und außerdem seinen privaten Helikopter. Eine Billionen, so will die «Washington Times» Mitte Mai von Bloomberg-Vertrauten erfahren haben, habe der Billionär, der sein Vermögen mit Informationssystemen für Börsenunternehmen machte, bereits für eine Wahlkampagne einer «dritten» nicht weiter benannten Partei verplant. Bei so einem üppigen Budget, schätzt spiegel online, könne es sich Bloomberg sogar noch bis nächstes Jahr überlegen, ob er überhaupt in den Wahlkampf einsteige. In seiner 1997 erschienene Biographie «Bloomberg on Bloomberg» mag er selbst noch nichts von Kandidaturplänen geahnt haben. Wie er der «New York Times» noch vor zwei Jahren verriet, plant er zumindest nicht in den Ruhestand zu treten. Er wolle sich einem klassischen jüdischen Feld zuwenden - der Philanthropie. |